08:07 22 Februar 2018
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    Russlands Raumfahrt: Pannenserie reißt nicht ab – „Nowyje Iswestija“

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    Der Absturz der russischen Trägerrakete Proton-M mit zwei Kommunikationssatelliten ist auf eine Panne im Antriebssystem Breeze-M zurückzuführen, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Mittwoch.

    Der Absturz der russischen Trägerrakete Proton-M mit zwei Kommunikationssatelliten ist auf eine Panne im Antriebssystem Breeze-M zurückzuführen, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Mittwoch.

    Damit verwandelten sich die insgesamt sechs Milliarden Rubel (umgerechnet 150 Mio. Euro) teuren Satelliten innerhalb weniger Sekunden in Weltraumschrott. Experten sprechen weiterhin von einer Systemkrise in der russischen Raumfahrt.

    Für die Raumfahrtnation Russland ist der Proton-Absturz umso blamabler, weil am Montag der US-amerikanische Mars-Rover erfolgreich auf dem Roten Planeten gelandet war.

    Schon in den Jahren zuvor hatte es einige Fehlstarts in der russischen Raumfahrt gegeben. Im Dezember 2010 gingen gleich drei Glonass-Satelliten verloren; im Februar 2011 erreichte ein Militärsatellit die berechnete Erdumlaufbahn nicht; im August 2011 konnte die Flugleitzentrale keinen Kontakt zum Express-AM4-Satelliten herstellen. Kurze Zeit später konnte der Raumfrachter Progress M-12M die ISS nicht erreichen; im November 2011 scheiterte das ambitionierte Mars-Forschungsprojekt Phobos-Grunt, was Russlands Image als Weltraummacht stark angekratzt hat.

    „Höchstwahrscheinlich lässt sich die neue Panne auf den so genannten menschlichen Faktor zurückführen, genauso wie beim letzten Mal, als die Proton-Rakete mit zu viel Treibstoff befüllt wurde“, so der Direktor des Zentrums für Waffenhandelsanalyse, Igor Korotschenko.

    Er betonte aber zugleich, dass die Situation in der russischen Raumfahrt, „nicht innerhalb eines halben Jahres wieder zum Besseren gewendet werden kann.“

    Der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin, müsse jetzt Krisenmanagement betreiben, „aber mit personellen Umbesetzungen ist das Problem nicht zu lösen. Die Kontrollen in der Branche müssen verschärft und die Qualität verbessert werden. Die vielen Zwischenhändler müssen ausgeschaltet werden - das tut er (Popowkin) trotz der aggressiven PR-Kampagne, die gegen ihn gestartet wurde“.

    In der russischen Raumfahrt ist tatsächlich eine paradoxe Situation entstanden. Einerseits wird sie massiv finanziell unterstützt - 155 Milliarden Rubel (ca. vier Milliarden Euro) sind für die Raumfahrt 2013 vorgesehen, ein Drittel mehr als in diesem Jahr. Andererseits wird die Raumfahrtindustrie von Korruptionsskandalen gebeutelt. Erst im Juli wurde im Konzern Russische Raumfahrtsysteme (RKS) festgestellt, dass Mittel in Höhe von 500 Millionen Rubel zweckentfremdet worden waren. Diese Gelder waren für die Entwicklung des Navigationssystems Glonass vorgesehen.

    „In den vergangenen Jahren wurde die Branche überhaupt nicht reformiert“, so der Leiter des Zentrums für internationale Sicherheit, Alexej Arbatow. „Sie ist von der Korruption erfasst. Die Preise steigen kontinuierlich an, während die Qualität ständig schlechter wird. Die Qualität der Zulieferteile wird kaum kontrolliert. Die Preisgestaltung ist undurchsichtig, weshalb milliardenschwere Haushaltszuschüsse sich praktisch in Luft auflösen“, stellte Arbatow fest.

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