01:49 14 November 2018
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    Sanktionen gegen Russland gefährden neues Weltraumteleskop

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    Sanktionen gegen Russland (857)
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    Die USA verhindern der Tageszeitung "Iswestija" zufolge die Lieferung elektronischer Komponenten für ein internationales Weltraum-Projekt, an dem auch Deutschland teilnimmt. Den Kern des Projekts macht ein russisches Ultraviolett-Teleskop aus.

    Die USA verhindern der Tageszeitung "Iswestija" zufolge die Lieferung elektronischer Komponenten für ein internationales Weltraum-Projekt, an dem auch Deutschland teilnimmt. Den Kern des Projekts macht ein russisches Ultraviolett-Teleskop aus.

    Experten sprechen von einem Präzedenzfall: Erstmals könnte ein rein wissenschaftliches Programm im Raumfahrtbereich wegen der antirussischen Sanktionen blockiert werden. Die USA versuchen, das internationale Projekt World Space Observatory – Ultraviolet (WSO-UV) zu blockieren, bei dem Russland die führende Rolle spielt.

    Boris Schustow, Leiter des Astronomie-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte dem Blatt: „In Russland können wir die im Ultraviolett-Bereich funktionierenden Strahlungsempfänger von entsprechender Qualität nicht selbständig bauen. Deshalb waren wir auf Zustimmung der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos gezwungen, einen Vertrag mit der britischen Firma E2V zu schließen. Wir leisteten eine Vorauszahlung. Doch im laufenden Jahr beschlossen die USA zusätzliche Restriktionen in Bezug auf High-Tech-Lieferungen an Russland. Unser Vertrag ist davon betroffen. Die Engländer bauen den Empfänger zwar selbständig, verwenden aber amerikanische Komponenten für strahlungsbeständige Elektronik. Es gelang ihnen nicht, eine Erlaubnis für den Export dieser Komponenten an Russland zu bekommen.“

    Die britische Firma wolle den Vertrag trotzdem nicht brechen, um keine Strafen zahlen zu müssen. „Die Englänger versichern uns, dass sie in der Lage sind, die erforderlichen Komponenten selbst zu bauen. Sie bitten aber um Erlaubnis, die Laufzeit des Vertrags um anderthalb Jahre zu verlängern“, so Schustow.

    Das eigentliche Teleskop wird in Russland gebaut und soll einen Durchmesser von 1,7 Meter haben. Das ist zwar kleiner im Vergleich zum Hubble-Teleskop, doch dank der moderneren Technologien soll das neue Observatorium im All effizienter sein. Der Start war ursprünglich für 2016 geplant. Nun wird er laut Schustow voraussichtlich auf 2020 verschoben. Der russische Name des Projekts ist Spektr-UF. Außerdem nehmen Deutschland und Spanien an dem Projekt teil.

    Die Zeitung zitierte einen Mitarbeiter der russischen Raumfahrtbehörde mit den Worten, das jetzt aufgetretene Problem könne als Präzedenzfall betrachtet werden. Erstmals blockiere Amerika eine Komponenten-Lieferung für ein rein wissenschaftliches Weltraum-Projekt.

    Schustow zeigt sich nicht überrascht: „Die Politik mischt sich in alles ein. Es wäre naiv zu glauben, dass die Wissenschaft in einer abgeschotteten reinen Welt existiert.“ Das geltende US-Regelungswerk ITAR sieht vor, dass militärisch geeignete und strahlungsbeständige elektronische Komponenten nur auf Zustimmung des US-Außenministeriums an Russland geliefert werden dürfen.

    Andrej Ionin, Mitglied der Russischen Raumfahrt-Akademie, sagte dem Blatt: „Die Amerikaner versuchen, uns am Zugriff auf neue technologische Produkte zu hindern. Im Gegensatz zu politischen und finanziellen Maßnahmen ähneln technologische Sanktionen einem Eisberg, denn ihr größerer Teil ist nicht publik. Man erfährt davon manchmal im letzten Augenblick, wenn ein Satellit schon halb fertig ist. Das ist nun mit der Firma E2V passiert. Nicht nur Russland hat mit dieser Situation zu tun. Diejenigen, die von solchen Maßnahmen bedroht sind, sollten sich wohl zusammentun, um kritisch wichtige Technologien gemeinsam zu entwickeln. Nur auf diese Weise lassen sich Konsequenzen des technologischen Kolonialismus vermeiden.“

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