03:35 23 November 2019
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    Roskosmos-Chef Igor Komarow

    Russland sucht einen günstigen Weg zum Mond

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    Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos tüftelt einem Zeitungsbericht zufolge daran, wie ihre ehrgeizigen Projekte billiger gemacht werden könnten. Möglicherweise verzichtet Russland vorerst auf die Entwicklung einer superschweren Rakete und eines Raumschiffs eigens für Mond-Missionen.

    Der neue Roskosmos-Chef Igor Komarow hat eine Arbeitsgruppe gebildet, um Prioritäten im Bereich der bemannten Raumfahrt zu setzen und die bisherigen Pläne bei Bedarf zu korrigieren. Das berichtete am Montag die Tageszeitung „Iswestija“.

    Komarow sagte dem Blatt: „Innerhalb eines kurzen Zeitraums (buchstäblich binnen einem Monat) soll die Gruppe Antworten auf die wichtigsten Fragen vorlegen. Es geht um die Zweckmäßigkeit des weiteren ISS-Betriebs sowie um die Möglichkeit neuer strategischer Allianzen in Sachen Weltraumforschung, aber auch um die Aussichten auf den Bau einer neuen Raumstation. Bevor wir die Parameter unseres staatlichen Raumfahrt-Programms endgültig festlegen, brauchen wir eine Klarheit in Bezug auf die grundsätzlichen Fragen.“

    Der Roskosmos-Chef betonte, er erwarte vom Team „motivierte Empfehlungen“, um sie dann mit anderen Branchenexperten zu erörtern und im Programm für den Zeitraum von 2016 bis 2025 zu berücksichtigen. 

    Der vorläufige Entwurf dieses Programms war noch vor Komarows Amtsantritt zustande gekommen. Er sieht insbesondere Maßnahmen vor, um eine aktive Mond-Erschließung zu starten. Geplant ist beispielsweise die Entwicklung eines Baggers und einer Kabelverlegemaschine eigens für den Einsatz auf dem Mond. Dadurch soll die Einrichtung einer Basis dort vorbereitet werden.

    Dieser Entwurf basiert unter anderem auf den „Grundlagen der Staatspolitik im Raumfahrtbereich“, die 2013 von Wladimir Putin signiert wurden und einen Flug zum Mond in den 2030er Jahren beinhalten.  

    Im vorläufigen Entwurf ist auch die Entwicklung einer superschweren Trägerrakete vorgesehen. Deren Nutzlastkapazität soll 160 bis 180 Tonnen betragen, um ein bemanntes Raumschiff mit einem Lander zum Mond zu befördern. Die Entwicklung einer solchen Rakete wird nach Angaben des Blattes insgesamt mehr als eine Billion Rubel (13 Milliarden Euro) kosten.

    Diese Pläne wurden kürzlich allerdings von einem Expertenteam der russischen Rüstungskommission kritisiert. Die Kritiker wiesen darauf hin, dass eine superschwere Rakete kommerziell kaum rentabel wäre: Sie kommt nur selten zum Einsatz, erfordert aber eine sehr teure Infrastruktur.

    Ein Mitglied der Roskosmos-Arbeitsgruppe sagte dem Blatt, die Entwicklung einer superschweren Rakete werde nun vermutlich auf die Zukunft verschoben: „Eine mögliche Alternative wäre die schwere Version der Angara-Rakete, die die entsprechende Nutzlast phasenweise ins All bringen könnte, um das Raumschiff unmittelbar im Orbit zu montieren.“

    Möglicherweise verzichte Russland außerdem auf die Entwicklung eines Raumschiffs eigens für die Mond-Mission. Anstatt mehr als 500 Milliarden Rubel dafür auszugeben, könne man das bewährte Sojus-Raumschiff entsprechend modernisieren und Geld sparen. Generell bleibe die Mond-Erschließung jedoch ein strategisches Ziel der russischen Raumfahrt, vermutete das Mitglied der Arbeitsgruppe.

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    Tags:
    Mond-Mission, Internationale Raumstation ISS, Sojus-Raumschiff, Roskosmos, Wladimir Putin, Igor Komarow