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03:10 20 Oktober 2019
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    Kopf-Transplantation bald möglich

    Gerüchte über Kopf-Transplantation: „Die Zukunft macht Angst“

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    Falls die von dem italienischen Neurochirurgen Sergio Canavero geplante Kopf-Transplantation gelingt, bedeutet das nicht nur eine biologische, sondern auch eine ethische Revolution. Die Kehrseite des Fortschritts ist die Angst davor, dass eine Dystopie wahr wird, stellt die russische Kunstkritikerin Aljona Solnzewa fest.

    Solnzewa schreibt in einem am Mittwoch veröffentlichten Kommentar für die russische Onlinezeitung Gazeta.ru: „Zwar erscheint diese Operation derzeit als Sensation und PR-Trick, doch bei genauer Betrachtung stellt sich heraus, dass die vorbereitenden medizinischen Experimente bereits laufen. Selbst jene Forscher, die nicht an die Möglichkeiten des italienischen Arztes glauben, wissen: Früher oder später werden solche Experimente medizinische Routine. Genetische Veränderungen und sogar die Eugenik scheinen nicht mehr für immer geächtet zu sein. Eine Zwangs-Sterilisierung ist unmenschlich, man wird aber viele andere und mildere Wege finden, die unvollkommenen Gene zu korrigieren. Es besteht kaum Zweifel daran, dass ein neuer globaler Wandel diesmal mit der Biologie zusammenhängt.“

    „Wir geben uns Mühe, in der alten Welt wie in einer alten Wohnung zu leben, indem wir die Möbel umstellen und die Tapeten wechseln. Der Wandel, der mit der biologischen Revolution kommt, wird nicht zu übersehen sein. Ein neuer Kopf auf einem alten Körper (oder umgekehrt?) bedeutet neue Gesetze der Erbfolge, neue ethische Prinzipien und eine neue Identität – aber nicht nur das. Möglicherweise geht es um eine faktische Unsterblichkeit, denn eine Regeneration von Organen sowie deren Austausch führen genau dazu“, so der Kommentar.

    „Wer hätte Anfang des 20. Jahrhunderts an zahlreiche Leihmütter und an Kinder aus dem Reagenzglas geglaubt? Derzeit ist das Norm. So wird allmählich ein künftiger Evolutions-Durchbruch vorbereitet, dessen Folgen weniger berechenbar sind als Naturkatstrophen“, so Solnzewa.

    Die Welt ändere sich schneller, als sich das menschliche Bewusstsein diesem Wandel anpassen könne. Der Mensch sei zu diesem Tempo nicht bereit und klammere sich an die Vergangenheit: „Der Mythos von einer hellen Zukunft ist tot. An seiner Stelle klafft eine Dystopie, eine Gruselgeschichte vom Ende der Zeit. Die Zukunft macht Angst. Die alten humanen Ideen, wonach die Wissenschaft heilen, aufklären und mit Essen versorgen kann, sind mittlerweile fast vergessen. Nur wenige glauben an die Fähigkeit der Forscher, die Menschheit in eine glückliche Zukunft zu führen. Stattdessen haben viele Angst vor unzähligen Problemen im Hinblick auf den ethischen Teil des wissenschaftlichen Fortschritts. Anstelle der Brücke zum Gemeinwohl sehen viele einen riesigen Abgrund, der die leichtgläubige Menschheit mit ihrer schädlichen Vorliebe für Experimente verschlingt.“

    Doch der Versuch, die Augen zuzudrücken, um das unvorstellbare Neue nicht zu sehen, sei leider oder glücklicherweise immer gescheitert, obwohl es manchmal ziemlich nützlich sei, die stürmische Entwicklung der menschlichen Phantasie etwas zu bremsen. Es gebe allerdings einen Unterschied zwischen „ein wenig bremsen“ und „abrupt das Bremspedal während einer Beschleunigung drücken“. Das erste sei eine Sicherheitsmaßnahme, das zweite könne auf eine Katastrophe hinauslaufen, heißt es.

    „Die Evolution ist unvermeidlich. (…) Die Menschen werden es nicht schaffen, der Versuchung der Eugenik zu widerstehen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Kreuzung von Mensch und Tier in einer nicht allzu fernen Zukunft Routine wird. Dann wird ‚Die Insel des Dr. Moreau‘ nicht mehr wie ein Gleichnis, sondern wie eine Prophezeiung aussehen. (…) Wir modifizieren unsere Traditionen, unabhängig davon, wie schön wir sie finden. Das kann sowohl bitteres Bedauern als auch gute Hoffnungen zur Folge haben. Oder beides zugleich. Das wissen wir noch nicht. Denn die Zukunft ist noch nicht gekommen“, schreibt Solnzewa zum Schluss.

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    Tags:
    Kopf-Transplantation, Transplantation, Medizin, Aljona Solnzewa, Sergio Canavero