05:40 16 Dezember 2019
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    Georgi Tichomirow

    Zukunft der Atomenergie: Spitzenforscher diskutieren in Moskau

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    In Moskau ist die “Atomexpo 2015”, eine der größten Fachkonferenzen zum Thema Atomkraft in der Welt, eröffnet worden.

    Vertreter von internationalen, staatlichen und gesellschaftlichen Organisationen, von russischen und ausländischen Firmen sowie führende Atomexperten beteiligen sich an der Messe und dem Kongress in Moskau. In diesem Jahr lautet das Thema “Atomenergie als Impuls der sozialwirtschaftlichen Entwicklung”.

    “Heute hat die Atomenergie zwei große Probleme: Fachkräftemangel und die Entwicklung von Technologien zur Lagerung von radioaktiven Abfällen, die die Halbwertzeit von Hundert und mehr Jahren haben“, sagt Georgij Tichomirow von der Moskauer Universität für Nuklearforschung.

    „Geld ist heute das wichtigste Element unseres Lebens. Kluge Leute verdienen es auf verschiedene Weise. Programmierer können in einer Bank arbeiten, aber auch in einem Unternehmen wie Rosatom. Wenn er in der Bank das Doppelte verdienen und keine solche Verantwortung wie bei der Arbeit mit nuklearen Technologien tragen möchte, geht er natürlich in die Bank. Deshalb gibt es in vielen Ländern einen Mangel an Fachkräften im Bereich Nukleartechnologien.”

    Das zweite Problem sind die radioaktiven Abfälle. In etlichen Ländern werden Stollen eingerichtet und Labore zur Transmutation der Abfälle gebaut – um die lebensgefährliche Radioaktivität dieser Materialien auf höchstens 100 Jahre zu begrenzen. So lange können wir schon garantiert einlagern. Das heißt, dass wir in nächster Zukunft entweder schnelle Reaktoren entwickeln, diese Abfälle verbrennen und das Problem ihrer Aufbewahrung lösen, oder sie in tiefe Stollen verfrachten werden, die ihre Isolierung garantieren“, erklärt Tichomirow.

    Die Atomindustrie befasst sich auch mit der Nuklearmedizin. „Heutzutage wird Nuklearmedizin in allen entwickelten Ländern in großem Umfang eingesetzt. Auch in Deutschland, das langfristig auf Atomkraft verzichten will. In den Kliniken Europas und der USA gibt es Tausende Beschleuniger. Sie erzeugen kurzlebige radioaktive Präparate für Therapie und Diagnostik“, so der Experte weiter.

    Tichomirow ist der Ansicht, dass nukleare Technologien, darunter die Atomenergie, mindestens für die nächsten 100 bis 200 Jahre noch gebraucht werden. „Vielleicht finden wir in 100 Jahren etwas Einzigartigeres, aber ich bin sicher, dass wir auf die Radiation nicht verzichten werden. Weil sogar die Sonne eine Strahlung ist. In Zukunft wird es neben thermischen Reaktoren, die heute die Grundlage eines Reaktorenparks bilden, auch vermehrt Schnelle Brüter geben. Ihre Nutzung steigert die Vorräte des nuklearen Brennstoffes um das Hundertfache“.

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    Atommesse Atomexpo 2015, USA, Moskau, Russland