19:49 26 Juni 2019
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    Russische Forscher suchen Zauberer: „Ins Mittelalter eingetaucht“

    Russische Forscher suchen Zauberer: „Ins Mittelalter eingetaucht“

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    Hellseher, Zauberer und Esper werden in Russland nun einem Zeitungsbericht zufolge offiziell eingeladen, ihr Können einem Expertenrat zu demonstrieren. Falls eine Parafähigkeit wissenschaftlich nachgewiesen wird, soll das Erbgut des Trägers analysiert werden. Doch die Forscher erwarten eher einen Andrang von Verrückten und Scharlatanen.

    Wie die Tageszeitung „Nowyje Iswestija“ am Dienstag berichtet, darf nun jeder, die sich zu außersinnlicher Wahrnehmung fähig wähnt, den neuen Harry-Houdini-Preis beanspruchen. Dieser wurde von russischen Forschern und Journalisten begründet. Der Gewinner soll eine Million Rubel bekommen (rund 15.000 Euro), falls er seine Fähigkeiten wissenschaftlich nachweist.

    Um Scharlatane auszusortieren, gehören auch berufsmäßige Zauberkünstler der Jury an. Einer von ihnen ist Denis Wlassow. Er sagte dem Blatt: „Natürlich werden jetzt Menschen zu uns kommen, die nicht ganz dicht sind und glauben, irgendwelche Fähigkeiten zu besitzen. Gauner werden sich dagegen kaum einfinden – sie brauchen sich ja nicht zu entlarven. Die Teilnehmer müssen sich einem streng kontrollierten wissenschaftlichen Experiment unterziehen.“

    Jeder angebliche Esper soll in der Bewerbung seine Fähigkeit beschreiben sowie ein Video vorlegen – oder zumindest einen Pressebericht über sein Können. Wer etwa behauptet, er könne fliegen, wenn niemand zuschaut, darf sich nicht bewerben. Physiker Kirill Alfjorow, Gründer der „Skeptiker-Gesellschaft“, erläuterte, eine Behauptung sei von vorherein unwissenschaftlich, wenn sie sich durch kein Experiment prüfen lasse: „Allerdings ist es überhaupt äußerst problematisch, etwas 100-prozentig nachzuweisen. Die gegenwärtige Wissenschaft ist kein Instrument für absolutes Wissen.“

    Im Expertenrat sitzen Professor Michail Gelfand (Fakultät für Biotechnik und Bioinformatik an der Staatsuniversität Moskau), Alexander Sergejew (Kommission der Russischen Akademie der Wissenschaften für Kampf gegen Pseudowissenschaft), Alexander Pantschin (Institut für Informationsübertragung derselben Akademie) und weitere Fachleute.   

    „Wissenschaftliche Methoden, die sich bei klinischen Studien gut bewährt haben, sollen ermöglichen, Betrüger abzufiltern. Die überwältigende Mehrheit paranormaler Fähigkeiten sind ja geschickte Tricks oder Betrug“, sagte Arzt und Journalist Alexej Wodowosow.

    Falls es einem Esper doch gelingt, die Wissenschaftler zu überzeugen, bekommt er nicht nur Geld, sondern wird auch einer DNA-Sequenzierung unterzogen. „Diese sorgfältige Untersuchung soll herausfinden, was diesen Menschen von den anderen unterscheidet. Die Ergebnisse des Experiments sollen auch Aufschluss darüber geben, wie das künftig verwendet werden könnte“, so Wodowosow.

    Laut Organisatoren zielt das Projekt nicht etwa darauf ab, einen Supermenschen zu finden, sondern eher auf die Propaganda eines wissenschaftlichen Denkens. Wlassow kommentierte: „Russland ist jetzt quasi ins Mittelalter eingetaucht. Es gab 15 Staffeln der TV-Show ‚Esper-Duell‘, diese Dinge wurden popularisiert. Und wir wollen zeigen, dass es sich um nichts mehr als verzerrte Wahrnehmung handelt. Die meisten (oder gar alle) Menschen mit Parafähigkeiten betrügen sich selbst und die anderen. Oft besitzen sie dafür Fähigkeiten zur Hypnose und Psychologie-Kenntnisse.“

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    Tags:
    Hellsehen, Zauberei, Hypnose, Harry-Houdini-Preis, Alexej Wodowosow, Alexander Pantschin, Alexander Sergejew, Michail Gelfand, Kirill Alfjorow, Denis Wlassow, Russland