17:53 23 August 2017
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    40 Jahre Sojus-Apollo-Treffen: „Die Amerikaner sind Jungs wie wir“

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    40 Jahre nach dem Rendezvous des sowjetischen Sojus- und des US-amerikanischen Apollo-Raumschiffs hat der damalige sowjetische Projektleiter Viktor Blagow berichtet, wie es den beiden Großmächten trotz des Kalten Krieges gelungen war, Kompromisse erfolgreich zu finden und Probleme im Orbit zusammen zu lösen – manchmal den Vorschriften zuwider.

    Blagow sagte in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Onlinezeitung gazeta.ru, während der Vorbereitung auf die Mission habe es eine gewisse Konkurrenz zwischen der Sowjetunion und den USA gegeben: „Es wurde gestritten, welches Raumschiff als erstes starten soll und an wessen Bord das Treffen der Kosmonauten und der Astrouten dann stattfindet. Eine weitere Frage war, über welchem Land die Andockung erfolgen soll.“

    Doch jene Konkurrenz habe sich in Grenzen gehalten, man habe alles durch Kompromisse geregelt:

    „Und wir begriffen, dass wir mit ihnen ungefähr gleich denken. Unser gemeinsames Prinzip bestand darin, dass alle Lösungen auf Zweckmäßigkeit basieren müssen.“

    Blagow wurde gefragt, wessen Technik damals besser gewesen sei. Er antwortete: „Wir in der Sowjetunion verfügten zu jenem Zeitpunkt bereits über breite Erfahrungen in Sachen Raumflüge.

    Wir hatten ja als Erste einen Menschen ins All geschossen, einen Gruppenflug von zwei Raumschiffen verwirklicht, einen Außerbordeinsatz unternommen und so weiter. Trotzdem waren wir aufgeregt, denn wir wussten nicht besonders viel vom US-Niveau. Die Aufregung war aber schnell vorbei: Wir hatten keinen Rückstand in der Raumfahrtbranche.“

    Er sagte weiter: „Es kommt nicht darauf an, wer den stärkeren Computer hat. Das Wichtigste ist, alle Sequenzen eines Raumflugs sicher und schnell auszuführen. Mit welchen Instrumenten das gemacht wird (etwa, bildlich gesagt, mit Axt, Meißel oder Knüppel), ist zweitrangig. In unserem Raumschiff wurden alle Verfahren mit sowjetischen Mitteln ausgeführt, und zwar auf einem gebührenden Sicherheitsniveau.“

    Technische Ungereimtheiten habe es auch unmittelbar nach der Andockung gegeben:

    „Laut dem Programm sollte ein symbolisches Treffen stattfinden. Man wollte das an der Schnittstelle beider Raumschiffe tun – ein Händeschütteln über die Schwelle. Doch in den Tunnel der US-Schleuse passte nur ein Mann rein. Ein zweiter ließ sich nicht hineinpressen, geschweige denn mit einer Kamera. Dann haben wir eine Lösung erfunden: Stafford kommt in die Schleuse und reicht von dort aus Leonow die Hand. Der Händedruck erfolgt also faktisch in unserer Sojus-Kapsel. Kubassow steht unterdessen mit einer Kamera da. Leonow schüttelt die Hand und zieht mit der nächsten Bewegung Stafford zu sich – den Vorschriften zuwider.“

     

    Jenes gemeinsame Projekt ebnete laut Blagow den Weg für die weitere Kooperation: „Wir wurden Freunde und begriffen: Die Amerikaner sind Jungs und Mädels ganz wie wir. Sie denken in gleicher Weise und man kann mit ihnen eine gemeinsame Sache machen. Heute arbeiten wir mit ihnen im ISS-Programm zusammen. Das Sojus-Apollo-Projekt eröffnete die Ära gemeinsamer bemannter Flüge (…) Die Technologien aus jenem Projekt bestehen und funktionieren bis heute. Ich denke, sie werden auch künftig Anwendung finden – bei der Vorbereitung auf internationale Flüge zum Mars und zu anderen Planeten.“

    Der ehemalige sowjetische Projektleiter betonte: „Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges war es den Raumfahrtbranchen unserer beiden Länder gelungen, gute Entscheidungen auf Kompromissbasis zu treffen. Wir sind stolz darauf. Es wäre gut, das auch heute nicht zu vergessen, und zwar nicht nur in Sachen Raumfahrt.“

    Tags:
    Weltraum, Internationale Raumstation ISS, Raumschiff Sojus, Apollo-Raumschiff, Alexej Leonow, Valeri Kubassow, Viktor Blagow, USA, UdSSR
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