22:19 27 Januar 2020
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    Der russische Hersteller Progress entwickelt nach eigenen Angaben eine neue Trägerrakete, die im Vergleich zu der Konkurrenz deutlich billiger und ökologisch unbedenklicher sein soll. Für diese Zwecke bekommt sie ein Flüssigerdgas-Triebwerk. Das Unternehmen rechnet mit Aufträgen sowohl im In- als auch im Ausland.

    Alexander Kirilin, Geschäftsführer des Herstellers, sagte in einem Interview mit der Agentur Ria Novosti: „Die mittelschwere Trägerrakete Sojus 5.1 soll ein Startgewicht von rund 270 Tonnen haben. Künftig könnte sie die Sojus 2 ablösen. Die Rakete hat zwei Stufen, die der Reihe nach einspringen sollen (…) Im Moment arbeiten wir an einem Vorentwurf und sind damit bald fertig. Wir entwickeln die Rakete aus eigener Initiative, um sie dann unseren wichtigsten Auftraggebern anzubieten, bei denen es sich um die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos und das Verteidigungsministerium handelt.“  

    Laut Kirilin will sein Unternehmen am geplanten staatlichen Wettbewerb teilnehmen, der die Entwicklung einer Trägerrakete mit einer Nutzlastkapazität von neun Tonnen vorsieht. Ausgerechnet diese Kapazität hat die Sojus-5.1-Rakete. Der Gewinner des Wettbewerbs soll die entsprechende Finanzierung aus der Staatskasse bekommen. „Wir rechnen mit einem Erfolg“, so Kirilin. Der erste Prototyp der Sojus 5.1 könnte nach seinen Angaben im Jahr 2021 oder 2022 zustande kommen.

    Wie es hieß, soll die neue Rakete einen besonderen Vorteil bekommen, und zwar ein grundsätzlich neues Flüssigerdgas-Triebwerk: „Verflüssigtes Erdgas (LNG) ist der unbedenklichste Treibstoff auf unserem Planeten, abgesehen von Wasserstoff (…) LNG ist also ökologisch unbedenklicher als Kerosin, das unsere Sojus-Raketen einschließlich der Sojus 2 traditionell gebrauchen. Kerosin wurde auch als Treibstoff für die Trägerraketen Falcon und Angara gewählt. Im Vergleich zu ihm hat LNG aber eine breitere Rohstoffbasis und ist deutlich billiger. Flüssigerdgas hat höhere Energiewerte, was Vorteile in Bezug auf die transportierte Nutzlast ermöglicht.“ Wie es hieß, wird derzeit an einem Vorentwurf des neuen Triebwerks gearbeitet.

    Kirilin erläuterte weiter: „Die Sojus 5.1 ist technologisch simpel, das ist auch ein Vorteil. Die Rakete soll rund halb so viele Einzelteile haben wie die Sojus 2. Dies bedeutet einen geringeren Arbeitsaufwand und dementsprechend einen niedrigeren Preis.“

    „Ich möchte betonen: Die Sojus 5.1 ist keine Modernisierung einer bereits bestehenden Rakete, sondern ein absolut neues Projekt. Dieses enthält von vorherein konstruktive und technologische Lösungen, die ihm ermöglichen sollen, eine wirtschaftliche und technische Konkurrenzfähigkeit zu erlangen“, so der Geschäftsführer des Unternehmens.

    Nach seinen Angaben braucht die Sojus 5.1 allerdings eine andere Startrampe als die Sojus 2: „Im Vorentwurf ziehen wir mehrere Optionen in Betracht. Entweder geht es um den Bau neuer Startrampen eigens für diese Rakete oder um die entsprechende Umrüstung der bestehenden Startrampen für die Sojus 2 auf den Weltraumbahnhöfen Baikonur, Plessezk, Kourou oder Wostotschny. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.“

    Kirilin rechnet damit, dass die geplante Sojus 5.1 auch international gefragt sein wird: „Jede Trägerrakete entwickeln wir derzeit so, damit sie jeden Moment auf dem internationalen Markt der Weltraumstarts angeboten werden kann.“

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    Tags:
    Sojus 5.1, US-Trägerrakete Falcon, Sojus-Raumschiff, Angara, Alexander Kirilin, Russland