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    Der Schädel des Homo nalediDer Schädel des Homo nalediDas Gebiss des Homo naledi mit Backen- und Schneidezähnen

    Überreste von unbekannter Urmenschenart in Südafrika entdeckt

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    Überreste einer bislang unbekannten Art von Urmenschen sind in einer Höhle in Südafrika entdeckt worden, schreibt die Onlinezeitung Gazeta.ru.

    Damit könnte die ganze Geschichte der Menschenevolution umgeschrieben werden. Dabei geht es um ein sehr primitives menschenartiges Wesen: mit einem knapp halb so großen Gehirn wie beim Menschen und affenartigen Schultern, so dass es leicht auf Bäume klettern konnte. Nach anderen Merkmalen waren diese Wesen dem Menschen ähnlich.

    Der Künstler John Gurche hat das Gesicht des menschlichen Vorfahrs Homo naledi nachkunstruiert.
    © AP Photo / Mark Thiessen/National Geographic via AP
    Der Künstler John Gurche hat das Gesicht des menschlichen Vorfahrs Homo naledi nachkunstruiert.

    Experten zufolge gehört diese Entdeckung bereits zu den wichtigsten in den letzten Jahrzehnten, die die Entstehung des modernen Menschen erklären.

    Alles begann vor zwei Jahren, als zwei Freizeitspeläologen, Steven Tucker und Rick Hunter, in die Höhle Rising Star, die etwa 50 Kilometer nördlich von Johannesburg liegt, gerieten. Diese Höhle ist seit den 1960er-Jahren populär und deswegen gut erforscht. Dennoch wollten die beiden dort neue, noch unbekannte Wege finden. Sie haben tatsächlich einen solchen Durchschlupf gefunden, durch den sie einen großen Saal mit zahlreichen Stalaktiten und Stalagmiten erreichten. In einem noch weiter liegenden Raum fanden die Speläologen viele Knochen, die sie anfangs für Menschenknochen hielten.

    Unter diesen Knochen sahen sie einen Unterkiefer mit Zähnen, der einem menschlichen ähnelte.

    Experten kamen anhand von Fotos zu dem Schluss, dass der Kiefer samt den Zähnen zu primitiv war, um einem Menschen gehört zu haben. Wegen der schweren Zugänglichkeit der Höhle mussten die Wissenschaftler via Facebook kleinwüchsige Enthusiasten suchen, die entsprechende Kenntnisse hätten und bereit wären, in die Höhle zu gehen und die Knochen zu bergen. Mithilfe der Zeitschrift „National Geographic“, die dieses Projekt mitsponserte, wurden 60 solche Enthusiasten gefunden. Sie konnten zunächst mehr als 400 Knochen, darunter einen Schädel, bergen. Bald wurde klar, dass diese Knochen mehreren Lebewesen gehört hatten.

    Am Ende wurden aus der Höhle insgesamt etwa 1550 Knochen geborgen, die mindestens 15 Lebewesen gehört hatten.

    „Wir haben ein absolut faszinierendes Lebewesen entdeckt“, sagte der Anthropologe Lee Berger. „Wir fanden Erwachsene und Kinder, die der Gattung Homo angehörten, sich aber stark vom modernen Menschen unterschieden. Sie waren sehr klein, und ihr Gehirn war klein wie bei einem Schimpansen.“ Der Anthropologieprofessor Charles Musiba verglich diese Lebewesen mit so genannten Hobbits von der indonesischen Insel Flores, deren Überreste 2003 entdeckt worden waren.

    Ihre Hände seien denen des modernen Menschen ähnlich und für das Greifen von Gegenständen geeignet gewesen, findet die Expertin Caley Orr, die sich mit der Untersuchung der entdeckten Knochen beschäftigte. Und dank gekrümmter Finger konnten diese Urmenschen ziemlich gut auf Bäume klettern. 

    Diese Urmenschen wurden Homo naledi genannt – nach dem Namen der Höhle, in der sie entdeckt worden waren. (Naledi bedeutet im regionalen Dialekt soviel wie „Stern“.)

    Eine der größten Fragen ist, warum diese Knochen in diesen kaum zugänglichen Teil der Höhle offenbar absichtlich gebracht worden waren.

    „Es ist kaum möglich, diese Überreste zu einer der bislang bekannten Urmenschenarten zu zählen“, sagte ein Wissenschaftler. „Der Schädel und der Kiefer von Homo naledi ist dem von Homo habilis, Homo rudolfensis und Homo erectus ähnlich. Anders sind jedoch die Schädelkalotte, der Oberkiefer und die Morphologie des Unterkiefers.“ Nach seinem geringen Gehirnumfang sei das neulich entdeckte Wesen dem Homo erectus am ähnlichsten.

    Lee Berger nannte seinerseits diesen Urmenschen „langbeinig“, „hirnlos“ und „aufgeschossen“.

    Das Alter der Neuentdeckung konnte vorerst nicht festgestellt werden. „Falls diese Knochen aus dem späten Pliozän oder Pleistozän stammen, dann könnte das eine neue Art eines ‚kleinhirnigen‘ Urmenschen sein – eine Übergangsart zwischen dem Australopithecus und dem Homo erectus“, geht aus einem in der Zeitschrift „eLife“ veröffentlichten Artikel hervor.

    Falls es sich aber um Knochen aus späteren Zeiten handelt, dann könnten diese Wesen zu den Zeiten gelebt haben, zu denen  Urmenschen mit einem größeren Gehirnumfang lebten. „Es stellen sich etliche Fragen: Wie viele Menschenarten gab es dort? Ob diese Wesen gleichzeitig mit Menschen lebten? Ob sie sich mit Menschen kreuzten?“, so Charles Musiba.

    Laut Experten gehörten die entdeckten Knochen sowohl Kleinkindern als auch Urmenschen im Alter von etwa 45 Jahren. Ihnen zufolge könnte es in der Höhle Rising Star viele andere Artefakte geben, die künftig aufgefunden werden.

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    Tags:
    Homo naledi, Archäologie, Rick Hunter, Steven Tucker, Südafrika