11:46 13 Dezember 2017
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    Russinnen simulieren Flug zum Mond

    Mädchen-Sextett „Mond 2015“: Wie interplanetare Flüge auf Frauenkörper einwirken

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    Sechs russische Frauen werden im Laufe von acht Tagen in einer geschlossenen Kapsel einen Mond-Flug simulieren. Am Mittwoch stiegen die Teilnehmerinnen am Experiment „Mond 2015“ des Institutes für medizinisch-biologische Probleme der Russischen Akademie der Wissenschaften in ihr „Raumschiff“ und machten die Luke zu.

    Die nächsten acht Tage werden die Frauen in dem irdischen Experimentalkomplex in völliger Isolierung verbringen, wobei die Verhältnisse eines Mondfluges simuliert werden. Die Frauen müssen die ganze Zeit ohne Dusche, Kosmetik und Männer ausharren.

    Es geht vor allem darum, Mechanismen der Anpassung des weiblichen Körpers an die Isolierung sowie an die Überbelastungen unter die Lupe zu nehmen, die beim Drehen in einer Schleuder nachgeahmt werden. An dem Projekt nehmen insgesamt ca. 30 junge Wissenschaftler teil.

    Laut Roskosmos-Chef Igor Komarow kann das Experiment „Mond 2015“ als Element der Vorbereitung auf einen reellen bemannten Mondflug betrachtet werden, der bis 2030 stattfinden soll.

    Das Experiment soll den Fachleuten helfen, Daten über den Gesundheitszustand der Crew zu sammeln und die experimentellen Ausrüstungen, die an der Internationalen Raumstation installiert werden sollen, in einer luftdichten Kapsel zu testen; außerdem wollen die Spezialisten das Zusammenwirken in einer Frauen-Mannschaft u.Ä. erforschen.

    „Der kleinste technische Fehler oder eine falsche Entscheidung der Crew kann eine außerplanmäßige Situation herbeiführen, die tragisch enden kann. Die professionelle Herangehensweise in der Vorbereitungs- und Ausbildungsphase ist eine wichtige Vorbedingung für den erfolgreichen Verlauf des Experiments“, heißt es auf der Webseite des Institutes.

    „Die Nahrung wurde vom Institut für medizinisch-biologische Probleme konzipiert, es handelt sich um ausgewogene Kost. Auch traditionelles ISS-Essen ist dabei sowie ganz normale Lebensmittel, wie wir sie auf der Erde essen, wie Schokolade zum Beispiel“, erzählte die Teilnehmerin Tatjana Schigujewa.

    Die Mädchen werden sich in dem Experimentmodul nicht nur mit wissenschaftlichen Forschungen befassen – laut Anna Kussmaul, die ebenfalls an der Mission teilnimmt, ist im Tagesablauf auch Freizeit festgeschrieben. „In unserem Zeitablaufplan gibt es auch Freizeit. Eine wird in dieser Zeit ihre Ergebnisse in Ordnung bringen, eine andere wird, wie wir hoffen, an ihrer Dissertation schreiben. Wir haben Bücher dabei, aber auch Tischspiele, die wir zusammen spielen können“, sagte die junge Frau vor dem Einstieg in das Modul.

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    „Eine Dusche haben wir nicht, im Unterschied zu den Jungs (den Teilnehmern am Experiment „Mars 500“ – d. Red.) hat man sie uns weggenommen. Aber wir werden Feuchttücher benutzen, und ich glaube, für eine Woche wird es gehen“, hofft Crew-Kommandantin Jelena Lutschinskaja.

    „Mond 2015“ ist ein einzigartiges Experiment. Zuvor hatte das russische Institut für medizinisch-biologische Probleme der Russischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit ausländischen Partnern das internationale Experiment „Mars 500“ durchgeführt.

    Die Crew hatte das Versuchsmodul im Jahr 2011 verlassen, seitdem haben die Wissenschaftler in dem erneuerbaren irdischen Experimentalkomplex eine Reihe weiterer Programme durchgeführt, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“. Laut Spezialisten ist die Experimentalanlage, in der ein maximal realitätsnaher Raumflug unter irdischen Bedingungen nachgebaut werden kann, weltweit einmalig.

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