04:14 02 Dezember 2020
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    UN-Klimagipfel in Paris (19)
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    Die globale Klimaerwärmung hat ohne menschlichen Einfluss begonnen, dieser intensiviert jedoch den Vorgang, wie ein russischer Klimaexperte erläutert. Eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes hält er für kein wirksames Gegenmittel und skizziert drastischere Maßnahmen, die recht spektakulär wirken.

    Professor Alexander Kislow, Lehrstuhlchef für Meteorologie und Klimatologie an der Geografie-Fakultät der Staatsuniversität Moskau, sagte in einer Vorlesung für die Onlinezeitung gazeta.ru: „Wie sind die Forscher zum Schluss gelangt, dass wir im Zeitalter einer globalen Klimaerwärmung leben? Sie griffen auf die Daten der Wetterstationen zurück. Diese Daten zeigen deutlich, dass seit den 1920-30er Jahren ein starker Temperaturanstieg begonnen hatte … Von einer globalen Erwärmung zeugen auch die veränderten Temperaturen der oberen 700-Meter-Schicht des Weltmeeres. Diese Temperaturen steigen.“ 

    Der Experte klärte über die Ursachen auf: „Nachdem die Kleine Eiszeit Anfang des 19. Jahrhunderts zu Ende gegangen war, begann das Klima auch ohne anthropogene Beteiligung wärmer zu werden. Als jene Erwärmung später durch eine menschliche Beeinflussung ergänzt wurde, verlief der Temperaturanstieg noch aktiver … Derzeit sprechen die Klimaforscher von einer Kombination natürlicher Vorgänge (die Sonne scheint intensiver) mit der menschlichen Tätigkeit (wegen der CO2-Emissionen nimmt der Treibhauseffekt zu).“

    Kislow berichtete über aktuelle wissenschaftliche Prognosen: „Höhere Temperaturen werden einen Anstieg des Meeresspiegels verursachen. Dieser steigt gegen Ende des laufenden Jahrhunderts voraussichtlich um rund 0,7 Meter.“ Das werde die Küsten-Infrastruktur etwa in Spanien und in Nordamerika ernsthaft gefährden. Eine weitere globale Gefahr sei ein möglicher Rückschlag für die Landwirtschaft: „Falls sich die Klimaverhältnisse ändern, muss sich der Mensch auf andere Pflanzensorten und Anbaumethoden umstellen, neues Futter für das Vieh suchen. Niemand ist dazu bereit, niemand hat Lust, Geld dafür auszugeben. Wenn dieses Problem aber aufkommt, werden alle Länder ohne Ausnahme betroffen sein.“

    Für Russland bedeutet der Klimawandel sowohl Vor- als auch Nachteile, wie der Professor weiter erläuterte: „Die wichtigste negative Folge wäre die Zerstörung der Permafrost. Alle russischen Städte im Norden sind ja auf dem Dauerfrostboden gebaut. Stellen Sie sich vor, dass dieses Eis zu schmelzen beginnt. Brücken, Starte- und Landebahnen werden einstürzen, Gebäude werden sich zerstören … Andererseits könnte Russland aus der globalen Klimaerwärmung auch Profite ziehen. So wäre eine Schifffahrt entlang der arktischen Küste rund um das Jahr möglich. Auch jene Rohstoffvorkommen könnten erschlossen werden, die vorerst unerreichbar sind. Wenn die Eisdecke verschwindet, wird sich die Gasförderung deutlich verbilligen.“

    „Um das Klima zu steuern, müssen Staats- und Regierungschefs alles Länder kooperieren und gemeinsame Lösungen finden“, mahnte Kislow. Er erklärte, welche internationalen Maßnahmen aus seiner Sicht möglich wären: „Es geht nicht um die Menge von Kohlenstoff-Emissionen. Selbst wenn die Menschheit überhaupt damit aufhört, Kohlenstoff in die Atmosphäre auszustoßen, wird die globale Erwärmung nicht verschwinden. Für einen Rückfall des Weltmeeres auf den Temperaturstand wie Anfang des 19. Jahrhunderts wären beispielsweise mehrere Jahrzehnte nötig. Denn das Weltmeer ist wie ein Haus mit einem Ofen: Brennholz kann schon verbrannt sein, doch es ist noch warm im Haus. Die Staats- und Regierungschefs bräuchten globale Entscheidungen.“

    Der Experte skizzierte hypothetisch mögliche Lösungen: „Beispielsweise ginge es um Spiegel im Weltall. Richtet man an einem richtigen Punkt zwischen der Sonne und der Erde einen Schirm ein, so bekommt unser Planet weniger Wärme und Licht. Doch dieses Projekt ist noch nicht gebührend kalkuliert und sehr aufwendig. Eine andere Lösung wäre etwa ein Schwefel-Ausstoß in die Stratosphäre, um Aerosol-Wolken zu bilden und die Temperaturen zu senken. Diese Idee ist allerdings ebenfalls ziemlich zweifelhaft. Denn der ausgestoßene Schwefel wird als Schwefelregen zurückkehren.“

    Kislow betonte erneut: „Entscheidungen über den Kurs auf einen globalen Temperaturrückgang sollten von allen Ländern der Welt getroffen werden. Wenn ein Staat im Alleingang so etwas unternimmt, werden sich nicht alle Länder darüber freuen (insbesondere wenn es um die oben erwähnten Schwefelregen geht).“

    Gegen Jahresende soll eine internationale Klimakonferenz in Paris stattfinden. Der französische Präsident François Hollande hatte kürzlich seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin zur Teilnahme an dieser Konferenz eingeladen.

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    CO2, Klimaerwärmung, Alexander Kislow