23:48 11 Dezember 2017
SNA Radio
    Takaaki Kajita

    Nobelpreisträger verdankt Entdeckung der Neutrinomasse einem sowjetischen Physiker

    © AFP 2017/ Yoshikazu Tsuno
    Wissen
    Zum Kurzlink
    0 522

    Dem diesjährigen Physik-Nobelpreisträger Takaaki Kajita zufolge sind seine so hoch geschätzten Entwicklungen eine Fortsetzung und die praktische Bestätigung der Theorie, die bereits vom sowjetischen Wissenschaftler Bruno Pontecorvo (1913-1993) vorgelegt worden war.

    „Seine Ideen sind das Fundament für meine Forschungen geworden, wir haben einfach die Richtigkeit dieser Theorie mit praktischen Beobachtungen bestätigt“,wird der Teilchenforscher von russischen Medien zitiert. „Bruno Pontecorvo hat als erster weltweit das Vorhandensein von Neutrinooszillationen und die Tatsache bewiesen, dass Neutrinos eine Masse besitzen. Dieser sowjetische Forscher war der Pionier und der Spitzenreiter“.

    „Wir Praktiker unter den Physikern stützen uns auf die Entwicklungen der Theoretiker unter den Physikern“, ergänzte Kajita. „Dass Neutrinos eine Masse haben, hat de facto nach den Studien von Pontecorvo keine Zweifel ausgelöst. Wir haben uns nur endlich davon in der Praxis vergewissern können“.

    Eine Forschergruppe um den japanischen Professor Kajita untersuchte die Neutrinos am Neutrinodetektor Super-Kamiokande, einem riesigen unterirdischen Tank mit hochreinem Wasser und besonderen Sensoren, der sich im Gebirge der japanischen Honshu-Insel befindet. Damit wurde bewiesen, dass Neutrinos eine Masse haben.

    Es gibt drei Arten von Neutrinos – Elektron-Neutrinos, Myon-Neutrinos und Tau-Neutrinos. Der italienisch-sowjetische Forscher Pontecorvo prognostizierte 1957 in Dubna bei Moskau, dass ein Neutrino sich selbstständig von einer Art in eine andere verwandeln kann. Dieses Phänomen heißt Oszillation. Bei Neutrinos ist jedoch die Oszillation erst möglich, wenn diese Teilchen eine Masse besitzen. Physiker waren seit der Entdeckung von Neutrinos der Ansicht gewesen, dass sie keine Masse haben.

    Nachdem das Gegenteil bewiesen werden konnte, musste das Standard-Modell revidiert werden – die Basistheorie, die die Eigenschaften aller bekannten Elementarteilchen und ihr Zusammenwirken erklärt.

    Professor Kajita und seine Gruppe bereiten sich derzeit auf ein großes Experiment vor, das ebenfalls einen Nobelpreis wert sein könnte. In der neuen unterirdischen Forschungsanlage Kagura wollen die Forscher die so genannten Gravitationswellen fixieren, deren Existenz vor fast 100 Jahren  Albert Einstein in der Theorie bewiesen hat.

    Tags:
    Bruno Pontecorvo, Takaaki Kajita