14:36 02 Juni 2020
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    Laut der Chefin des Informationszentrums für Studien- und Wissenschaftstätigkeit der Universität für nukleare Forschung MEPhI, Tatjana Stukalowa reicht es heute nicht aus, bloß ein guter Dozent zu sein und Artikel zu schreiben - man muss auch die richtigen Zeitschriften für Publikationen auswählen und über bibliometrische Instrumente verfügen.

    An der Nationalen Universität für nukleare Forschung MEPhI fand die internationale Wissenschaftskonferenz „Kommunikation in der multikulturellen Gesellschaft“ statt. Die Leiterin des Informationszentrums für Studien- und Wissenschaftstätigkeit von MEPhI, Tatjana Stukalowa, antwortete auf Fragen der Korrespondentin von RIA Novosti, Julia Ossipowa.

    - Auf der Konferenz „Kommunikation in der multikulturellen Gesellschaft“, die an der Nationalen Universität für nukleare Forschung MEPhI stattfand, sprachen Sie von der notwendigen Erhöhung der Publikationsaktivität der Wissenschaftler und Dozenten. Wer und wozu braucht das?

    — Für russische Universitäten ist dieses Thema besonders aktuell, weil Publikationen und Zitierbarkeit die wichtigsten Aspekte bei der Aufnahme in die Welt-Ranglisten sind. Zur Erhöhung der Publikationsaktivität werden ganz verschiedene Mechanismen genutzt.

    Von den Bewerbern für das Amt der wissenschaftspädagogischen Mitarbeiter wird in vielen Hochschulen das Vorhanden der Publikationen in Zeitschriften erfordert, die in den Datenbanken Web of Science und Scopus indexiert werden, wobei nicht nur die Zahl der Publikationen, sondern auch die Qualität der Zeitschriften berücksichtig wird.

    Es liegt auf der Hand, dass das Kompetenzspektrum der Pädagogen erweitert wird. Es reicht nicht mehr aus, ein guter Dozent zu sein und Wissenschaftsartikel zu schreiben, man soll auch Zeitschriften für eigene Publikationen auswählen, sich in einem endlosen Strom der Wissenschaftsbücher orientieren, die Informations- und Bibliothek-Services nutzen und Zitat-Datenbanken nutzen können, über bibliometrische Instrumente verfügen.

    - Nicht zu viele Aufgaben für Dozenten? Sie sollen Pädagogen, Wissenschaftler, Manager, PR-Manager sein, sowohl Lehrpläne erstellen, als auch sich mit der Wissenschaft befassen und Hirsch-Index verfolgen.

    — Ja, viele Aufgaben. So ist es bereits seit 2012 (Präsidialerlass vom 7. Mai 2012 Nr. 599 „Zu den Maßnahmen zur Umsetzung der Staatspolitik im Bildungs- und Wissenschaftsbereich“), doch ein völliges Begreifen der Bedeutung und Schwierigkeit beginnt erst jetzt. Ohne Verständnis von Mechanismen der Publikationstätigkeit hat der Dozent kein Verständnis von Endziel, das auf die Integration in den globalen Bildungs- und Wissenschaftsraum gerichtet ist.

    Ausländische Wissenschaftler nehmen sich viel Zeit für das Schreiben von Artikeln und Berichten und nicht für Wissenschaftsexperimente und Bearbeitung von Ergebnissen. Russische Wissenschaftler forschen zwar mehr, schreiben jedoch weniger, nicht immer werden Forschungen zu Endergebnis gebracht – Veröffentlichung in angesehenen Wissenschaftszeitschriften.

    Wie die Praxis zeigt, ist das Niveau des Beherrschens von bibliometrischen Instrumenten bei vielen wissenschaftspädagogischen Mitarbeitern noch nicht so hoch, das betrifft alle Teilnehmer des Bildungsprozesses, darunter Studenten der höheren Studienjahre, Master-Studierende und Promovierende. Alle sollen in diesen Prozess hineingezogen werden, ein minimales Spektrum von Kenntnissen und Fertigkeiten im Bereich Wissenschaftsmetrie haben.

    - Was gehört zum minimalen Spektrum?

    — Vor allem bekannt sind solche Kennzahlen wie der Hirsch-Index, Impact-Faktor der Zeitschrift, der durchschnittliche bzw. gemeinsame Impact-Faktor der Zeitschriften, wo die Artikel veröffentlicht werden, Zitierbarkeit-Indexe. Am häufigsten werden mehrere Artikel der Organisationen bzw. eines Wissenschaftlers zitiert, die in einem Zeitraum veröffentlicht werden – das so genannte „Publikations-Fenster“. Nicht weniger bedeutend ist der Zeitabstand – das „Zitierbarkeit-Fenster“

    - Zum minimalen Spektrum gehört ebenfalls die Fähigkeit, die  Datenbanken Scopus, Web of Science, der Russische Index für Wissenschafts-Zitieren, Navigationsservices zu Informations- Bibliothek-Ressourcen der Universität zu nutzen.

    Es ist nicht schwer, dies alles zu erlernen. An der MEPhI gibt es sogar ein spezielles Fach „Informationsraum eines Dozenten einer Ingenieur-Hochschule“, wo Promovierende eine Vorstellung von den Funktionsprinzipien von Informationsressourcen am Beispiel von SciVal und InCites, Instrumenten zur Vergleichsanalyse der Wissenschaftstätigkeit bekommen. Das Programm enthält das Erlernen der Grundlagen von Academic Writing unter Berücksichtigung der internationalen Standards in diesem Bereich. In der nächsten Zeit wird eine ähnliche Disziplin für alle Studierende eingeführt.

    - Wer ist in MEPhi der Spitzenreiter bei der Publikationsaktivität?

    — Einer der führenden Autoren bei der Zahl und Qualität der Publikationen ist Nikolai Kudrjaschow, Leiter des Lehrstuhls für angewandte Mathematik, Prorektor von MEPhI. Er veröffentlicht jedes Jahr 10-15 Artikel (ausgenommen Co-Verfasser-Artikel) in den führenden Zeitschriften in diesem Bereich.

    An unserer Universität gibt es viele Wissenschaftler mit hoher Publikationsaktivität, wovon die Stellung der Hochschule in den internationalen Ranglisten zeugt. Die Aufgabe besteht darin, dass in den Publikationsprozess weniger aktive Dozenten und Promovierende einbezogen werden sollen, die keine solche Erfahrung haben. Das betrifft vor allem Wissenschaftler von Lehrstühlen der sozial-humanitären Wissenschaften – Philosophie, Soziologie, Geschichte, Sprachwissenschaften.

    - Das sind doch die Lehrstühle, die mehr als andere schreiben oder?

    — Ja, aber in der russischen Sprache. Die Spezifik dieser Disziplinen besteht darin, dass es für sie problematisch ist, in die englischsprachige Wissenschaftswelt einzudringen. Es gibt natürlich russische humanitäre Zeitschriften, die zu Scopus gehören wie „Fragen der Psychologie“, „Russische Geschichte“ u.a. doch es ist schwer, dorthin zu geraten, weil dies akademische Zeitschriften sind. Man soll nach anderen Möglichkeiten suchen, beispielsweise Arbeit zur Erweiterung der Kooperation mit ausländischen Universitäten im Bereich humanitäre Forschungen durchführen.

    - Internationale Ratingagenturen änderten vor kurzem die Methodologie der Universitäts-Ratings  und berücksichtigen nicht die Publikationen mit der Zahl der Autoren von über 1000 Menschen bzw. zehn Organisationen. Wie verhalten Sie sich dazu?

    — Negativ. Es sind alle Artikel ausgefallen, die bei Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen im Rahmen der „Megascience-Experimente“ vorbereitet wurden. Man soll verstehen, dass die Teilnahme an den Kollaborationen für eine Universität sowohl auf der Ebene eines Wissenschaftlers, der auf einer Halbkraftstelle arbeitet, sowie auf der Ebene von 20 Wissenschaftlern, die auf einer Vollkraftstelle arbeiten, sein kann. Die letzte Variante ist unser Fall. Beispielsweise unter den Verfassern der Artikel, die im Rahmen des ATLAS-Experimenten (eines der vier Experimente mit dem Large Hadron Collider am Europäischen Kernforschungszentrum CERN) geschrieben wurden, gehören 15 bis 20 Mitarbeitern von MEPhI.

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    Nationale Universität für Nuklearforschung (MEPhi), Nikolai Kudrjaschow, Julia Ossipowa, Tatjana Stukalowa