14:16 14 November 2019
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    „Planet Neun“

    Neuer Planet im Sonnensystem: Entdeckung mit russischer Spur

    © REUTERS / R. Hurt/Caltech/IPAC
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    Unser Sonnensystem hat offenbar einen neunten – bisher nicht bekannten – Planeten. Einer der beiden US-Astronomen, von denen die Sensationsmeldung stammt, ist ein gebürtiger Russe. Nun erklärt er im Interview, wo sich der „Planet Neun“ befindet und wie dessen Entdeckung ermöglicht wurde.

    Konstantin Batygin, in Russland geboren und nun Forscher des California Institute of Technology, sagte der russischen Agentur Ria Novosti, die Entdeckung gehe auf die Analyse bestimmter Vorgänge im sognannten Kuipergürtel zurück: „Diese Daten sind aus unserer Sicht der erste materielle Hinweis darauf, dass der Planetenkatalog des Sonnensystems noch nicht komplett ist; ein Hinweis darauf, dass es weit hinter dem Neptun-Orbit zusätzlich einen massiven Planeten gibt, den wir nicht sehen.“

    Konstantin Batygin
    © AP Photo / Damian Dovarganes
    Konstantin Batygin

    Der Forscher erläuterte, einige kleinere Himmelkörper seien dort so gruppiert, dass der Einfluss eines großen Planeten zu vermuten sei. Zwar bestehe die Wahrscheinlichkeit eines Zufalls, sie sei aber äußerst klein – etwa 0,007 Prozent.

    Batygin und sein Kollege Mike Brown hatten zunächst im „Astronomical Journal“ über ihre Arbeit berichtet. Auch renommierte Magazine wie „Science“ und „Nature“ veröffentlichten Beiträge zum Thema. Wie die mathematischen Berechnungen zeigen, soll der Planet zehnmal so schwer sein wie die Erde. Visuell konnte er vorerst nicht beobachtet werden.

    Mike Brown und „Planet Neun“
    © REUTERS / Mario Anzuoni
    Mike Brown und „Planet Neun“

    Batygin kommentierte nun weiter für Ria Novosti: „Unser Modell kann den Orbit vorhersagen, aber nicht den genauen Punkt, wo sich der Planet im Moment aufhält. Wir glauben trotzdem, dass wie diesen Orbit gut genug kennen. Dessen Elliptizität beträgt rund 60 Grad. Um einmal um die Sonne zu gelangen, braucht der Planet 10.000 bis 20.000 Jahre. Das heißt, bei seiner knappsten Annäherung an die Sonne beträgt der Abstand zwischen ihnen 200 bis 250 Astronomische Einheiten, also 250 Mal größer als der Abstand zwischen Erde und Sonne.“

    Wie konnte ein Planet eigentlich so weit entfernt von der Sonne landen? Batygin klärt auf: „Manche Protoplaneten, die sich zusammen mit anderen herausbilden (ungefähr so groß wie der Uranus, der Neptun sowie die Kerne des Jupiters und des Saturns) springen manchmal gravitationsmäßig quasi aus dem Sonnensystem heraus (…). Aus jenem Gebiet des Sonnensystems, wo sich der Uranus und der Neptun befinden, kann ein Planet auf eine viel breitere und elliptischere Umlaufbahn wechseln.“

    Michael Brown und Konstantin Batygin
    © AP Photo / Damian Dovarganes
    Michael Brown und Konstantin Batygin

    Da die Umlaufbahn des neunten Planeten bekannt ist, könnte laut Batygin nun auch mit einer optischen Beobachtung gerechnet werden: „Zwei Teleskope wären dafür ideal, und zwar das japanische Subaru-Teleskop und das Keck-Observatorium. Die beiden liegen auf Hawaii. Wenn es genug Zeit für die Beobachtungen gibt, lässt sich der ‚Planet Neun’, glauben wir, in ein paar Jahren direkt entdecken.“

    Batygin wurde auch gefragt, was er von der Suche nach Exoplaneten hält. Gibt es Chancen, erdähnliche Planeten an anderen Sternen zu entdecken? Er antwortete, diese Entdeckung ereigne sich möglicherweise, wenn das neue Weltraumteleskop TESS zum Einsatz kommt. Und in Bezug darauf, ob ein Kontakt mit Aliens möglich wäre, sagte der Forscher: „Ich denke, von außerirdischen Zivilisationen dürfen wir erst dann sprechen, wenn wir gut begreifen, wie sich das Leben auf der Erde herausgebildet hat. Auf diese Frage gibt es vorerst keine gute Antwort. Das Thema Außerirdische halte ich deshalb für verfrüht.“

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    Tags:
    Konstantin Batygin, Mike Brown, Neptun, Planet Neun, Russland