01:32 15 Dezember 2017
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    Klimaerwärmung durch künstliche Bewaldung?

    © Sputnik/ Sergey Malgavko
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    Die künstliche Rekultivierung ist nicht immer eine Wohltat für die Natur, wie französische Forscher meinen. Aus einer kürzlich im Journal „Science“ veröffentlichten Studie geht hervor, dass die nach 1750 in Europa künstlich angepflanzten Bäume zur globalen Klimaerwärmung beigetragen haben.

    Die Waldflächen Europas wurden zwischen 1750 und 1850 um rund 190.000 Quadratkilometer reduziert. Dieser Prozess wurde durch die industrielle Revolution etwas ausgebremst. Dank der Nutzung von Kohle, Erdöl und Erdgas statt Holz als wichtigste Energiequellen haben sich Waldgebiete Europas zwischen 1850 und 2013 wieder um 386.000 Quadratkilometer vergrößert. Zudem wurden rund 85 Prozent der Waldflächen Europas fachmännisch reguliert, wobei schnellwachsende und wirtschaftlich effiziente Baumarten, vor allem Nadelbäume, gepflanzt wurden.

    Doch diese Praxis führte nach Meinung der Wissenschaftler zu einer Erwärmung des Klimas. Die Ursachen dafür seien folgende: Bei einer Waldreinigung wird der in totem Laub, toten Bäumen und im Boden gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt; das Vorherrschen von Nadelbäumen gegenüber Laubbäumen steigert die Albedo – den reflektierten Anteil der Sonnenstrahlung, denn Kiefern und Tannen absorbieren mehr Sonnenlicht und damit Wärme als beispielsweise Eichen und Buchen.

    Der Hauptverfasser der Studie, Kim Naudts, sagt dazu: „Die heutigen Wälder speichern weniger Kohlenstoff als ihre Vorgänger im 18. Jahrhundert. Das Überwiegen von Nadelbäumen hat in Europa um eine Erwärmung von fast 0,12 Grad gesorgt. Dieser Temperaturanstieg macht etwa sechs Prozent der globalen Klimaerwärmung aus.“

    Die Wissenschaftler betrachten die Aufforstung nicht als Allheilmittel gegen den Klimawandel und rufen dazu auf, die Baumarten beim Aufforsten bewusster auszuwählen.

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