06:45 16 Dezember 2019
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    Neue Gehirn-Karte hilft beim Enträtseln von Gedanken

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    Wissenschaftler sind zum Schluss gekommen, dass alles, was der Mensch einst gesehen bzw. gelesen hat, in einem „Speicher“ der Gehirnrinde gelagert wird. US-Wissenschaftler haben einen semantischen Atlas der Gehirnrinde erstellt, der die Worte mit ihren Bedeutungen verbindet.

    Mitarbeiter der University of California, Berkeley, haben ein Modell zur Verteilung und Segmentierung verschiedener semantischer Gruppen gemäß ihren Funktionen in den Gehirnbereichen entwickelt und vorgestellt. Sie stellten 50.000 Abschnitte der Gehirnrinde fest, die als Speicher für alle einst gehörten bzw. gelesenen Begriffe auftreten.

    Wie es in dem Artikel in der Zeitschrift „Nature“ heißt, kann dieser „Atlas“, in dem detailliert bestimmt wird, wo die Wörter codiert und gelagert werden, den Experten bei der Enträtselung der menschlichen Gedanken helfen.

    Wissenschaftler aus dem Labor von Professor Jack Gallant stellten fest, dass dieses „Wörterbuch“, das die Bedeutungen einzelner Wörter einlagert, auf der ganzen Gehirnrinde verteilt ist.

    Laut dem auf der Webseite vorgestellten Modell gruppiert das menschliche Gehirn ähnliche semantische Begriffe und Aufgaben in verschiedenen Bereichen der Gehirnrinde.

    Obwohl der Kodierungsprozess bei jedem Menschen einmalig ist, hat er viele Ähnlichkeiten, was durch ein Video mit den Ergebnissen der Studie bestätigt wird. Bei dem Experiment wurde einer Gruppe aus sieben Freiwilligen vorgeschlagen, einige für sie neue Wörter kennenzulernen, wobei von Jack Gallant und seinem Team die Reaktion der Neuronen der Gehirnrinde auf jedes Wort mithilfe von MRT-Geräten analysiert wurde.

    Jeder Teilnehmer des Experiments verbrachte im Tomographiegerät mehr als zwei Stunden und hörte rund 15 kurze Geschichten aus insgesamt 25.000 Wörtern. In dieser Zeit stellten die Wissenschaftler einen stärkeren Blutzustrom zu 50.000 verschiedenen Gehirnabschnitten fest. Entgegen den Vermutungen befand sich der „semantische Speicher“ nicht nur in der linken, sondern auch in der rechten Gehirnhälfte. Insgesamt wurde mehr als ein Drittel der Oberfläche der beiden Gehirnhälften eingesetzt.

    Wissenschaftler stellten fest, dass der „Atlas“ der semantischen Felder bei allen Teilnehmern ähnlich war. Zum Beispiel wurden eine Gruppe von Wörtern und Begriffen zum Thema Körperteile von einem Bereich und Verwandtschaftsbeziehungen von einem anderen Bereich kodiert. Soziale und emotionale Begriffe wurden im Scheitellappen, die Zahlen im Sulcusprecentralis abgelagert. Visuelle Begriffe, die eine Farbe bzw. Form bestimmen, wurden an der Sehrinde des Gehirns lokalisiert, Wörter mit mehreren Bedeutungen gleich in mehreren Feldern abgelagert.

    Die Experten sind sich sicher, dass diese Entdeckung bei der Schaffung eines Medikaments helfen wird, das die nominale bzw. afferente motorische Aphasie Sprachstörungen heilen würde.

    „Wir erwarten, dass der semantische Atlas vielen Forschern nützlich sein wird, die neurobiologische Grundlage der Sprache zu erforschen“, sagten die Verfasser und betonten, dass diese Karte in der Zukunft die Schaffung eines „sprachlichen Dekodier-Geräts“ ermöglichen werde.

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    Gehirn, Jack Gallant