18:11 11 Dezember 2017
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    Durchbruch in Krebsforschung: Mit Nano-Impfung auf Tumor-Jagd

    © Flickr/ NIH/Elisabetta Palazzo
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    Mit speziellen Viren-Attrappen in Nano-Größe soll das menschliche Immunsystem auf alle Arten von Tumoren regelrecht abgerichtet werden. Das Fachmagazin „Nature“ berichtet über die bahnbrechende Methode aus Deutschland.

    Seit einigen Jahren setzen Molekularbiologen und Ärzte große Hoffnungen auf die sogenannte Immuntherapie zur Behandlung von Krebs, Diabetes, Allergien und anderen unheilbaren Erkrankungen. Das grundlegende Prinzip ist simpel: das menschliche Immunsystem wird mithilfe von Antikörpern, lebenden Organismen und anderen „Ködern“ auf die Tumorzellen gehetzt.

    Tumorzellen bei Brustkrebs
    Emiko Paul, Quade Paul, Echo Medical Media; Ron Gamble, UAB Insight

    Doch mit der Immuntherapie gibt es ein Problem, wie die Krebsforscherin Lena Kranz von der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität erklärt. Das Abrichten des Immunsystems auf die Tumorzellen sei nur außerhalb des menschlichen Körpers – in Reagenzgläsern oder speziellen Zellkulturen – möglich. Dabei seien die Auswirkungen dieser dressierten Zellen auf gesundes Gewebe nur schwer abzuschätzen, was ein zusätzliches Risiko für die Gesundheit des Patienten bedeuten würde.

    Die Mainzer Forscher hätten nun eine einfache und zugleich sehr effektive Methode entwickelt, um die „Immunisierung“ im Organismus des Erkrankten vorzunehmen. Die für die Identifizierung und die Zerstörung von Viren und Mikroben zuständigen Komponenten des Immunsystems – Makrophagen oder dendritische Zellen etwa – müssten dem Organismus nicht mehr entnommen werden.

    Das Forscherteam aus Mainz hat laut dem Magazin Nanopartikel aus Lipid-, Glykose- und anderen organischen Molekülen entwickelt, die ihrer Struktur nach einem typischen Virus sehr ähnlich sind. Im Inneren dieser Virus-Attrappen versteckt sich ein Auszug aus der Tumor-RNA.

    Wie Versuche in Reagenzgläsern und mit erkrankten Mäusen belegen würden, hätten die Virusimitate das Immunsystem getäuscht: die Immunzellen glauben, mit einem echten Virus konfrontiert zu werden, sie nehmen das Partikel auf, extrahieren die RNA und nutzen diese für die Produktion von Antigenen, die an den Tumorzellen andocken und sie als Eindringlinge markieren können.

    Die Forscher hoffen, dass derartige „Viren“ in nächster Zukunft zum universellen Mittel im Kampf gegen alle Arten von Krebs werden. Erste Ergebnisse gebe es bereits, heißt es im Artikel. Kranz und ihre Kollegen hätten die Nanopartikel an Hautkrebspatienten getestet.

    Schon nach der ersten Injektion der Nanopartikel habe bei allen drei Teilnehmern des Versuchs der Kampf gegen die Krebszellen eingesetzt: das Immunsystem habe die Vernichtung der Tumoren aufgenommen. In naher Zukunft würden die Forscher von der Gutenberg-Universität umfassende klinische Studien planen, um mehrere Arten der Anti-Tumor-Viren zu testen, schreibt „Nature“.

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    Tags:
    Krebs, Lena Kranz
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