20:53 24 April 2019
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    Raketenstufe soll zurückfliegen: Russland macht es anders als Elon Musk

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    Russland will wiederverwendbare Erststufen für Trägerraketen bauen. Am Projekt sollen Fachleute teilnehmen, die einst an der sowjetischen Raumfähre Buran gearbeitet hatten. Experten erläutern, wo der Unterschied zwischen diesem Plan und den ähnlichen Programmen von Elon Musk liegt.

    Igor Burjonkow, Sprecher der russischen Raumfahrt-Staatsholding Roskosmos, sagte im Radiosender Kommersant FM, der Hersteller Chrunitschew habe ein zuständiges Team für wiederverwendbare Raketenstufen aufgestellt: „Russland verfügt über erfolgreiche Erfahrungen bei der Entwicklung solcher Stufen und Rückkehrkapseln – wie etwa im einstigen Programm Buran. Fachleute aus jenem Buran-Team versammelten sich nun wieder, um am neuen Projekt zu arbeiten.“

    Im Rahmen des Programms Buran hatte die Sowjetunion im Jahr 1988 eine Raumfähre erfolgreich gestartet. Diese landete glimpflich. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde das Projekt jedoch eingestellt. 

    In Bezug auf die aktuellen Pläne erläuterte nun der russische Raumfahrt-Experte Alexander Schelesnjakow: „Dieses System soll nicht komplett, sondern teilweise wiederverwendbar sein. Zurückkehren soll nur die erste Raketenstufe, die von ihren Produktionskosten her am teuersten ist.“

    An der Erststufe werden die Triebwerke montiert, die die Rakete unmittelbar nach dem Start beschleunigen. Diese Triebwerke kosten 10 bis 70 Millionen US-Dollar. Elon Musk, Chef des privaten US-amerikanischen Raumfahrtunternehmens SpaceX, hatte zuvor mehrmals gesagt, der Einsatz wiederverwendbarer Erststufen ermögliche voraussichtlich, die Kosten bei Raumfahrtflügen deutlich zu reduzieren.

    Es gibt aber auch Skeptiker. Igor Marinin, Chefredakteur des russischen Branchenmagazins „Nowosti Kosmonawtiki“, wies darauf hin, dass die geplante russische Erststufe Tragflächen haben soll: „Dies bedeutet ein zusätzliches Gewicht. Machen wir die Erststufe wiederverwendbar, verlieren wir deutlich an Nutzlastkapazität. Darüber hinaus bekommt man dieselben Schwierigkeiten wie im amerikanischen Shuttle-Programm, und zwar die Wartung  zwischen den Flügen: Es ist unbekannt, wie viel Zeit sie in Anspruch nehmen und wie teuer sie sein wird. Ob sich das Programm wirtschaftlich rentieren wird, ist also eine große Frage.“ 

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    Der russische Raumfahrt-Experte Andrej Ionin sagte der Tageszeitung „Iswestija“, die Rentabilität hänge von der Häufigkeit künftiger Starts ab: „Der Einsatz wiederverwendbarer Erststufen wäre sinnlos, wenn Dutzende Starts pro Jahr stattfinden – wie etwa bei massiven Touristenflügen. Dann wäre ein wiederverwendbares Trägersystem natürlich notwendig. Man muss also sorgfältig prüfen, inwieweit die Ausgaben für Entwicklung und Betrieb wiederverwendbarer Erststufen wirtschaftlich gerechtfertigt sein werden.“

    Im Rahmen des Projekts von Elon Musk landen erste Stufen von Falcon-9-Raketen nach ihrem Einsatz auf Seeplattformen. Im Gegensatz dazu sollen russische Erststufen zum Kosmodrom wie Flugzeuge zurückfliegen und dort landen.

    Alexander Medwedew, Roskosmos-Generalkonstrukteur für Weltraumraketen, sagte dem Blatt: „Das SpaceX-Muster passt uns nicht, denn jene Raketen, die von unseren Weltraumbahnhöfen aus gestartet werden, fliegen nicht über Seegebiete. Es ist also nicht möglich, eine Seeplattform einzusetzen. Und selbst wenn diese Möglichkeit bestünde, wäre dieser Weg nicht unbedingt optimal: Auf See wird man fast immer von Wind und Seegang gestört.“

    Generell sagte Medwedew, das Chrunitschew-Zentrum tüftle an wiederverwendbaren Erststufen eigentlich seit rund 20 Jahren. Es habe Entwürfe und Modelle gegeben: „Es ist die höchste Zeit, von Entwürfen auf Papier zu realen Dingen zu übergehen. Ich spreche vom Bau eines Flug-Demonstrators. Igor Komarow, Geschäftsführer von Roskosmos, ist damit einverstanden.“

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