13:55 28 Oktober 2020
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    Lugdunin wird von einem kleinen Teil der Menschen in der Nase produziert. Forscher der Eberhard Karls Universität Tübingen haben das neuartige Antibiotikum nun entdeckt. Laut Doktor Bernhard Krismer von der Uni Tübingen kann der Stoff eine große Hilfe im Kampf gegen resistente Bakterien sein.

    Normalerweise werden Antibiotika nur von Bodenbakterien und Pilzen gebildet. Dass die menschliche Mikroflora ebenfalls eine Quelle von antimikrobiellen Stoffen sein könnte ist neu. Dr. Krismer, Co-Autor der Studie, erläutert:

    "Das besondere an Lugdunin ist, dass es von einem Organismus produziert wird, der auf dem Menschen lebt. Es war bisher eigentlich völlig unbekannt, dass wir Bakterien auf und in uns tragen, die wirklich in der Lage sind, Antibiotikum zu produzieren. Zusätzlich zum Staphylococcus lugdunensis, dem Produzenten des Lugdunin, ist Lugdunin auch eine tatsächlich neue Struktur, man kann sagen eine neue Wirkstoffklasse. Moleküle dieser Art hat man bisher noch nicht gefunden."

    Dass Bakterien irgendwann auch gegen Lugdunin resistent werden könnten, ist nicht auszuschließen. Die Forscher haben jedoch geringe Konzentrationen von Lugdunin über einen Monat auf Zellen einwirken lassen, wobei diese dann nicht abgetötet werden, aber die Gelegenheit haben, tolerant oder resistent zu werden. Selbst nach dieser langen Behandlung wurde keine Resistenzentwicklung gesehen.

    Ob Lugdunin tatsächlich zum Einsatz kommt, ist noch nicht bekannt. Zumindest wird es bis dahin noch ein sehr langer Weg sein. An der Uni Tübingen wird Grundlagenforschung geleistet, wie Dr. Krismer erläutert:

    "Bis zu einer tatsächlichen Entwicklung müssen noch viele Tests gemacht werden, gerade was Toxizität auf eukaryotische Zellen (unter Eukaryoten werden alle Lebewesen zusammengefasst, deren Zellen einen Zellkern besitzen, Anm. der Redaktion)  angeht. Wir sind da, denke ich, auf einem guten Weg, weil wir einen Organismus isoliert haben, der in einem Menschen lebt und wir sehen keine negativen Effekte, wenn der Mensch von Lugdunensis besiedelt ist. Auch in Zellanalysen, nach der Einwirkung von Lugdunin, sehen wir bisher keine negativen Effekte."

    Dabei handele es sich allerdings um erste Versuche.  Dr. Krismer betont:

    "Bei der Entwicklung von Antibiotika redet man eigentlich von Jahrzehnten und nicht von wenigen Jahren."

    Jedes Jahr sterben tausende Menschen in Deutschland durch Infektionen,  die von antibiotikaresistenten Erregern hervorgerufen werden.  Laut Schätzungen, könnten in den kommenden Jahrzehnten sogar mehr Menschen an antibiotikaresistenten Bakterien sterben als an Krebs.

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    Tags:
    Lugdunin, Antibiotikum