03:30 05 Juni 2020
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    Sein LIGO-Observatorium hat erstmals Gravitationswellen nachgewiesen: Im Sputnik-Interview spricht US-Astrophysiker und „Interstellar“-Produzent Kip Thorne über neue Forschungen und seinen neuen Science-Fiction-Streifen.

    Kip Thorne bei der Konferenz zu Gravitationswellen in Washington
    © AFP 2020 / Saul Loeb
    Kip Thorne bei der Konferenz zu Gravitationswellen in Washington

    Ein Jahr ist es her, dass LIGO (Laser-Interferometer Gravitationswellen-Observatorium) Gravitationswellen entdeckt hat. Welche Fortschritte hat es seitdem gegeben?

    Wir haben zwei neue Signale entdeckt, die ich aufgezeichnet habe. Diese Suche dauerte von Januar bis September. Seit Januar hat unser Team daran gearbeitet, die Detektoren von Geräuschen zu säubern, und jetzt werden die Detektoren auf die nächste Suche vorbereitet. Wir haben also nichts Neues erfahren – außer dass wir jetzt wissen, wie ein Teil der Geräusche zu entfernen ist.

    Das heißt konkret, Sie haben die Daten, die Sie empfangen haben, bereits bearbeitet?

    Nein, wir haben die Detektoren und die Ausrüstung verfeinert. Einer der Laser ging kaputt und musste ersetzt werden. Das unerwartete Rauschen in einigen Geräten musste verändert werden. Die Detektoren werden so verbessert, dass sie diese Formen von Geräuschen beseitigen und dadurch ihre Empfindlichkeit steigern. (…) Also gibt es noch nichts zu berichten.

    Gibt es außer der Anwendung in der Forschung und der Erstellung von Horizontkarten schwarzer Löcher praktische Anwendungen der Gravitationswellenforschung? Steht das überhaupt auf der Tagesordnung?

    Es wurden viele Technologien entwickelt. (…) Beispielsweise wurde für das LIGO eine Methode erarbeitet, die inzwischen häufig für die Stabilisierung von Lasern verwendet wird, um eine  Frequenz ohne Störungen zu erhalten. Es gibt also gewisse technologische „Spin-offs“. Aber darüber hinaus nichts. Die Technologie kann anderweitig eingesetzt werden, aber die tatsächliche Aufgabe des LIGO ist es, uns zu dabei helfen, das Universum zu verstehen, damit wir unseren Kindern ein weit besseres Verständnis davon ermöglichen, als wir es am Anfang hatten.

    Können Sie bitte einfachen Menschen, die, wie ich, keine Wissenschaftler sind, erklären, worum es sich bei den Gravitationswellen eigentlich handelt?

    Sie dehnen und verengen den Raum.

    Als Person, die für den wissenschaftlichen Teil des Films „Interstellar“ verantwortlich war, und als wichtigster „Star“ — welches wissenschaftliche Prinzip wurde Ihrer Meinung nach den Zuschauern am elegantesten vermittelt? Welcher ist Ihr Lieblingsmoment?

    In dem Film war das wohl die Verzerrung der Zeit. Das ist ein sehr starker Augenblick, wenn man sieht, dass Cooper nur um einige Monate und seine Tochter zunächst um 20 und dann um weitere 50 Jahre älter wurde, weil er sich dem schwarzen Loch angenähert hatte. Das ist die Relativitätstheorie, aber die Relativitätstheorie, die dank dieses Films Teil der Weltkultur wurde. Das ist in einem gewissen Sinne der stärkste wissenschaftliche Moment dieses Films, denn er ist sehr emotional. Die Wiedervereinigung mit seiner Tochter, die schon eine alte Frau ist, ist ein sehr emotionales Ende des Films.

    Kip Thorne zum neuen Projekt

    Mein zweiter Film kommt. Durch die Arbeit an „Interstellar“ habe ich verstanden, dass die Weitergabe von Informationen über das Geschehende vom Studio koordiniert werden sollte. Dort weiß man besser, wie man für Aufmerksamkeit sorgt, um möglichst viele Eintrittskarten zu verkaufen. Für das Studio ist es nun einmal wichtig, möglichst viele Eintrittskarten zu verkaufen und dadurch möglichst viel Geld zu verdienen. Und für mich ist es auch wichtig, denn dadurch kann ich das Verständnis und zugleich die Begeisterung für die Wissenschaft beeinflussen. Das ist im Grunde alles, was ich über meinen zweiten Film erzählen kann, sonst nichts.

    Kip Thorne bei der Konferenz zu Gravitationswellen in Washington
    © REUTERS / Gary Cameron
    Kip Thorne bei der Konferenz zu Gravitationswellen in Washington

    „Interstellar“ begann mit einer Art Synopse, die ich gemeinsam mit Linda Obst schrieb. Linda Obst war Wissenschaftsredakteurin der "New York Times" und ist jetzt Filmproduzentin. Christopher und Jonathan Nolan haben die Geschichte völlig verändert, aber den wissenschaftlichen Teil unberührt gelassen. Und wir arbeiteten mit ihnen zusammen an der neuen Geschichte.

    Darüber hinaus schrieb ich die Synopse zum zweiten Film, wiederum mit Linda Obst und auch mit Stephen Hawking. Wir haben ein Filmstudio, einen Regisseur und fast bereits einen Drehbuchautor. Ich kann Ihnen nicht verraten, was für ein Studio das ist, wer der Regisseur und wer der Drehbuchautor ist, ich kann nur sagen, dass Sie diese Namen höchstwahrscheinlich kennen.

    Dieses Projekt hat nichts mit den Brüdern Nolan zu tun – es ist keine Fortsetzung von „Interstellar“. Es wird ein Science-Fiction-Film sein mit neuen, faszinierenden Forschungsprinzipien. Ich hoffe, dass er, wie auch „Interstellar“, Menschen auf der ganzen Welt inspirieren wird.

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    Tags:
    Gravitationswellen, Interstellar, LIGO, Kip Thorne