Widgets Magazine
06:54 22 August 2019
SNA Radio
    Dmitri Medwedew im Zentrum für Nuklearmedizin, Ufa

    Nuklearmedizin: Russland stellt mehr Anti-Krebs-Isotope her

    © Sputnik / Ekaterina Stukina
    Wissen
    Zum Kurzlink
    0 372

    Russland hat seine Positionen auf dem Weltmarkt der Produktion von Isotopen gefestigt, die bei der Diagnostizierung, Prognostizierung und Behandlung von vielen Krankheiten, darunter des Krebses, eingesetzt werden. Hier ist eine Übersicht von in Russland hergestellten Isotopen, die jeden Tag Menschenleben retten.

    Die Ende des Zweiten Weltkrieges entstandene Nuklearmedizin entwickelt sich konsequent weiter. Es ist zu einer wahren Revolution bei der Erforschung der Arbeit verschiedener Organe des menschlichen Körpers gekommen. Es gibt zwei Arten von Nuklearforschungen: die Szintigrafie und die Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Dabei handelt es sich um die Einführung einer äußerst geringen Dosis eines Radiopharmakons, das aus physiologischem Stoff und dem radioaktiven Isotop besteht. Die Nuklearmedizin ermöglicht auch die Behandlung von Pathologien wie Krebs mithilfe von Radiopharmakonen, die kranke Zellen zerstören.

    Erst vor einigen Jahren wurden praktisch alle radioaktiven Isotope auf der Welt in fünf Meilern hergestellt, die in fünf Ländern liegen: in Australien, Südafrika, Kanada, Frankreich und in den Niederlanden. Inzwischen hat sich aber die Situation verändert, und auf diesem Markt ist auch Russland aktiv. Molybden-99, Stronzium-89, Gadolinium-153 und Lutetium-177 sind die meistverbreiteten Isotope. Was sind ihre Besonderheiten?

    Molybden-99

    Bakterien-Molybdän-Cofaktor bis(Molybdopterin-Guanin-Dinukleotid)-Molybdän
    © Wikipedia /
    Bakterien-Molybdän-Cofaktor bis(Molybdopterin-Guanin-Dinukleotid)-Molybdän

    Molybden-99 ist kein Endprodukt, das in der Nuklearmedizin verwendet wird. Es ist für die Herstellung eines anderen radioaktiven Metalls nötig: des Technetiums-99. Das Technetium nimmt einen milden Einfluss auf den menschlichen Organismus und ermöglicht die frühzeitige Entdeckung von Krankheiten. Es hat die Eigenschaft, sich in von einem Tumor betroffenen Organen oder im abgestorbenen Teil des Myokards (dadurch kann der Herd des Myokardinfarkts 24 Stunden nach dem Infarkt lokalisiert werden) anzuhäufen.

    In der russischen Stadt Dimitrowgrad (Gebiet Uljanowsk) befindet sich das Forschungsinstitut für Atomreaktoren, das an einem großen Projekt arbeitet: der Industrieproduktion von Isotopen mit gekürzter Halbwertszeit, die für die Produktion von pharmazeutischen Präparaten, vor allem von Molybden-99, nötig sind. „Wir gehören schon seit langem zu den Teilnehmern dieses riesigen, globalen Marktes von Isotop-Produkten“, sagte der Leiter der Abteilung für Radionuklid-Quellen und —Präparate, Rostislaw Kusnezow, zu Sputnik. „Wir sind bekannt und kennen selbst unsere Kunden, denn wir beschäftigen uns damit schon seit mehr als 25 Jahren. Unsere Einmaligkeit ist natürlich mit dem Meiler verbunden, den wir haben. (…) Wie gesagt, einen ähnlichen Reaktor gibt es nur in den USA.“

    Experten behaupten, dass Russland sehr gute Chancen hat, der größte Molybden-Lieferant auf der Welt zu werden, denn dieser Markt ist so gut wie unbegrenzt. Das Defizit an diesem medizinischen Isotop beträgt auf dem Markt mehr als 30 Prozent, wobei die Nachfrage im Durchschnitt bei 12 000 Curie pro Woche liegt (Isotope werden nicht in Gramm, sondern in Curie gemessen). Dabei erreicht der Preis für ein Gramm Molybden-99 1500 US-Dollar.

    Stromtium-89

    In Dimitrowgrad wird auch das Stromtium-89 hergestellt. Diese chemische Verbindung wird in der Hüttenindustrie, Nahrungsindustrie und Nuklearmedizin verwendet. In gemäßigten Dosen hilft seine Strahlung bei der Behandlung von vielen schweren Krankheiten, die noch vor kurzer Zeit als unheilbar galten.

    Verbindungen mit Strontium-89 werden auch bei der Behandlung von Epilepsie und Nephritis sowie in der Orthopädie, und zwar  bei der Korrektur von Deformierungen im Kindesalter verwendet. Außerdem kann dieser Stoff als Mittel gegen Helminthen angewandt werden.

    Kusnezow zufolge handelt es sich um ein einmaliges Produkt. „Für uns ist es günstiger geworden, den SM-Reaktor einzusetzen, aber dort wird ein anderes technologisches Schema verwendet. Doch unser Produkt, nämlich Strontium-89, ist auf dem Markt sehr gefragt – sowohl in Russland als auch im Ausland.“

    Ein weiteres Novum, nämlich der Strontium-Laser wurde ebenfalls von den Tomsker Forschern – in Kooperation mit ihren amerikanischen Kollegen – entwickelt. Dieser Laser ist für das Schneiden von biologischen Geweben, darunter von Knochen, bestimmt. Der Laser hat ein enormes Anwendungspotenzial, finden die Wissenschaftler.

    Gadolinium-153

    Wärmekapazität von Gadolinium, grün: gesamte Wärmekapazität, rot: phononischer Anteil, blau: spinanteil, türkis: elektronischer Anteil
    © Wikipedia /
    Wärmekapazität von Gadolinium, grün: gesamte Wärmekapazität, rot: phononischer Anteil, blau: spinanteil, türkis: elektronischer Anteil

    Russland ist das einzige Land, das Gadolinium-153 produziert. Dieser Markt ist nicht allzu groß, aber äußerst wichtig, denn dabei handelt es sich um ein Isotop, das für den Bau von vielen Anlagen zur Diagnostizierung von Knochenerkrankungen nötig ist.

    Kusnezow bestätigt, dass die russischen Hersteller Dauerkunden sowohl in Russland als auch im Ausland haben und dass Versuche anderer Länder, diese Technologie nachzuahmen, erfolglos geblieben seien.

    Lutetium-177

    Lutetium, sublimiert, dendritisch, Reinheit des Metalls: 99,995 % (Würfel 1 cm3)
    Lutetium, sublimiert, dendritisch, Reinheit des Metalls: 99,995 % (Würfel 1 cm3)

    Lutetium-177 ist ein relativ neues Isotop. Dank der enormen Stärke des Meilers in Dimitrowgrad, die die Produktion von allen in der Nuklearmedizin angewandten Elementen ermöglicht, kann dort wesentlich mehr Lutetium als in anderen Reaktoren hergestellt werden.

    Die Experten erwarten, dass Lutetium-177 eine richtige Revolution in der Medizin auslösen wird. Dieser Stoff wird erst seit zwei Jahren eingesetzt, aber die Erfolge sind schon so markant, dass Kusnezow mit diesem Isotop große Hoffnungen verbindet. Das in Russland hergestellte Lutetium hat eine größere Qualität, denn es wird nach der Bestrahlung ziemlich schnell verarbeitet. „Eine ganze Reihe von wichtigen Problemen, die es in der Onkologie gibt, könnten mithilfe dieses Stoffes gelöst werden“, vermutet Kusnezow.

    Die Nuklearmedizin ist wohl die progressivste Branche bei der Behandlung von Krankheiten, die früher als unheilbar galten. Russlands Rolle auf diesem Markt ist sehr wichtig, denn es bemüht sich um die Diversifizierung der Produktion und garantiert ein hohes Sicherheitsniveau bei einem Ausfall des Meilers, wie das 2009 in Kanada passierte. Die internationale Kooperation auf diesem Gebiet ist die einzige Möglichkeit für die Rettung von Hunderttausenden Menschenleben in den kommenden Jahren.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Neue Methode aus Russland: Knochen-Implantate wachsen besser an
    Hoffnung für Krebskranke: Russische Wissenschaftler heilen Krebs mit Vitamin B2
    Russland schafft Marktdurchbruch in Nuklearmedizin
    Tags:
    Lutetium-177, Gadolinium-153, Stronzium-89, Molybden-99, Nuklearmedizin, Positronen-Emissions-Tomographie (PET), Russland