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    Virtuelle Realität zum Greifen?

    Virtuelle Realität zum Greifen? – Ultrahaptics will’s möglich machen

    © Foto : Ultrahaptics Ltd.
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    Die virtuelle Realität raubt uns nur zwei Sinne, aber mit dem Tasten ist es dort nicht weit her. Das will das Unternehmen Ultrahaptics ändern und zwar mit Ultraschall.

    Es kommen immer bessere Simulationen in der Virtual Reality auf den Markt. Über Ballerspiele, Gesprächsrunden am Lagerfeuer, Bouldern bis hin zu einem jüngst von Netflix präsentierten VR-Wohnzimmer zum Filmeschauen ist so ziemlich alles abgedeckt. Aber die VR-Brille versetzt uns bisher nur über zwei Sinne in eine virtuelle Realität: über die Augen und das Gehör. 

    Einen Ansatz, uns die virtuelle Realität zum Greifen nahe zu bringen, verfolgt das Unternehmen Ultrahaptics mit Sitz im englischen Bristol. In einem Sputnik-Interview mit Valentin Raskatov erklärt Hans Carper, Director of Sales von Ultrahaptics in Europa, wie das funktioniert.

    „Wir verwenden einen Array aus 16 mal 16 Ultraschall-Lautsprechern – die werden übrigens in der Automobilindustrie für Parkdistance-Kontrolle im Auto verbaut“, erklärt Carper die Technologie. „Durch intelligentes zeitversetztes Anschalten dieser Lautsprecher überlagern sich an einer Position im Raum die Schallwellen in einem einzelnen Punkt, idealerweise an der Handinnenfläche. Solche Punkte kann ich bis zu 16.000 Mal pro Sekunde an verschiedenen Stellen generieren, sodass ich praktisch wie mit einem Laserstrahl in die Hand ein Muster schreiben kann. Dieses Muster kann ein stärkeres oder ein schwächeres Prickeln bedeuten. Ich spüre etwas, aber ich habe nicht einen Schalter oder Sonstiges tatsächlich in der Hand. Man kann jederzeit das Muster mit der Hand durchbrechen, da es nichts Physisches ist.“

    Was könnte das für die virtuelle Realität bedeuten? „Virtual Reality ist ganz klar ein Zielmarkt von uns, weil dort das haptische Feedback noch komplett fehlt und wir das nun hineinbringen können. Damit wäre es auch möglich, zum Beispiel ein Klavier in den Raum mit reinzubringen und Sie könnten spielen und dabei die Tasten fühlen“, so Carper.

    Die virtuelle Realität ist aber nicht nur ein Medium für Spiele aller Art, sondern es sollen auch zum Beispiel Ausbildungen an virtuell nachgebildeten Maschinen in ihr durchgeführt werden. Auch ein Markt für Ultrahaptics? „Auch das ist möglich. Wir haben schon virtuelle Schalter entwickelt, die ein Schaltempfinden nachahmen“, sagt  Director of Sales Carper. „Dazu gehören Luftschalter, bei denen Sie fühlen, dass Sie etwas geschaltet haben und auch akustisch das Schaltgeräusch dazubekommen. Das lässt sich also auch auf solche Ausbildungen übertragen.“ 

    Aber nicht nur in der virtuellen Realität kann man von solchem Feedback profitieren, sondern auch in der Automobilbranche. „Wir sind sehr stark engagiert im Bereich Automobiltechnik, weil die Automobil-Leute das Problem haben Touch-Lösungen verbauen zu müssen, allein schon vom Design her“, erklärt Carper, „Allerdings gibt es dort kein Feedback und es ist kritisch, wenn ein Autofahrer bei 150 auf der Autobahn nachschauen muss, ob er tatsächlich etwas geschaltet hat. So sind die Automobilisten auf der Suche nach Lösungen, bei denen man Touch mit Feedback ins Auto bringen kann. Deswegen sind wir derzeit dabei, auch Gestensteuerung fühlbar machen, das heißt, wir bewegen etwas in Wisch-Technik und bekommen auch dafür wieder ein Empfinden zurück in die Hand.“ 

    Virtuelle Realität zum Greifen?
    © Foto : Ultrahaptics Ltd.
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    Ob es hier auch Gefahren gibt? „Die Technik ist unbedenklich, solange man weiß, was man tut“, sagt Carper dazu. „Ich hatte schon erwähnt, dass alle unsere Demos die Hand erkennen, bevor da irgendwelche Signale rausgehen. Ich würde zum Beispiel vorsichtig sein, dass der erzeugte Punkt nicht auf die Augen oder auf die Ohren trifft.“ 

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    Tags:
    Virtual Reality, Ultrahaptics