Widgets Magazine
19:48 12 November 2019
SNA Radio
    Zukunft - Symbolbild (Dubai)

    Elon Musk - ein Visionär oder nur ein Träumer?

    CC BY 2.0 / brando.n / Sunrise Dubai
    Wissen
    Zum Kurzlink
    41837
    Abonnieren

    Mit seinen spektakulären Projekten und Visionen sorgt der US-Milliardär Elon Musk weltweit für Aufsehen. Doch sind Musks Tesla und SolarCity wirklich eine rentable und innovative Erfolgsstory, die ihresgleichen nicht kennt? Ein Einblick in das Thema lässt Zweifel aufkommen.

    Es ist tatsächlich so, dass Musk bei einigen seiner Projekte Erfolge vorzuweisen hat: Bei Tesla werden qualitativ hochwertige Fahrzeuge produziert,  auch die Space-X-Raketen landen öfter, als dass sie abzustürzen. Außerdem scheint auch die politische Welt ihre Karte auf Musk zu setzen: So wurde der Tesla- und SpaceX-Gründer neulich im Rahmen des „Strategic and Policy Forum“ zu einem Berater des kommenden US-Präsidenten Donald Trump gekürt. In einer aktuellen Umfrage der Venture-Capital-Firma First Round Capital wurde Musk zudem auch noch zum angesehensten und revolutionärsten Tech-Chef der Welt gewählt.

    Mit Henry Ford begann die Automobilepoche, Steve Jobs läutete die Smartphone-Ära ein. Kritiker hatten damals behauptet, dass Autos entbehrlich seien – immerhin seien die Pferde ja noch nicht ausgestorben! – und  auch die ersten Smartphones hatten nicht gleich Zuspruch erhalten – wer braucht schon ein Handy ohne Knöpfe? So scheint es auch mit Musk zu sein — zwar wird er von den meisten Menschen als Visionär und Genie gefeiert, dennoch bläst ihm immer mehr Gegenwind ins Gesicht – die Tesla Aktien begeben sich in einen Sturzflug, wobei der Konzern seit  seinem Bestehen Milliarden Schulden gemacht hat, eigene zukünftigen Profite beleiht und im Grunde nur  von Investitionen und staatlicher Unterstützung abhängt. Doch neben den alten Schulden scheint Musk mit weiteren umstrittenen Ideen  für Misstrauen bei seinen Investoren zu sorgen.

    Tesla Gigafactory  — Ein Energieimperium, das zum Scheitern verdammt ist?

    Was erzählt wird: Mit der Übernahme der Ökostromfirma SolarCity, die seit Jahren rote Zahlen schreibt, sowie dem Bau der Batteriefabrik „Tesla Gigafactory“ will Musk eine grüne Energie-Wende beginnen. Zum Entsetzen der Investoren hat der Milliardär bekanntgegeben, Tesla und SolarCity zu einem Energiekonzern zu verschmelzen. „Earth’s Solution“, so heißt das Projekt und soll mit seinen Tesla-Stromern, Solar-Paneelen und „Powerwall“-Hausbatterien die Energieprobleme der Welt oder zumindest der Vereinigten Staaten lösen.

    Womit die Pessimisten rechnen: Da die Unternehmen seit ihrem Bestehen keinen Gewinn brachten, sind die Reaktionen der Investoren durchgehend negativ ausgefallen. Neue Investitionen werden die Schulden weiter wachsen lassen, wobei sie schon jetzt mehr verloren haben, als Solarcity jemals wert war. Zunächst will Musk dieses Problem durch die Kooperation (sprich finanzielle Beteiligung) mit dem japanischen Unternehmen Panasonic lösen — beide Unternehmen haben angekündigt, künftig für die Entwicklung neuer Solarzellen und –module zu kooperieren. Falls jedoch die Epoche des billigen Öls weiter fortwähren sollte, hat Musks jüngste Idee wohl eher keine Chancen. Bislang waren sich die Analysten beim Thema Ölpreise 2017 alles andere als einig.

    Was Sie wahrscheinlich nicht wussten:

    Musks „Earth’s Solution“ wird weltweit als eine der innovativsten Ideen des 21. Jahrhunderts gefeiert. “Mit der Übernahme von SolarCity wird das weltweit einzige integrierte Unternehmen für nachhaltige Energie geschaffen, das sich mit der Energieerzeugung bis zu dessen Lagerung und Transport beschäftigt“, behauptete er selber.

    Bei dem chinesischen Rivalen Build Your Dreams (BYD), der schon länger und weitaus erfolgreicher neben Elektroautos auch Solar- und Batterie-Speicherprodukte anbietet, sorgten diese Worte für Unmut – das Unternehmen gab in einem emotionalen Facebook-Post bekannt, dass BYD schon ganze 10 Jahre in die Batterie- und Solarzellenproduktion integriert sei („wir haben eine eigene Produktion und nicht einfach eine Vertriebsgesellschaft“) und „schon jetzt, und nicht 2018, in einer nichtexistierenden Fabrik“ eigene („nicht Panasonic-“) Produkte herstelle und in 66 Ländern tätig sei. Soviel zur Innovativität.

    Tesla-Fahrzeuge: Zeit, auf die Euphoriebremse zu treten?

     

    Was Sie sicherlich bereits wissen:

    Tesla Motors wurde 2003 gegründet. Sechs Jahre später debütierte der Tesla Roadster – wohl das einzige Fahrzeug, das sich seitdem rentierte und mehrere Rekorde gebrochen hat.

    Es war der Roadster, mit dem Musk seine ersten Investoren für sich gewonnen hatte und den weltweiten Trend  für Elektrofahrzeuge anheizte.

    Zu den Erfolgen von Tesla gehört auch die revolutionäre Idee des Mitgründers Martin Eberhard statt Blei-Säure- die weitaus effektiveren Lithium-Ionen-Batterien zu benutzen.

    Was oft vergessen wird:

    Seine ersten relativ kurzweiligen Erfolge hat Tesla den konstant hohen Ölpreisen nach der Weltkrise von 2008 bis 2014 zu verdanken. Genau in diesem Zeitraum kamen seine populärsten Elektrofahrzeuge vom Fließband.

    Eine echte Revolution in der Elektromobilität löste jedoch nicht Tesla, wie oft behauptet wird, sondern Toyota aus – und das schon im vergangenen Jahrhundert. Eine echte Erfolgstory war der Toyta Prius — zwar nur ein Hybrid, jedoch zweifelsohne einer der visionärsten Vorreiter auf dem Weg zur Elektromobilität. Die erste Generation des Toyota Prius mit Benzin/Elektro-Hybridantrieb kam in Japan Ende 1997 auf den Markt und wurde seit seiner Premiere 5,7 Millionen Mal verkauft, was rund sechsmal mehr ist, als es insgesamt Elektrofahrzeuge zum heutigen Zeitpunkt gibt. Wenn man bedenkt, dass die Benziner wegen der Ölpreise wohl doch noch nicht ganz am Ende sind, so gehört die Zukunft wohl vorerst solchen Hybridautos wie Prius.

    Verkaufszahlen: Tesla hat bis heute etwa 165.000 Fahrzeuge produziert. Der Chinese BYD, der ebenfalls im Jahr 2003 gegründet wurde, hat bereits 171.000 Autos verkauft.  Der erfolgreichste  Pionier der Elektromobilität ist jedoch der japanische Autohersteller Nissan: Mit 240.000 Fahrzeugen ist sein Nissan Leaf das meistverkaufte E-Auto der Welt. Allein in den USA wurde der Leaf öfter gekauft, als das Tesla Modell S und Tesla Modell X zusammengenommen.

    Von wegen keine Umweltbelastung:

    In Hong Kong und Singapur hat Tesla bei der Ökobilanz schlechter abgeschnitten, als es bei vielen  Benzinautos der Fall ist. Das wird damit erklärt, dass ein Tesla-Elektroauto mit enorm viel Strom gefüttert wird, der wiederum aus Wind-, Wasser-, Solar- oder Erdgaskraftwerken stammt. Alles hängt demnach von der Art der Stromerzeugung ab.

    Fazit:

    Trotz riesiger Schulden in Milliardenhöhe schafft es Elon Musk immer wieder, neue  Investitionen für seine ehrgeizigen Projekte zu bekommen. Ob das an seinem Charisma, der Überzeugungskraft oder etwas anderem liegt, ist nicht wirklich entscheidend – Tatsache ist, dass  Tesla die notwendigen finanziellen Investitionen erhält, obwohl die Projekte auch  nicht wirklich etwas mit Innovativität zu tun haben. SolarCity ist weiterhin finanziell instabil. Sollte sich das aber ändern, könnte womöglich auch wirklich ein Tesla-Motors-Imperium geschaffen werden, welches die Welt verändern könnte.

    „Möchte man ein Dach haben, das besser als ein herkömmliches aussieht, die doppelte Lebensdauer hat, weniger kostet und ganz nebenbei auch noch Strom produziert?“, wirbt Musk. „Natürlich“, antworten seine exaltierten Jünger.

    „Euer Glaube wird belohnt!“, verspricht der US-Milliardär.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Auto, SolarCity, Tesla Gigafactory, Tesla, Steve Jobs, Elon Musk, USA