13:38 24 Juni 2019
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    „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“

    "Indiana Jones" und die Realität: Ein Eisschrank ist kein Atombunker – Forscher

    © Flickr / Taehyun Kim
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    Selbst die dicksten Bleiwände eines alten Kühlschranks bieten keinen Schutz gegen eine in der Nähe explodierende Atombombe. Zu diesem Ergebnis kommen britische Physiker, die eine Szene aus „Indiana Jones“ unter die Lupe genommen haben. Darüber berichtet das Wissenschaftsmagazin „Journal of Physics Special Topics“.

    Es ist eine der spannendsten Szenen des Films „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“: Der weltberühmte Archäologie-Professor steigt in einen Kühlschrank, um dem Tod durch radioaktive Strahlung nach einer Atombombenexplosion auf dem Testgelände im US-Bundesstaat Nevada zu entgehen. Die Verkleidung des Eiskastens aus den Fünfzigerjahren besteht ja schließlich aus Blei, das bekanntlich Gammastrahlen schluckt.

    Wäre dieser Einfall im echten Leben wirklich die Rettung in letzter Sekunde gewesen oder hätte die Idee den sicheren Tod bedeutet? Diese Frage sorgte für reichlich Diskussionsstoff unter Wissenschaftlern und Filmfans. Sidak Singh Kohli und seine Kollegen von der University of Leicester sind der Sache auf den Grund gegangen. 

    Reale Atomtests

    Die Kernfrage der britischen Forscher war: Wie dick hätte die Bleischicht des Kühlschranks mindestens sein müssen, um den Hollywood-Archäologen vor der Atombombenexplosion in nur einem Kilometer Entfernung wirklich zu schützen? Die Ausgangsgrundlage für ihre Untersuchung bildete laut dem Fachblatt die Operation Plumbbob. Unter diesem Decknamen führte das US-Militär 1957 im US-Bundesstaat Nevada – dort spielte auch die Filmszene – Atomtests durch, wobei 29 nukleare Sprengköpfe mit jeweils oder insgesamt? einer Sprengkraft von 74 Kilotonnen TNT gezündet wurden. Auf diese Weise sollten die Folgen nuklearer Explosionen für die Gesundheit der Menschen untersucht werden. Aktuellen Schätzungen zufolge sind in Nevada und den Nachbarstaaten rund 20.000 Zivilisten an den Folgen der freigesetzten Strahlung gestorben.

    Wie Kohli und seine Kollegen berechneten, hätten solche Bomben den Kühlschrank, in dem Indiana sich versteckte, mit Gammastrahlen beschossen, deren Energie sich auf 300 bis 600 Kilojoule belaufen würde – ein verhältnismäßig geringer Wert, da 99,99999602 Prozent der radioaktiven Strahlung auf dem Weg zu Indianas „Bunker“ vom Winde verweht worden wären.

    Doch selbst dieser Wert ist deutlich höher als die für einen Menschen zulässige Strahlungsdosis: Bei 75 Joule Gammastrahlung wäre selbst für den taffen Indiana Jones Schluss gewesen. Um die freigesetzte Energie so abzuschirmen, dass sie auf diesen Wert sinkt, hätten die Wände des Kühlschranks aus einem 4,6 bis 6,8 Zentimeter dickem Bleimantel bestehen müssen. Indiana hätte also einen Panzerschrank statt eines Eisschranks benötigt, um sich in Deckung zu bringen.

    Die millimeterdicke Verkleidung des Kühlgeräts hätte den Super-Archäologen aus Hollywood also keineswegs schützen können. Und selbst wenn er einen Kühlschrank mit der nötigen Wandstärke in der Nähe gefunden hätte, wäre da ja noch die Explosionswelle gewesen, die alles auf ihrem Weg hinweggefegt hätte – ob aus Blei oder nicht. Indiana wäre also in jedem Falle ums Leben gekommen, resümieren die britischen Physiker in ihrer Fachzeitschrift.

    Der „Journal of Physics Special Topics“ wird jährlich von der physischen und astronomischen Fakultät der University of Leicester herausgegeben. An der Zeitschrift mitzuarbeiten und darin zu veröffentlichen, ist für die Master-Studenten der britischen Uni eine Bedingung, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. 

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    Tags:
    Atombombe, Menschen, Forscher, Kühlschrank, Atomtest, Strahlung, Explosion, Nevada