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    Forschung: Biochemiker aus Russland entwickeln Heilmittel gegen Drogensucht

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    Ist das der Durchbruch im Kampf gegen die Drogensucht? Russische Wissenschaftler entwickeln derzeit ein Mittel, das die Wirkung des Rauschgiftkonsums im Gehirn blockieren soll. Bis 2023 soll auf Grundlage dieser neuen Substanz das erste russische Medikament gegen Drogenabhängigkeit entstehen, wie die Zeitung „Iswestija“ berichtet.

    „Die derzeit existierenden Mittel heilen nur zehn bis 30 Prozent der Drogenabhängigen. Dabei haben diese Präparate viele Nebenwirkungen. Unser Medikament ist gegen Rückfälle, damit die Menschen nach der Entgiftung nicht wieder zu Drogen greifen“, erklärt die Biochemikerin Marina Mjagkowa vom Institut für physiologisch aktive Stoffe der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    Das neue Präparat sei kein Morphium-Ersatz. Es führe stattdessen dazu, dass Menschen ganz mit dem Drogenkonsum aufhören. Die neue Arznei funktioniere gewissermaßen wie eine Schranke: Sobald das Präparat ins Blut des drogenabhängigen Patienten gelangt, bilden sich Antikörper, die das Rauschgift daran hindern, ins Gehirn vorzudringen. Die erwünschte „Spaßwirkung“ der Droge trete somit gar nicht erst ein, weswegen der Patient den Konsum einstelle, schreibt die Zeitung. Vor allem bei Heroinsüchtigen soll das neue Medikament eingesetzt werden. Ein bis zwei Jahre werde eine solche Therapie dauern.

    In diesem Jahr sollen vorklinische Studien des neuen Präparats stattfinden. Zeigen Tierversuche die erwünschten Ergebnisse, starten im nächsten Jahr die klinischen Tests. Dann soll das Medikament an Drogenkranken getestet werden, auch um zu klären, ob das Präparat als Präventionsmaßnahme – etwa unter Teenagern – geeignet sei.

    Derzeit werde die Drogensucht in Russland mit ausländischen Präparaten bekämpft – russische Medikamente fehlen, wie die Zeitung schreibt. Die neue Substanz könne etwa das US-amerikanische Naltrexon substituieren, sagt laut Zeitung Professor Alexej Jegorow vom Institut für Psychiatrie und medizinische Psychologie der St. Petersburger Universität.

    Angaben des russischen Gesundheitsministeriums zufolge werden momentan 600.000 Drogenabhängige in Russland gezählt. Die Dunkelziffer ist weitaus höher: Die russische Drogenaufsichtsbehörde geht laut Blatt von vier bis sieben Millionen Rauschgiftabhängigen in Russland aus.

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    Tags:
    Drogen, Marina Mjagkowa, Russland