19:03 05 Dezember 2019
SNA Radio
    Zeitreisen

    Wie geht eigentlich Zeitreisen? Kosmologe klärt auf

    © Flickr / JD Hancock
    Wissen
    Zum Kurzlink
    10175
    Abonnieren

    Zeitreisen sind möglich! Davon ist der russische Kosmologe Andrej Kananin überzeugt. Wie das Undenkbare genau funktionieren soll und wann Menschen endlich über Epochen hinweg reisen werden, erzählte der Zeitreisen-Forscher im Sputnik-Interview.

    Eine Zeitmaschine könnte noch zu Lebzeiten heutiger Generation gebaut werden, ist Kananin überzeugt. Dann würden Zeitreisen auch für Otto Normalverbraucher technisch möglich sein, ganz ohne spezielle Vorbereitung.

    Dass Zeitreisen definitiv möglich seien, habe man bereits mehrmals experimentell nachgewiesen, sagt Kananin. Das technische Prinzip dafür sei denkbar einfach: Man brauche lediglich ein Gerät, das sich nahezu mit Lichtgeschwindigkeit bewege.

    Eine Zeitmaschine wäre zugleich also auch ein Raumschiff. Fliege man damit, vergehe die Zeit schneller als auf der Erde und man gelange in die Zukunft. „Wichtig ist, genauestens zu messen, wie lange sich das Gefährt mit der annähernden Lichtgeschwindigkeit bewegt. Das ist absolut nötig, um festzustellen, wie weit in die Zukunft man gereist ist“, sagt der Experte.

    Aber was ist, wenn einen in der Zukunft das Heimweh packt und man zurück möchte? „Das ist ein großes Problem. Die heutige Wissenschaft ist absolut davon überzeugt, dass Reisen zurück in die Vergangenheit per se unmöglich sind. Störungen der Chronologie können fatale Verwerfungen in der Menschheitsgeschichte nach sich ziehen und Zeitparadoxien verursachen“, warnt der Kosmologe.

    Das Großvaterparadoxon sei das bekannteste Beispiel dafür, das Reisen in die Vergangenheit logische Grenzen gesetzt seien: „Sind sie in der Vergangenheit, so sind sie auch von dem Zeitpunkt an immer jener Teil der Vergangenheit, der sie dorthin geführt hat“, erklärt der Spezialist.

    Die meisten Experten gehen laut Kananin davon aus, dass im Universum ein Mechanismus „chronologischer Selbstverteidigung“ aktiv ist, der solche Zeitparadoxien verhindert. „Wenn Sie mit der üblen Absicht in die Vergangenheit reisen, ihren Großvater umzubringen, dann wird sie etwas daran hindern“, erklärt der Experte.

    Wenn man hingegen in einem Viele-Welten-Universum lebe und dann in die Vergangenheit reise, entstünden keine Zeitparadoxien, weil man dann gewissermaßen eine neue, parallele Realität schaffe. Deshalb die Schlussfolgerung: „Theoretisch ist eine Reise in die Vergangenheit möglich, praktisch aber milliardenfach schwerer als ein Trip in die Zukunft.“

    Sollte unsere Zivilisation nicht aussterben, werden wir Hyper-Lichtgeschwindigkeiten erreichen können, prophezeit Kananin. Denn wenn es wirklich eine Möglichkeit gibt, die Lichtgeschwindigkeit zu durchbrechen, dann wird die Zivilisation diese früher oder später entdecken.

    „Die Naturgesetze durch Vernunft zu beherrschen, Tod und Krankheit zu überwinden, das Geheimnis des menschlichen Bewusstseins zu entschlüsseln, das Universum zu erschließen, in der Zeit zu reisen – das alles ist der Durchbruch, ist der Traum, ist der Beweis für unseren ideellen Wert, für den Triumph der Geisteskraft über die seelenlose Materie! Das ist der Triumph des unerschöpflichen Verlangens nach Erkenntnis!“, ruft Kananin.

    Auch wenn derartige Geräte derzeit nicht gebaut würden, Pläne einer funktionsfähigen Zeitmaschine existierten bereits, sagt der Enthusiast. Grundlegend wichtig sei, dass die Technologie physikalisch möglich und heutigen Ingenieuren verständlich sei, betont er. Bei einem gewissen Entwicklungsgrad der Wissenschaft werde es möglich sein, die Zeitmaschine zu bauen.

    Aber: „Menschen werden auch in 1000 Jahren kaum dazu imstande sein, eine Zeitmaschine zu konstruieren. Doch ein Super-Computer oder Künstliche Intelligenz schafft das locker. Schließlich hat vor 30 Jahren auch niemand geglaubt, dass ein Computer einen Schachweltmeister besiegen kann“, sagt Kananin.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Zeitmaschine im Rückwärtsgang: Breschnew-Gedenktafel in Moskau wird wieder angebracht
    Qualität anders als in EU: Deutsche und andere Marken sorgen für Verbraucherskandal in Russland
    „Sie bauen einfach weiter“: Rohrverlegung bei Nord Stream 2 wieder aufgenommen – OMV
    Polens Präsident Duda will in Russland plötzlich keinen Nato-Feind mehr sehen – Moskau kommentiert
    Tags:
    Zeitmaschine, Zeitreise, Andrej Kananin