06:53 25 Juli 2017
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    Klaus Ohlmann

    Deutscher Rekord-Segler trainiert im Raumfahrtzentrum bei Moskau– Sputnik-Interview

    © Foto: Space Tour Agency Russia
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    Mit jedem Tag rückt das Weltall näher: Jüngst hat am Zentrum für Raumfahrt-Ausbildung im Moskauer Gebiet die Raumfahrt-Tour-Agentur Russland eröffnet, die aus jedem Interessenten einen Weltraumtouristen macht.

    Bislang schickt die Space Tour Agency Russia die Menschen zwar noch nicht ins All, bietet jedoch Trainings an speziellen Simulatoren für Weltraumflüge, Flüge in die Schwerelosigkeit oder Kochen eines Weltall-Mittagessens an. Die Kunden kommen bislang vorwiegend aus Russland. Aber auch ausländische Gäste kommen.

    Vor kurzem besuchte beispielsweise der bekannte deutsche Segelflieger Klaus Ohlmann und seine Kollegin Anssi Soila das Raumfahrtzentrum. Ohlmann hat in seinem Leben schon mehrere Rekorde aufgestellt, unter anderem den längsten Segelflug, Flüge über die Alpen, die Anden und den Mount Everest.

    • Zentrum für Raumfahrt-Ausbildung im Moskauer Gebiet
      Zentrum für Raumfahrt-Ausbildung im Moskauer Gebiet
      © Foto: Space Tour Agency Russia
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      Klaus Ohlmann
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    Zentrum für Raumfahrt-Ausbildung im Moskauer Gebiet

    Ohlmann plant nun einen Segelflug in die Stratosphäre. Dafür ist ein spezieller Druckanzug erforderlich. Bei Moskau lernt und übte er nun den Umgang mit dem Druckanzug „Sokol“ und studierte dessen Eigenschaften.

    Die Mitarbeiter des Zentrums schilderten Ohlmann sämtliche Besonderheiten des Druckanzugs. Der deutsche Gast testete den Anzug in verschiedenen Zuständen und eine Stunde lang bei Überdruck von 0,4 Atmosphären. Das sei ausreichend gewesen, um zu testen, ob sich der Sokol-Anzug für einen Segelflug in die Stratosphäre eigne. Ohlmann entschied, der Sokol sei bestens dafür ausgestattet.

    Im Sputnik-Interview erzählt der Rekord-Segler Ohlmann ausführlich von seinen Erlebnissen im Raumfahrtstrainingszentrum:

    Sputnik: Herr Ohlmann, wie haben Sie von dem Kosmonautenzentrum und der Space Tour Agency Russia erfahren?

    Klaus Ohlmann: Seit einigen Jahren kommen auch russische Segelflieger in mein Zentrum (sein Segelflugzentrum in La Bâtie-Montsaléon im Département Hautes-Alpes, Frankreich – Anm. d. Red.), um mehr über den Gebirgsflug zu lernen. Bei einem Gespräch mit meinem Freund Alexander Kaplunov fragte ich, ob man in einem Raumanzug auch einen Segelflug steuern könnte. Er hat mich schließlich zur Space Tour Agency Russia gebracht, die dann den Besuch im Kosmonautenzentrum perfekt organisiert hat.

    Klaus Ohlmann
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    Klaus Ohlmann

    Warum sind Sie ins Kosmonautentrainingszentrum gekommen? Was verbindet die Raumfahrt und den Segelflug?

    Die Bedingungen im Weltraum und der Stratosphäre ähneln sich sehr. Oberhalb von 15.000 Metern ist ein Überleben ohne Druckanzug nur sehr kurz möglich. Nachdem ich fast alle Strecken- und Geschwindigkeits-Weltrekorde im Segelflug halte, ist ein Höhenrekord eine neue und interessante Herausforderung. Kein Mensch weiß, ob es wirklich möglich ist, mit einem Segelflugzeug bis in Höhen von über 25.000 Metern zu steigen. Man weiß aber ziemlich sicher, dass es Wellen gibt, die das ermöglichen können. Schwierig wird vermutlich der Übergang von den unteren Wellensystemen in die Stratosphäre.

    Sie haben einen Druckanzug getestet. Warum interessieren Sie sich gerade für den Sokol? Einige Segelflieger nutzen ja zum Beispiel Nasa-Anzüge? Hat Sie der Sokol beeindruckt?

    Der Sokol ist, im Gegensatz zu „richtigen" Raumanzügen, sehr viel leichter konstruiert und erlaubt damit mehr Bewegungsfreiheit, die ja zum Steuern eines Flugzeugs benötigt wird. Von Steve Fossett hatte ich gehört, dass er erhebliche Probleme mit dem Nasa-Anzug hatte.

    Letztendlich war es aber die Gelegenheit, einen Sokol auszuprobieren, die den Ausschlag gab. Der Versuch war auf jeden Fall ein Erfolg, der Anzug lässt genug Bewegungsfreiheit für das Steuern eines Flugzeugs. Ganz nebenbei gesagt, der Sokol sieht auch sehr gut aus.

    Ihr Kollege Anssi Soila hat einen Simulator für einen Weltraumspaziergang anprobiert. Hat er das aus Neugier gemacht oder hat das auch mit Segelflügen zu tun? Hat es ihm gefallen? Was war das leichteste und das schwierigste?

    Anssi hat mich auf meiner Expedition in den Himalaya begleitet und war mit mir zusammen beim ersten Flug zum Everest, der unter extremen Bedingungen und Wind von bis zu 185 Stundenkilometern stattfand. Als ich ihm von meinem Vorhaben erzählte, war er sofort interessiert. Aus dem reichhaltigen Angebot der Space Agency hat er sich den Test des Sokols, den simulierten Weltraumspaziergang und darüber hinaus ein Andockmanöver im Original-Simulator der Sojus-Kapsel gegönnt. Er war jedenfalls begeistert und hat unter Anleitung des geduldigen und freundlichen Fachpersonals die schwierige Aufgabe des Andockens recht gut gemeistert. Für mich war es ebenfalls sehr beeindruckend geradezu live in einer echten Raumkapsel zu liegen und einen tiefen Einblick in die Arbeit eines Astronauten zu bekommen. Faszinierend.

    Klaus Ohlmann
    © Foto: Space Tour Agency Russia
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    Welche Eindrücke über das Kosmonautenzentrum haben Sie gewonnen?

    Mich hat besonders beeindruckt, in einer Umgebung zu sein, die das aktuelle Raumfahrtprogramm entwickelt, aber gleichzeitig ein Ort der Geschichte der russischen Raumfahrt ist. Sehr angenehm war auch die freundliche Begegnung mit den Fachleuten des Zentrums.

    Haben Sie schon Segelflüge in Russland gemacht? Möchten Sie vielleicht einen Segelflug in die Stratosphäre in Russland machen? Es gibt ja in Wladikawkas die passenden Atmosphärenwellen dafür.

    Leider hatte ich bisher noch keine Gelegenheit, in Russland zu fliegen. Der Kaukasus ist ganz bestimmt ein interessantes Wellenfluggebiet. Noch lieber würde ich allerdings in Kamtschatka fliegen. Auch dort gibt es ganz sicher sehr interessante Wellenwetterlagen. Vielleicht gibt es dort mal eine Möglichkeit zu fliegen. Man muss ja noch Ziele haben.

    Tags:
    Kosmonaut, Space Tour Agency Russia, NASA, Klaus Ohlmann, Russland
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