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    Wie Russland die weltbesten „Hacker“ trainiert

    © Foto : Aleksandr Lomakin
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    Wer sich als Software-Virtuose präsentieren möchte, nimmt am ACM ICPC teil. Schon seit 1997 sponsert IBM den renommierten Programmierer-Contest. Für den Branchenriesen ist das Event eine Fachkräftebörse vom Feinsten. In Russland bereiten sich die Teilnehmer unter lebensechten Bedingungen auf das Kräftemessen vor.

    Seit 1993 nimmt Russland am ACM ICPC teil. Im Jahr 2000 holten russische IT-Studenten erstmals den Weltmeistertitel im Programmieren. In den darauffolgenden 17 Jahren haben Russen immer wieder die ersten Plätze belegt und zählten bei jedem Contest zu den Favoriten. Ihre stärksten Widersacher sind bis heute die Chinesen.

    Auf das Finale des ACM ICPC aber bereiten sich die Konkurrenten gemeinsam vor – und zwar in Russland, beim Moskauer Institut für Physik und Technik MIPT. „Wir verstehen natürlich, dass China ein sehr starker Gegner für uns ist. Es gibt auch die Befürchtung, dass wir sie ausbilden, selbst aber beim Contest verlieren“, sagt Alexej Maleew. Er leitet das IT-Bildungszentrum am MIPT. „In Wirklichkeit aber verhält es sich umgekehrt: Je mehr wir mit den Kollegen aus China trainieren, desto mehr haben wir selbst davon, desto größer ist unser Gewinn.“

    Probelauf fürs Finale

    Das MIPT veranstalte nämlich ein Trainingscamp, bei dem das Finale des echten Programmierer-Contests nachgeahmt werde, sagt Maleew. „Die fachlichen Voraussetzungen in IT und Mathe bringen die künftigen Contest-Teilnehmer ohnehin mit. Sie müssen aber auch physisch und psychisch darauf vorbereitet werden, was auf sie im Finale zukommt“, erklärt der Direktor. Wer den Programmierer-Wettbewerb gewinnen möchte, müsse besonders das Teamwork trainieren. „Im Grunde sind unsere Vorbereitungen so etwas wie ein Probelauf für das Finale.“

    Das Trainingscamp des MIPT ist für alle Teilnehmer offen, die ihre Kräfte „unter Kampfbedingungen“ messen wollen. Das hohe fachliche Level der internationalen Wettbewerber helfe auch den russischen Studenten ihre Kompetenzen besser einzuschätzen und wenn nötig zu justieren, so Maleew.

    Dass die Russen sich nicht zu verstecken brauchen, beweist das hohe Interesse am Trainingscamp auch im Ausland: Dieses Jahr nehmen 170 Studierende von 44 Hochschulen aus 19 Ländern an den Vorbereitungen teil. „Das gute fachliche Image der russischen Hacker zieht viele talentierte Software-Spezialisten aus dem Ausland an“, scherzt Maleew.

    Das ganze Training ist dabei völlig kostenlos: „Die Teilnehmer müssen nur die Anreise und eine Organisationspauschale übernehmen, rund 450 Euro. Die Unterkunft, die Verpflegung und die ganzen Kurse zahlen unsere Sponsoren“, so der Direktor des IT-Bildungszentrums. Neben IBM sind das Marktgrößen wie Kaspersky Lab, Huawei, Snapchat und Facebook. In diesem Jahr wird für das ACM-ICPC-Finale in der US-Kleinstadt Rapid City in South Dakota trainiert.

    Russische Hacker habe er zwar nirgends gesehen, sagt Oliver aus Australien. Doch komme das Können anderer Teilnehmer dem, was ihn im Finale erwarte, schon sehr nahe. Dass das hohe Niveau russischer Kandidaten nichts mit russischen Hackern zu tun hat, versichert auch Alexei Maleew: „Unser Camp hat keinen speziellen Schwerpunkt auf Cyber-Sicherheit. Und aus irgendeinem Grund werden unsere Absolventen auch keine Hacker. Vielleicht müssen wir daran noch arbeiten“, schmunzelt er.

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    Tags:
    Wettbewerb, Programmierer, Ausbildung, Moskau, Russland