07:07 22 Juli 2018
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    Milzbrand-Bakterien

    Mythos über „unsterbliche“ Milzbranderreger deutscher Spione entkräftet

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    Lebende Bakterien aus Ampullen mit „unsterblichen Milzbranderregern“, die deutsche Spione 1917 in Norwegen zur Vergiftung von Hirschen verwendet hatten, haben sich als eine bewusste oder unwillkürliche Fälschung erwiesen. Das geht aus einer im Magazin „Bio“ veröffentlichten Studie hervor.

    US-Genetiker widerlegen in der Studie die These, dass in Flüssigkeit befindliche Milzbrand-Sporen 80 Jahre überleben können.

    „…Die Ampullen enthielten DNS von Milzbranderregern, jedoch keine lebenden Mikroben“, sagt Paul Keim von der Universität Arizona in Flagstaff (USA).

    Die Geschichte mit den „unsterblichen“ Milzbrandbakterien geht ins Jahr 1917 zurück, als der schwedische Sportler und deutsche Spion Otto von Rosen im norwegischen Karasjok mit einem ungewöhnlichen Gepäck – Flaschen mit Curare-Gift und Zuckerstücken mit Milzbrandsporen (Bacillus anthracis) — gefasst wurde. Von Rosen sollte die Mikroben an einheimische Hirsche verfüttern, die Waffen und Munition für die an der Grenze zu Schweden stationierten Entente-Truppen beförderten.

    Der Zucker und die Ampullen mit den Milzbrandbazillen wurden im Polizeimuseum in Oslo bis 1997 aufbewahrt und dann an das britische Verteidigungsministerium zur Untersuchung geschickt. Ein Jahr später veröffentlichte das Magazin „Nature“ einen sensationellen Artikel, dessen Autoren behaupteten, die Milzbrandsporen, die sich mehr als 80 Jahre lang in Reagenzgläsern befunden hätten, seien lebendig.

    US-Wissenschaftler und ihre deutschen Kollegen haben anhand einer Erbgutanalyse festgestellt, dass die Originalbakterien aus Deutschland und die angeblich unsterblichen Bakterien aus dem britischen Labor zu verschiedenen Stämmen gehörten.

    Wie Keim vermutet, könnten die britischen Forscher die Milzbranderreger, die bei Experimenten mit anderen Stämmen zufällig auf Laborausrüstungen gelangten, für die „lebenden“ Bazillen aus dem Jahr 1917 gehalten haben.

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