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    Recht der Arktis – neuer russisch-deutscher Studiengang rüstet für eisige Karriere

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    An den Universitäten Tjumen, Osnabrück und Münster startet ein neuer gemeinsamer Studiengang zur nachhaltigen Entwicklung der arktischen Regionen. Unterrichtssprache der deutschen und russischen Wissenschaftler wird Englisch sein. Das neue Programm ist nun der Assoziation der arktischen Universitäten präsentiert worden.

    Der neue Lehrgang nennt sich „Rechtliche Regulierung der nachhaltigen Entwicklung der arktischen Regionen“ und wird an der Juristischen Fakultät der Tjumener Staatlichen Universität im Institut für Staatliche Städtische Verwaltung angegliedert sein und lädt vor allem Studierende auch der zwei deutschen Hochschulen ein, mit denen die Partnerschaft besteht.

    Der Lehrgang vermittelt keine eigene Qualifikation, sondern bietet künftigen Managern, Mitarbeitern im öffentlichen Dienst und Staatsbeamten die Möglichkeit, ein Semester lang zusätzliche Kompetenzen für eine mögliche Tätigkeit in der russischen Arktiszone zu erwerben. Studenten des zweiten und dritten Studienjahres können sich für den Lehrgang anmelden, besondere Teilnahmebedingungen werden nicht gestellt.
    Im Mittelpunkt des Lehrplans stehen Rechtsvorschriften für Aktivitäten in der Arktis, Trends und Besonderheiten der Bodengesetzgebung sowie Umweltschutzvorschriften. Die juristischen Aspekte seien heute insbesondere im Kontext der industriellen Erschließung der Arktis relevant, betonte die Autorin des entsprechenden Lehrbuches für den Studiengang, Elena Gladun, von der Staatlichen Universität Tjumen im Gespräch mit Sputnik.

    Ein Eisbrecher in Arktis (Archivbild)
    © Sputnik / Fred Greenberg
    Ein Eisbrecher in Arktis (Archivbidl)

    „In der Arktis werden heute viele industrielle Projekte verwirklicht. Sie beeinflussen die Umwelt, die traditionelle Tätigkeit der indigenen Völker, die Stadtentwicklung und Bodennutzung. Es ist wichtig, die heutigen Studenten und künftigen Entscheidungsträger in der Politik und Industrie darauf aufmerksam zu machen“, so Gladun.

    Elena Gladun (zweite von links)
    Elena Gladun (zweite von links)

    Die Zusammenarbeit der westsibirischen Universität mit den Universitäten Osnabrück und Münster erfolgt bereits seit 2012. Sie besteht demnach bereits seit fünf Jahren. Vor dem Arktis- gab es bereits ein Westsibirien-Projekt.

    Norbert Hölzel, Ehrendoktor der Universität Tjumen
    Norbert Hölzel, Ehrendoktor der Universität Tjumen

    Prof. Dr. Norbert Hölzel, Landschaftsökologe von der Uni Münster, leitet die Arbeitsgruppe Biodiversität und Ökosystemforschung. Die westsibirische Hochschule Tjumen ehrte den Professor für seine langjährige und aktive Mitwirkung in der deutsch-russischen Forschungskooperation mit einer Ehrendoktorwürde.

    Make-Up in Arktis
    © Sputnik / D. Chistjakow
    Make-Up in Arktis

    Die zukünftigen Fachkräfte sollen nun die nördlichen Probleme kennenlernen und sich dann vielleicht auch in diesem Bereich spezialisieren. Die Arktis sei eine Region, die sehr starken Veränderungen unterliege, so der Professor.

    „Es ist der Klimawandel, der in der Arktis besonders stark sichtbar wird. Wir haben dort das Auftauen der Permafrostböden. Der Boden ist so tief aufgetaut, dass die Sporen freigelegt wurden, sie wurden von den Renntieren aufgenommen, die daran gestorben sind. Das Auftauen hat auch einen Effekt für die Infrastruktur, die Bauwerke werden instabil. Es kommt auch zu einer Freisetzung von Methan. Wir haben auch ein Phänomen, was wir untersuchen wollen. In der Tundra treten vermehrt Feuer auf, das gab es früher fast nie. Gleichzeitig ist die Region wirtschaftlich sehr von Bedeutung – es gibt eine starke Entwicklung der Industrie, die dort vor allem Erdgas produziert“, so Hölzel.

    Der neue Kurs sei sehr vielversprechend für junge Leute, weil es im Norden sehr viele Beschäftigungsmöglichkeiten gebe, wie Norbert Hölzel für Sputnik sagte: „Nicht nur für russische Studenten, sondern auch für deutsche, die zum Teil auch über diese Region sehr wenig wissen. Wir haben vor zwei Jahren eine Exkursion gemacht, sie ging nicht so weit in den Norden. Wir fuhren damals von Tjumen bis  Chanty-Mansijsk. Die russischen und deutschen Studenten sprachen Englisch, das hat sehr gut funktioniert, es gab eine sehr gute Kommunikation. Wir haben jetzt einen russischen Studenten aus dieser Gruppe als Gast in unserem Institut in Münster. Er hat ein Stipendium des russischen Präsidenten gewonnen. Er arbeitet zusammen mit den deutschen Kollegen. Aus solchen Begegnungen ergeben sich viele Kontakte, ich glaube, es ist sehr motivierend für deutsche und russische  Studenten, miteinander zusammenzuarbeiten.“

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    Tags:
    Studienfach, Universität, Recht, Münster, Osnabrück, Deutschland, Russland