18:23 21 Oktober 2018
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    U.S. Marine Corps Pfc. Tony J. Desselle leads Marines to a collection area as a MV-22 Osprey takes flight after transporting Marines during a raid course on Camp Lejeune, N.C., Aug. 19, 2009.

    US-Projekt „Supersoldaten“ kann Persönlichkeiten deformieren – Experte

    © Foto : US Marine Corps / Cpl. Alex C. Guerra
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    Das US-Kommando will mit Hilfe von speziellen Lebensmittelzusatzstoffen und Medikamenten einen Supersoldaten schaffen. Was das für Folgen für einen Militär selbst haben mag, erklärt Dr. Michael Robillard von der Oxford-Universität im Gespräch mit Sputnik.

    Das Kommando für Spezialoperationen der Vereinigten Staaten (US Special Operations Command, USSOCOM oder SOCOM) hofft, die Schmerzgrenze eines „verbesserten“ Soldaten abzusenken, die Wiederherstellung des Organismus unter schwierigen Bedingungen zu beschleunigen und damit die Verletzbarkeit der Streitkräfte zu senken.

    Laut Robillard, der am Zentrum für praktische Ethik die kollektive Verantwortung und den globalen Terrorismus erforscht, ist die Absicht von USSOCOM mit einer Reihe ethischer Fragen verbunden.

    Ihm zufolge existieren bereits deutliche Unterschiede zwischen der Zivilgesellschaft und dem Militär. Ob sich die durch mechanische oder andere Weise vervollkommneten Soldaten wieder in ihre Familien und Gesellschaft integrieren können? Die so genannte Verbesserung eines Militärs könnte sich auf seine Anatomie oder Persönlichkeit auswirken.

    Der Wissenschaftler betont, dass die Idee, die Leistungsstärke der Armee zu verbessern, gar nicht neu sei. Friedrich der Große hatte zum Beispiel bei der Eroberung von Dörfern als erstes eine Brauerei eingenommen, damit seine Soldaten dort einen über den Durst trinken konnten. Dies gab ihnen angeblich mehr Mut für einen nächsten Kampf. Während des Vietnamkrieges der USA hatte man den Piloten Amphetamine gegeben, damit sie rund um die Uhr Luftangriffe fliegen konnten, hieß es.

    Die Tatsache jedoch, dass zu diesem Zweck nun neurochemische Substanzen und der Anschluss des menschlichen Gehirns an künstliche Intelligenz – also die Verbindung eines Menschen mit einem Roboter – angewendet werden könnten, überträgt dieses Problem auf eine ganz andere Ebene, so Robillard. Solche Verbesserung könnte die Persönlichkeit deformieren.

    Demnach müsse man bei der Stärkung der Fähigkeiten eines Menschen durchaus vorsichtig sein, wenn dies zur Gewaltanwendung unternommen werde. Aus der Sicht der Ethik sollte die Schaffung eines Supersoldaten von einer entsprechenden moralischen Erziehung begleitet werden, sagte Robillard.

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    Tags:
    Roboter, Amphetamine, Supersoldat, Militär, Soldaten, US-Streitkräfte, Vietnamkrieg, Friedrich der Große, USA