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13:41 20 Oktober 2019
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    Chinesischer Weltraumschiff Shezhou X vor dem Start (Archivbild)

    Russlands glücklicher „Seitensprung“ nach China – im Weltraum

    © AFP 2019 / STR
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    Die Chinesen schlagen Russland vor, bei ihrer geplanten Raumstation mitzumachen. Zwar interessiert sich Russland mehr für die ISS, doch das chinesische Angebot wäre auch nützlich. Einen Kommentar zum Thema liefert die russische Zeitung „Iswestija“.

    „Wozu brauchen wir den chinesischen Kosmos?“ – so lautet die Überschrift des am Mittwoch veröffentlichten Kommentars. Dessen Autor Iwan Tscheberko bezieht sich auf die jüngste Mitteilung des Chefs der russischen Raumfahrt-Holding Roskosmos, Igor Komarow, wonach Russland eingeladen worden sei, bei der Errichtung der geplanten chinesischen Raumstation mitzuwirken. Laut Komarow hat Russland noch keine Entscheidung dazu gefällt.

    Nun heißt es im Kommentar: „Die Internationale Raumstation ISS ist für Roskosmos zweifelsohne interessanter als eine gemeinsame Raumstation mit China. Für die ISS bezahlt vor allem Amerika – insgesamt kostet ihr Betrieb sechs Milliarden Dollar jährlich, wobei die USA die meisten Kosten übernehmen.“

    Darüber hinaus verdiene Russland nach wie vor Geld mit Transportmissionen zur ISS: „Die Amerikaner und die Europäer gelangen mit unseren Sojus-Raumschiffen in den Orbit. Ein Ticket kostet sie 80 Millionen US-Dollar.“

    Das russische Segment der Internationalen Raumstation sei noch nicht fertiggebaut, drei weitere Module seien geplant: „Deshalb ist Roskosmos zweifelsohne daran interessiert, den ISS-Betrieb möglichst zu verlängern. Derzeit wird die Möglichkeit diskutiert, eine Verlängerung bis 2028 mit den Partnern zu vereinbaren.“

    Es stehe aber nicht fest, ob die USA dazu bereit wären: „Wenn es mit ihrem Mars-Projekt klappt, werden sie die ISS eigentlich nicht mehr brauchen. Ob und wann sich das Mars-Projekt umsetzen lässt, hängt vom SpaceX-Chef Elon Musk ab. Dieser hat ja große Pläne für die Einrichtung einer Kolonie auf dem Mars: Falls sie reale Inhalte und Fristen bekommen, werden die Tage der ISS gezählt sein.“

    „Was wird dann das russische Programm der bemannten Raumfahrt darstellen? Die offiziellen Pläne beinhalten einen Flug auf den Mond, um eine bemannte Basis dort einzurichten. Dieses Projekt existiert vorerst allerdings nur auf Papier, es gibt eigentlich keine Finanzierung. Der Bau einer eigenen Raumstation wäre ein Schritt in die Vergangenheit im Vergleich zur ISS und dazu noch ziemlich aufwendig“, so der Kommentar weiter.

    Vor diesem Hintergrund sehe eine Beteiligung am chinesischen Projekt wie eine glückliche Lösung aus – oder zumindest wie eine gute Möglichkeit, Kompetenzen in Sachen Bau im Orbit nicht zu verlieren, hieß es.

    „Zweifelsohne wollen die Chinesen unsere Technologien übernehmen – sie laden uns ja nicht einfach so ein. Sie werden das auch erreichen. Trotzdem könnte dieses Projekt mit China für die russische Raumfahrt-Industrie ziemlich nützlich sein“, schreibt Tscheberko.

    Aus seiner Sicht könnten die russischen Produktionsbetriebe dadurch nicht nur neue Aufträge bekommen, sondern auch neue Impulse, um nicht zurückzubleiben.

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    Tags:
    Kolonisierung, Zusammenarbeit, Weltraum, Internationale Raumstation ISS, SpaceX, Roskosmos, Elon Musk, Mars, USA, Russland, China