14:19 22 April 2018
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    Neisseria gonorrhoeae (syn. Gonokokken) - Bakterium, Auslöser der Gonorrhoe (syn. Tripper) und anderer Erkrankungen.

    „Beste Zeit für Tripper-Infektion? Die 80er! Die schlimmste? Jetzt.“ - Forscher

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    Die Geschlechtskrankheit Gonorrhoe (Tripper) wird allmählich unheilbar, wie einst in den 1920er Jahren, als es keine Medikamente zur Behandlung gab. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldeten nun bei einer Studie über 60 Prozent der teilnehmenden Länder eine Zunahme von Fällen, bei denen selbst stärkste Antibiotika nicht wirkten.

    Seit Beginn der 1930er Jahre werden zur Abtötung der Bakterien, die Gonorrhoe (Neisseria gonorrhoeae) verursachen, mehrere Typen von Antibiotika genutzt. Eine häufige Anwendung und sogar der Missbrauch dieser Medikamente führten zum Wachstum von resistenten Bakterienstämmen.

    „Die beste Zeit für die Erkrankung von Gonorrhoe waren die 1980er Jahre, weil es damals viele Arzneimittel gab, mit denen diese Krankheit geheilt werden konnte“, sagte Ramanan Laxminarayan, Direktor des amerikanisch-indischen Center for Disease Dynamics, Economics & Policy (CDDEP) im Interview mit nature.com.

    In den vergangenen Jahren registrierten Gesundheitsorganisationen in den USA, Europa und Kanada einen gefährlichen Anstieg der Bedrohung durch Gonorrhoe, die durch Stämme, die gegen diese Medikamente resistent sind, ausgelöst wurde.

    Wissenschaftler bei der Arbeit (Symbolbild)
    © Sputnik / Aleksander Kryazhew
    Ohne eine entsprechende Behandlung kann Gonorrhoe bei Frauen das Risiko einer HIV-Infektion erhöhen oder zu einer ektopen Schwangerschaft und gar Unfruchtbarkeit führen.

    Im Mai 2016 begann die WHO mit der Initiative „Medikamente gegen vergessene Erkrankungen“ (Drugs for Neglected Diseases initiative, DNDi), einer Genfer NGO, zu kooperieren, um sich mit dem Problem der Resistenz gegen antimikrobielle Mittel zu befassen. Die Bekämpfung von Gonorrhoe soll dabei ganz oben auf der Agenda stehen.

    Laut einer in der Fachzeitschrift „PLOS Medicine“ veröffentlichten Studie ist zurzeit eine stabile Resistenz gegen drei verbreitete Antibiotika-Typen zu erkennen, die bei der Behandlung von Gonorrhoe verschrieben werden.

    Rund 97 Prozent der Länder, die an der WHO-Umfrage teilnahmen, meldeten festgestellte Fälle der Resistenz gegen das Antibiotika Ciprofloxacin, eines der billigsten und meistgenutzten Medikamente in diesem Bereich. In 81 Prozent der Länder wurde Resistenzen gegen Azithromycin, in 66 Prozent gegen Cephalosporins festgestellt.

    Dr. Gwenda Hughes, Ärztin und Leiterin der Abteilung für Venerologie bei der Englischen Gesundheitsorganisation PHE, ist der Meinung, dass der Anstieg der Gonorrhoe-Erkrankungen mit der Resistenz gegen die gebräuchlichen Antibiotika zusammenhängt.

    „Die Zahl der Gonorrhoe-Erkrankungen in England ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Wir reagieren auf die Entstehung der Stämme, die gegen Antibiotika resistent sind“, sagte Dr. Hughes der Agentur Sputnik.

    „Wir haben eine verstärkte Beobachtung der festgestellten Fälle, Geschlechtspartner der Patienten und ihrer Behandlung eingeleitet. Wir verfolgen aktiv die Verbreitung der Resistenz gegen Antibiotika und eine mögliche unwirksame Behandlung von Gonorrhoe beim Vorhandensein resistenter Stämme“, so Hughes.

    Diese Meinung teilt auch Dr. Magnus Unemo, Leiter des WHO Collaborating Centre for Gonorrhoea. „Dieses Bakterium zeigt die ungewöhnliche Fähigkeit, gegen alle Anti-Mikrobenstämme Resistenzen zu entwickeln. Wir haben dies seit Beginn der Antibiotika-Ära gesehen“, sagte Unemo. „Das Problem besteht jetzt darin, dass wir die Resistenz gegen die letzten Varianten der Behandlung bemerken, also zu Antibiotika Cephalosporins. Deswegen arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere gemeinsamen Handlungen zu erweitern, globale Beobachtungen der Erkrankungen durchzuführen und uns auf Lösungen zu konzentrieren“.

    Wie kann man diese Erkrankung kontrollieren? Laut WHO-Experten muss man neue, effektivere Mittel zur Behandlung und Vorbeugung von Gonorrhoe entwickeln, damit sich die Erkrankung nicht verbreitet.

    „Um Gonorrhoe zu bekämpfen sind neue Mittel zur effektiveren Vorbeugung, Behandlung und Frühdiagnose und eine vollständigere Verfolgung und Fixierung neuer Infektionen, Nutzung von Antibiotika, ihre Resistenz und Ineffizienz nötig“, sagte Dr. Marc Sprenger, Direktor der WHO-Abteilung zur Bekämpfung der Resistenz gegen antimikrobielle Mittel.

    „Wir brauchen unter anderem neue Antibiotika sowie neue, schnelle und präzise Tests für die Diagnose vor Ort. Idealerweise sollten solche Tests uns darauf hinweisen, welche Antibiotika bei der Behandlung des jeweiligen Typs der Infektion wirksam sind. Langfristig brauchen wir eine Impfung zur Vorbeugung von Gonorrhoe“.

    Nach Angaben der Englischen Gesundheitsorganisation muss die Bevölkerung über die Gefahren dieser Erkrankung umfassend aufgeklärt werden, um Gonorrhoe besser vorzubeugen. Laut der Organisation sollen Menschen von der Notwendigkeit überzeugt werden, beim Geschlechtsverkehr Kondome zu verwenden, weil das Risiko der Ansteckung dadurch deutlich sinkt.

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    Tags:
    HIV, Krankheit, Gesundheit, Weltgesundheitsorganisation (WHO), Großbritannien, Indien, USA
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