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    Eingefrorene Statue

    53 Tote warten in Russland tiefgekühlt in „Thermoskanne“ auf neues Leben

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    Mehr als 50 Menschen und einige Haustiere warten in Russland tiefgefroren auf die Auferstehung in der fernen Zukunft. Das Portal „Nowye Iswestija“ hat mit den Betreibern der größten Kryobank Europas im russischen Sergijew Possad gesprochen.

    „Ich bin zu 50 Prozent davon überzeugt: Die Kryokonservierung hat eine große Zukunft“, sagt Danila Medwedew, einer der Gründer des russischen Unternehmens.

    „Das Wichtigste ist, das technologische Verfahren beim Eintauchen der Körper in den Flüssigstickstoff strikt einzuhalten“, sagt der Firmengründer. „Dann erhöht sich die Garantie, dass der Gestorbene zum Leben wiedererweckt werden kann, auf 90 Prozent – bei entsprechender Weiterentwicklung der Nanotechnologien.“

    Was die Kryokonservierung ist, erklärt der Biophysiker Igor Artjuchow vom russischen Institut für Gerontologie so: „Das ist eine Technik zum Einfrieren gerade erst verstorbener Menschen in flüssigem Stickstoff, um deren Körper oder Organe zu erhalten. Ein kompliziertes Verfahren. Denn die Körper können nicht einfach tiefgefroren werden – man muss verhindern, dass sich Eiskristalle in deren Zellen bilden. Dafür werden spezielle Gefrierschutzmittel in die Körper injiziert.“

    Vor zehn Jahren warteten nur drei Menschen in ihren russischen Tiefkühlsärgen auf die Auferstehung in einer dann hoffentlich besseren Welt. Heute sind es schon 53 – unter ihnen auch „Gäste“ aus dem Ausland: US-Amerikaner, Israelis, Australier, Niederländer, Franzosen. Der Service, den sie in Anspruch genommen haben, wird offiziell als Bestattung geführt. Die russische Kryobank ist also eine Art Bestattungsinstitut.

    Die „Särge“ – das sind riesige Thermoskannen aus Verbundstoffen, acht Mal fester als Stahl. Darin werden die Körper aufbewahrt – kopfüber. In dieser Stellung können sie ganze Jahrhunderte in den Tiefkühlkammern verbringen, Hauptsache der Kühlstoff wird immer nachgefüllt: Bis zu 1000 Liter Flüssigstickstoff verbraucht so eine Kammer in zwei Wochen. Zwei solche Anlagen hatte die Firma bis vor kurzem, eine dritte ist kürzlich hinzugekommen. Das Unternehmen wächst.

    VIDEO: Russen tiefgefroren: Kryo-Lager bei Moskau öffnet seine Türen

    Bis zu 135.000 Euro kostet das Einfrieren in der Kryobank. Der Preis richtet sich hauptsächlich nach der Größe des Körpers und den Transportkosten des Verstorbenen. Eine Hauskatze einzufrieren, kostet etwa 9.000 Euro. Dafür bekommt man ein Servicepaket: Einfrierung, Aufbewahrung auf unbestimmte Zeit und… Wiederbelebung!

    „Heute, im 21. Jahrhundert, können Sie ihr geliebtes Haustier mit Hilfe der Wissenschaft konservieren und auf eine mögliche Auferstehung warten. Dies gibt Ihnen die Hoffnung auf ein Wiedersehen in der – vielleicht auch fernen – Zukunft“, heißt es dazu auf der Website der russischen Kryobank.

    Wie soll das bloß funktionieren, fragt man sich. „Falls nur der Kopf und das Hirn des Patienten eingefroren wurden, kann ein neuer Körper für ihn geschaffen werden – durch Klonen zum Beispiel aus Stammzellen und DNS“, sagt der Biophysiker Artjuchow. „Falls notwendig, könnten die Zellen auch durch Nanoroboter wiederhergestellt werden.“

    Die Wissenschaftler sind sich sicher: Bald werden all diese Probleme gelöst sein. Hauptsache, das Hirn wird eingefroren!

    „Aber man braucht noch etwas Zeit. Als Beispiel: Heute können Kinder durch In-vitro-Fertilisation geboren werden. Dabei war diese Methode vor noch gar nicht so langer Zeit umstritten und gar verpönt“, sagt der Firmengründer Medwedew. „Mein Kollege Michail Batin hat ein Verfahren entwickelt, mit dem kürzlich eine neue Luftröhre aus gefrorenen Zellen im Reagenzglas erzeugt werden konnte. Diese ist dann einem Unfallopfer implantiert worden – die Frau war kurz davor, für ihr ganzes Leben behindert zu bleiben.“

    Derweil friert die russische Kryobank weiter fleißig ein. Zwei Kryokonservierungen wurden in diesem Jahr schon vorgenommen. Unter den beiden Patienten ist auch ein Franzose aus Marseille. Der schwerkranke Mann hatte einen starken Glauben an die Wissenschaft, die Kryokonservierung war sein (vorerst) letzter Wunsch.

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    Tags:
    Kryonik, Tote, Wiederbelebung, Russland