22:29 15 Dezember 2017
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    Aliens (Symbolbild)

    Zwei Arme, zwei Beine, ein Kopf? – Experte: So könnten Aliens aussehen

    CC BY 2.0 / MIKI Yoshihito / The Science of Aliens
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    Gibt es außerirdisches Leben im All, und wenn ja, wie könnte es aussehen? Der Astrobiologe und Obmann des Österreichischen Weltraum Forums, Dr. Gernot Grömer, erklärt im Sputnik-Interview, warum Außerirdische doch den Menschen ähneln könnten.

    In dem Bereich, wo Grömer selbst im Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF) tätig ist, ist außerirdisches Leben ein fast tagtägliches Thema. Dort versteht man unter Außerirdischen aber in erster Linie primitive Lebensformen, erklärt der Astrobiologe. Da gehe es zum Beispiel darum, ob sich auf dem Mars irgendeine Art von Bakterien entwickelt hat. Intelligente außerirdische Zivilisationen seien eher ein Randthema in der Astrobiologie.

    Trotzdem geht der Leiter des ÖWF Spacesuit Laboratory Innsbruck davon aus, dass es weiteres Leben im Weltraum gibt. Er sagt im Sputnik-Interview: „Ich denke, man sollte da am besten Carl Sagan aus seinem berühmten Roman ‚Contact‘ paraphrasieren. Er sagt da: 'Wenn wir die einzigen wären, wär es eine ziemliche Platzverschwendung.' Wir sehen im Augenblick, dass die meisten aller Sterne außerhalb des eigenen Sonnensystems tatsächlich auch ein Planetensystem haben dürften. Ob davon wirklich etwas eine zweite Genesis gesehen hat, das können wir natürlich nur schwer beurteilen. Ganz egal, wie hart man die Kriterien für Leben im Kosmos ansetzt, bei der so großen Anzahl von Sternen und damit der so großen Anzahl von Planetensystemen im Kosmos wäre es doch sehr überraschend, wenn nur hier auf der Erde der Funken des Lebens gezündet hätte.“

    Das Bild von extraterrestrischem Leben – das, was wir in der Science Fiction sehen — sei natürlich ein sehr anthropozentrisches, also sehr menschenorientiertes Bild, betont Grömer. Meistens habe man dort annähernd zwei Hände, zwei Augen, zwei Füße und einen Kopf. Auf der anderen Seite wiederum gehe man auch davon aus, dass die Physik und die Chemie in allen Regionen des Kosmos gleich funktionieren. Für ihn wäre es also eine sehr naheliegende Annahme zu sagen:

    „Ja, man könnte mit kohlestoffbasierenden Lebensformen arbeiten und nicht gleich mit siliziumbasierenden. Wir sehen ja auch in der Natur, dass unabhängig davon, welchen Weg die Evolutionsstämme im Laufe der Geschichte genommen haben, ähnliche Problemstellungen zu ähnlichen Lösungen geführt haben.“

    Fische und Säugetiere, die schwimmen, hätten beide Organe, was wir als Flossen bezeichnen könnten. Das gleiche gilt auch für Flugorgane. Der Astrobiologe Grömer denkt also, falls man eines Tages auch auf komplexere Lebensformen stoßen würde, dass diese – angepasst natürlich an die jeweiligen Umweltbedingungen – durchaus ähnliche Lösungen für ähnliche Probleme gefunden haben. Das sich zum Beispiel etwas wie ein Auge in einer Welt entwickelt habe, die von Licht durchflutet ist. Wenn man aber hingegen Leben findet, dass nur in Höhlen vorkommt, oder in ganz tiefen Wasserschichten, wo es kein Tageslicht mehr gibt, dann wäre es natürlich sinnvoll zu erwarten, dass die keine Augen brauchen, also wird es dieses Organ einfach nicht geben.

    Die Astrobiologin Susan Schneider ist überzeugt, dass die meisten extraterrestrischen Lebewesen nicht mehr biologischer Natur sind, sondern ihre Existenz längst auf eine uns weit überlegene künstliche Intelligenz upgedatet haben. Diese Vermutung stellt Sie in Ihrem Paper Alien Minds auf. Mit dieser Annahme ist sie nicht allein. Auch Seth Shostak, Leiter des SETI-Programms (Search for Extraterrestrial Intelligence) der NASA sagte dem Motherboard Online-Magazin:

    „Ich habe schon dutzende Astronomen-Kaffees verwettet, dass, wenn wir ein außerirdisches Signal empfangen, es von artifiziellen Lebensformen stammen wird."

    Gernot Grömer ist allerdings der Auffassung, man sollte erst einmal mit den niedrig hängenden Äpfeln anfangen. Das heißt für ihn: An jenen Orten jene Lebensspuren suchen, die am ehesten erfolgversprechend sind. Auf der Erde sei die dominante Lebensform – zahlen- und mengenmäßig – nicht die Menschen, sondern Bakterien. Der ÖWF-Vorsitzende erläutert:

    „Bakterien sind länger da und werden auch länger da sein als Menschen. In Bezug auf Erfolg können wir sozusagen noch einiges von den Bakterien lernen. Zu sagen, es hätte sich etwas höher Entwickeltes gebildet, was komplexe Lebensformen betrifft, die dann Technologien entwickelt haben, die dann zum Teil die Biologie abgelöst haben, da hat man dann schon sehr viele Voraussetzungen drinnen, wo ich sage, hier wird die Statistik dann schon ein bisschen schwächer. Dass ich von einem Bakterium auf eine Kultur komme und von einer Kultur auf eine Superintelligenz, da sind schon sehr viele Größen dazwischen, die die Wahrscheinlichkeiten reduzieren.“

    Für ihn ist die Theorie von Schneider und Shostak ein Sonderfall eines Sonderfalls. Die Spuren, nach denen das ÖWF mit der jetzigen Technik und der jetzigen Wissenschaft sucht, sind sehr pragmatisch und sehr straight forward: Zum Beispiel Spuren von Bakterien, atmosphärische Veränderungen, vielleicht eines Tages auch Superstrukturen – also ganz große Bauwerke, die von Außerirdischen gebaut worden sind. Das wären für Grömer durchaus Sachen, wo man weiter spekulieren dürfe.

    Wenn man mit seinem eigenen Heimcomputer nach außerirdischem intelligenten Leben suchen möchte, kann man sich mit dem Volunteer-Computing-Projekt SETI@home der Universität Berkeley behelfen. Auch wenn die Chance, so auf extraterrestrisches Leben zu stoßen, sehr gering sei, findet der ÖWF-Obmann, dass sich der Aufwand lohnt:

    „Die Alternative zu SETI@home, nämlich nicht zu suchen und dann ein außerirdisches Signal zu übersehen, obwohl wir die Rechenkapazität dazu hätten, dass wäre ein Frevel gegenüber zukünftigen Generationen. Meine persönliche Meinung ist, man soll es auf jeden Fall versuchen, und ich denke, es laufen so viele sinnlose Sachen auf unseren Computern; da ein paar Minuten an Rechenleistung der Wissenschaft zu opfern, das zahlt sich schon aus, das kann man schon machen: Go for it!“

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    Tags:
    Natur, Aliens, Weltraum, ÖWF, NASA, Österreich