20:27 05 Dezember 2019
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    Auf den ersten Blick ist dieser Stern ein ganz normaler Himmelskörper. Allein das Spektrum des LP 40-365 ist den Sternforschern aufgefallen: Seine Spektrallinien sind deutlich anders als alles bislang Bekannte in unserer Galaxie. Zwei Jahre lang haben die Forscher das Phänomen beobachtet. Jetzt zeigen sie ihre Erkenntnisse im Fachblatt „Science“.

    Seine Temperatur ist vergleichsweise gering, neutraler Wasserstoff und Helium fehlen auf seiner Oberfläche völlig. Diese und einige andere Eigenschaften zeigen: Der LP 40-365 ist kein normaler Stern, sondern ein Weißer Zwerg mit außergewöhnlichen Merkmalen. Tschechische Astronomen hatten den Himmelskörper im Sternbild des Kleinen Bären entdeckt und zwei Jahre lang observiert.

    „Wir haben einen Weißen Zwerg entdeckt, der die Explosion einer Supernova überstanden hatte. Nur wissen wir nicht, wie die Supernovae neuen Typs entstehen und was bei der Explosion in ihrem Inneren passiert“, schreiben Stephane Vennes und seine Kollegen vom Astronomischen Institut der tschechischen Akademie der Wissenschaften.

    Supernovae des Typs Ia entstehen aus Weißen Zwergen: alten, ausgebrannten Sternen geringer Masse ohne eigene Energiequellen. Sie flammen in Doppelsternsystemen auf, die entweder aus zwei Weißen Zwergen bestehen oder einem Weißen Zwerg und einem Roten Riesen. Im ersten Fall entsteht die Supernova durch die Verschmelzung der Zwerge, im zweiten Fall durch Übertragung von Materie vom Roten Riesen auf den Weißen Zwerg.

    Bei der Explosion der Supernova verschwindet mindestens einer der Sterne und hinterlässt eine leuchtende Wolke aus überhitztem Plasma und Schwerelementen, die noch mehrere tausend Jahre leuchtet, bis sie vollends erkaltet und erlischt. Wegen dieser relativ kurzen Lebensdauer sind Überreste von Supernovae eine extreme Seltenheit und für die Wissenschaftler deshalb so wertvoll – wie jetzt der LP 40-365.

    Dieser Himmelskörper bewegt sich mit dem ungeheuren Tempo von 500 Kilometern pro Sekunde durch den Weltraum. Diese Geschwindigkeit dürfte eigentlich ausreichen, damit der Stern die Gravitation unserer Galaxie überwinden und die Grenzen der Milchstraße verlassen kann.

    Was aber hat den LP 40-365 mit einer derartigen Wucht katapultiert, dass er ein solches Tempo erreicht hat?

    Vennes und seine Kollegen nehmen an, dass der Stern vor ungefähr 50 Millionen Jahren Teil eines Doppelsternsystems gewesen war – am anderen Ende der Milchstraße, mehrere tausend Lichtjahre von seiner heutigen Position entfernt. Damals war der Weiße Zwerg noch eineinhalb Mal so groß wie heute, sog er doch die Materie seines Begleiters auf und lagerte diese auf der eigenen Oberfläche ab.

    Als die Masse des LP 40-365 einen kritischen Grenzwert erreichte, explodierten seine oberen Schichten und schleuderten seinen heißen Kern aus Neon, Sauerstoff und anderen Schwerelementen in den Weltraum. Das hat den Weißen Zwerg auf seine derzeitige Geschwindigkeit beschleunigt.

    Was mit dem zweiten Stern des Doppelsternsystems passiert ist, wissen Vennes und seine Kollegen derzeit noch nicht. Nur steht jetzt fest: Die Geburt einer Supernova muss nicht zwangsläufig einen Weißen Zwerg umbringen – anders als bislang angenommen.

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    Tags:
    Entdeckung, Zwerg, Forscher, Tschechien