16:26 08 Dezember 2019
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    Nasa zurückgezogen, Russland eingestiegen – ÖWF-Vorstand zu bemannter Mars-Expedition

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    Ursprünglich war laut ÖWF-Vorstand Gernot Grömer geplant, dass die European Space Agency gemeinsam mit der Nasa die Mission ExoMars fliegt, aber 2012 hat die Nasa sich daraus zurückgezogen, und Russland hat gesagt, da können wir substantiell Hardware und Infrastruktur anbieten.

    Russland spiele dabei eine ganz wesentliche Rolle, betonte der Obmann des Österreichischen Weltraum Forums in einem Interview mit Sputnik.

    „ExoMars wird mit einer russischen Rakete fliegen und mit dem russischen Landemodul mit knapp 900 Kilogramm Landemasse auf der Oberfläche des Mars aufsetzen. Dies ist bis jetzt einmal auf dem Mars gelungen, und die Russische Akademie der Wissenschaften stellt auch zwei der neun Experimente an Bord des ExoMars-Rovers.“

    Das sei zum einen ein sogenanntes Neutronen-Spektrometer, so Grömer, ein Gerät, das zum Beispiel auch Wassereisressourcen an der Oberfläche suchen könne, respektive ein zweites Spektrometer, was die mineralogische Zusammensetzung untersuche. „Diese beiden Experimente, Hand in Hand mit den europäischen Experimenten, sind eine ganz exquisite Zusammenstellung, die wir brauchen, um zum Beispiel die Bohrungen auf dem Mars vorzubereiten.“

    Denn ExoMars werde eine Gerätschaft mit an Bord haben, um zwei Meter unter der Oberfläche Steinproben zu entnehmen, so der Wissenschaftler weiter. „Das hat noch niemand gemacht, und das ist ein absolutes Novum, auf das wir alle schon sehr gespannt sind!“

    Was kann man unter der Mars-Oberfläche finden?

    Dass es Wasser auf dem Mars gebe, so der Experte, „das wissen wir schon seit vielen Jahrzehnten, zum Beispiel an den Polkappen. Das, was uns aber besonders interessiert, sind Wassereisressourcen, die oberflächennahe in Richtung Äquatorgegenden sind, weil sie auch landetechnisch etwas einfacher zu erreichen sind als die Polarregionen.

    Und überall dort, wo Wasser ist, so wissen wir das von der Erde, ist auch Leben. Es ist nur logisch, auf dem Mars, zumindest am Beginn, mal nach Lebensspuren zu suchen, die Wasser benötigen. Unser Mantra heißt:,Folge dem Wasser‘.“
    In circa zwanzig Jahren kommt erste bemannte Marsexpedition

    Man gehe innerhalb der Branche davon aus, kündigte Grömer an. „Das heißt, dass derjenige Mensch, der den ersten Fuß auf den Planeten Mars setzen wird, schon jetzt geboren ist und vielleicht gerade eine Volksschule in Wien, Beijing oder in Moskau besucht, und noch gar nichts von seiner oder ihrer Karriere weiß.“

    Mit oder ohne Rückkehr zur Erde?

    Die Antwort des ÖWF-Obmanns: „Wir gehen nicht davon aus, dass die erste Mars-Mission eine One-Way-Mission (Einwegmission) sein wird, sondern wir möchten natürlich die ersten Pioniere zurückholen. Allerdings langfristig gesehen. Hier reden wir über Zeiträume von Jahrzehnten.“ Grömer könne sich durchaus vorstellen, „dass Menschen eines Tages auch permanent, wie früher die Besiedlung von neuen Lebensräumen auf der Erde, genauso auch auf dem Mars eines Tages einen Fußabdruck setzen werden.“

    Nach „Schiaparelli“-Unglück weiter forschen

    Der ÖWF-Vorstand geht davon aus, dass der ExoMars-Rover im Jahr 2020 starten wird.

    „,Schiaparelli‘ war ein Versagen, das muss man ganz klar sagen. Da hat es ein technisches Problem gegeben. Inzwischen verstehen wir sehr gut — und das ist die gute Nachricht dabei —, das war ein Software-Problem. Genau dieser Grund für den Absturz wird bei einer zweiten Mission zum Mars nicht mehr passieren, weil wir eben wissen, was genau schiefgegangen ist.“

    Man dürfe nicht vergessen, Raumfahrt werde immer an der Grenze des technisch Machbaren gemacht. „Solche Missionen haben immer ein gewisses Risiko. Und es ist ein integraler Bestandteil der Raumfahrt. Wir müssen daher immer gut überlegen, welche Art von Risiken wir für unbemannte oder eines Tages auch für bemannte Missionen machen möchten.“ Er sei optimistisch, dass die ExoMars-Mission 2020–2021 erfolgreich auf dem Roten Planeten landen werde.

    Wozu Laute von Marsoberfläche mit Mikrofon aufnehmen?

    ÖWF-Obmann findet diese Idee russischer Wissenschaftler sehr  interessant. „Mikrofone sind schon öfters in der Raumfahrt eingesetzt worden, beim Wiedereintritt in den Saturn und Titan zum Beispiel.“

    Da gehe es weniger darum, „dass man sagt, man möchte hören, wie es sich für den Menschen anhören würde, auf der Marsoberfläche zu stehen, sondern man kann aus diesen Mikrofondaten viel ableiten. Zum Beispiel das Wellenverhalten, wo unter Umständen klassische Anemometer genutzt werden können, das sind Geräte, die Windbrisen messen können.“

    Sie seien allerdings nicht ganz so perfekt wie Mikrofone, urteilt der Experte. „Gerade zu kurzfristigen Änderungen in Windrichtungen und Böen, kann man das mit Mikrofonen gut abfangen. Man wird ein bisschen was hören, nicht sehr viel, weil die Marsatmosphäre eine sehr dünne ist. Wir haben so typischerweise etwa ein Prozent des irdischen Luftdrucks, aber das genügt, dass wir schon auch Schallwellen dort messen können.“

    Während der Europäischen Mars Konferenz in Innsbruck haben hundert Experten aus der ganzen Welt ihre aktuellen Forschungsergebnisse mit Ausblick auf zukünftige Marsmissionen vorgestellt. „Gerade aus dem Bereich der Astrobiologie sehen wir jetzt diesen Konvergenzprozess zwischen der Biologie unter Extrembedingungen, wie wir es zum Beispiel in der Atacama-Wüste sehen, und Bedingungen auf dem Mars, die auch für Atacama-Wüste ähnlich sind. Allesamt galt diese Konferenz als Vorbereitung für die größte Reise unserer Generation, den ersten bemannten Flug zum Roten Planeten.“

    Nikolai Jolkin

    Das komplette Interview mit Gernot Grömer zum Nachhören:


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    Tags:
    Expedition, Mars, Russische Akademie der Wissenschaften, European Space Agency, NASA, ÖWF, USA, Russland