SNA Radio
    Ein Mann (Symbolbild)

    Die Wechseljahre beim Mann – und was Mann dagegen tun kann

    CC BY 2.0 / Boris Thaser / Munich, Germany. 2017.
    Wissen
    Zum Kurzlink
    122124

    10 bis 20 Prozent der deutschen Männer im Alter über 35 Jahre sind von einem Phänomen betroffen, das mit den sogenannten Wechseljahren der Frau vergleichbar ist. Es schreitet aber langsam fort, sagen Wissenschaftler. Sport, mentale Übungen und die passende Ernährung können dagegen helfen, ist sich Experte Professor Frank Sommer sicher.

    Die Frauen kommen in die sogenannten Wechseljahre, aber auch bei Männern gibt es mit dem Alter ähnliche Symptome. Darauf macht unter anderem der Hamburger Mediziner Frank Sommer, Präsident der deutschen Gesellschaft für Männer und Gesundheit, aufmerksam.

    Von seinen Patienten im Alter zwischen 35 und 86 Jahren seien ungefähr 64 Prozent von einem Phänomen betroffen, das sich mit den weiblichen Wechseljahren vergleichen lässt, berichtete der Arzt im Sputnik-Interview.

    Während bei der Frau in der Menopause die Produktion des Geschlechtshormons Östrogen schlagartig nachlasse, nehme beim Mann das Geschlechtshormon Testosteron kontinuierlich ab dem 35. Lebensjahr ab. Erreicht es einen Grenzwert, stellen sich laut Sommer ähnliche körperliche, geistige und sexuelle Symptome auch beim Mann ein.

    Die „Männer-Pause“

    Zu den körperlichen Symptomen gehören laut dem Mediziner plötzliches starkes Schwitzen und erhöhte Schlafbedürftigkeit. Er zählt zu den mentalen Symptomen Ängstlichkeit, Reizbarkeit und depressive Verstimmung. Zu den sexuellen Symptomen werden nach seinen Angaben das Wegfallen der morgendlichen Erektionen, ein Nachlassen der Lust an der Sexualität und eine generelle Abnahme von Erektionen gerechnet.

    Die hohe Zahl von 64 Prozent aus seiner Praxis käme zwar dadurch zustande, dass diese nur Männer aufsuchten, die ohnehin schon an irgendwelchen Symptomen litten. Doch es gebe auch allgemeine Zahlen, so Sommer: „Die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit hat bei über 20.000 Männern Untersuchungen durchgeführt, um festzustellen, wie die Symptome sind.“ Dabei seien auch die Testosteronwerte gemessen worden. Das Ergebnis: Je nach Altersstruktur seien zwischen 10 und 20 Prozent der Männer von den „Wechseljahren“ betroffen.

    Den Begriff „Andropause“, den mancher Kollege auf dieses Phänomen anwendet, sieht der Experte allerdings skeptisch. Eben weil sich beim Mann im Gegensatz zur Frau „ein schleichender Prozess“ vollziehe, der außerdem nicht zwingend erfolgen müsse und gegen den ein Mann sich aktiv wehren könne.

    Das hilft: Körper und Geist fit halten

    Als vorbeugende Mittel gegen die „männlichen Wechseljahre“ nennt der Mediziner körperliche Aktivität, mentale Stärke und Ernährung. Sport hebe den Testosteron-Spiegel im Körper. Außerdem führt laut Sommer auch ein vergrößerter Bauchumfang zum Rückgang des Hormons. Da wäre Sport ohnehin angeraten. Nahrungsmittel wie Haferflocken sollen außerdem die Konzentration von freiem, biologisch aktivem Testosteron erhöhen.

    Das Zusammenspiel von geistiger und körperlicher Haltung soll in Beziehung zum Geschlechtshormon stehen, habe eine andere Studie gezeigt. In dieser sollten laut dem Mediziner eine Gruppe von Männern zehn Minuten lang in der „Trauerhaltung“, mit heruntergezogenen Schultern und nach vorne gebeugt, sitzen. Eine andere Gruppe habe die Arme hinter dem Kopf verschränkt, Ellenbogen nach außen gespreizt, den Brustkorb erhoben und beide Beine fest in den Boden gestemmt. Danach sei beiden Gruppen Blut abgenommen und weiterhin untersucht worden, wie gut sie sich in Gesprächen verhielten.

    Die aufrecht und selbstbewusst sitzenden Probanden seien durch „extrem gute Reaktionen im Gespräch“ aufgefallen und hätten einen erhöhten Testosteronspiegel aufgewiesen. Bei den Probanden mit der „Trauerhaltung“ wurde dagegen ein hoher Cortisol-Pegel gemessen und die Reaktionen im Gespräch fielen schlechter aus. Cortisol ist ein Hormon, das in Stresssituation ausgeschüttet wird. Das Ergebnis bedeutet laut Sommer, dass es für den Mann auch biologisch sinnvoll ist, „Haltung“ zu wahren.

    Schreiten die Befindlichkeitsstörungen fort und werde nichts gegen sie unternommen, könnten „organische Probleme“ auftreten, warnte der Mediziner. Dazu zählte er die Knochenerkrankung Osteoporose, aber auch die Zuckerkrankheit Diabetes. Wichtig sei es in jedem Fall, eine Diagnose durchzuführen, um die Ursache für die Symptome zu ergründen und die Behandlung darauf auszurichten.

    Valentin Raskatov

    Das komplette Interview mit Prof. Dr. Frank Sommer zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Medizin-Nobelpreis 2017: Wie unsere „innere Uhr“ tickt – und wozu sie gut ist
    Medizin-Nobelpreis geht an US-Forscher Hall, Rosbash und Young
    Medizinische Behandlung deutscher Rentner in Russland: Versicherer ersuchen Moskau
    Russische Hilfe für Aleppo: 46.000 Einwohner medizinisch versorgt
    Tags:
    Gesellschaft, Forschung, Gesundheit, Deutschland