13:55 28 Januar 2020
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    Will Russland eine Mond-Mission stemmen, muss es seine Kompetenzen bei den Weltraumtechnologien bündeln. Der Raketenbauer Energia gründet deshalb ein Engineering-Zentrum, das zum Dreh- und Angelpunkt des russischen Mond-Programms werden soll, wie die Zeitung „Iswestija“ berichtet.

    Die Gründung dieses Zentrums „ist ein logischer Schritt“, zumal Russland und die USA kürzlich eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Raumstation Deep Space Gateway vereinbart haben, heißt es bei Roskosmos, dem staatlichen Mutterkonzern von Energia, so die Zeitung.

    Solch ein „Nervenzentrum“ des Mond-Programms zu gründen, sei definitiv richtig, findet auch der Physiker Alexander Schelesnjakow, Mitglied der Russischen Akademie für Raumfahrt. „Wollen wir, wenn auch in zehn Jahren, zum Mond fliegen, müssen wir die Arbeit unserer gesamten Weltraum-Industrie von einem Zentrum aus koordinieren“, sagte er. Dort sollen Spezialisten und Berater gewissermaßen an einem Tisch zusammenkommen.

    Das Engineering-Zentrum soll die jahrelangen Erfahrungen russischer Firmen in der Mondforschung zusammenführen. Das Kernziel besteht laut dem Blatt darin, künftige Missionen zur Erforschung des Mondes und des mondnahen Weltraums auf die Beine zu stellen – und natürlich soll das russische Know-how auch in das Gemeinschaftsprojekt Deep Space Gateway einfließen.

    Der Raumfahrtexperte Iwan Moisejew, Chefanalyst am Institut für Weltraumpolitik, ist indes skeptisch: Gewiss, aus strategischer Sicht sei die Gründung dieses Zentrums nachvollziehbar, sagt er, doch komme dieser Schritt zu früh. „Die sechs Mond-Missionen der US-Amerikaner haben umgerechnet 150 Milliarden US-Dollar gekostet.

    Unser Mondprogramm wird mit zwei Milliarden Dollar pro Jahr finanziert. Selbst wenn wir alles hinschmeißen und uns nur mit dem Mond befassen würden, wären dafür 75 Jahre nötig“, gibt er zu bedenken. „Theoretische Mondforschung ist nützlich, aber die Umsetzung dieses Wissens in ‚Hardware‘ scheint mir verfrüht. Wenn die Zeit für einen echten Flug reif ist, ändert sich ohnehin alles: Die Wirtschaft, die Technologie, möglicherweise auch die Ziele“, sagt der Analyst.

    Mond
    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Das russische Mond-Programm sieht den Start dreier Mondsonden bis 2025 vor. Eine bemannte Mond-Mission ist für diesen Zeitraum nicht geplant, nach 2025 jedoch möglich. Auch die Gründung des besagten Forschungs- und Entwicklungszentrums ist im staatlichen Mondprogramm Zeitungsinformationen zufolge nicht vorgesehen – das Engineering —Zentrum soll denn auch komplett vom Raketenbauer Energia finanziert werden. Indes entwickelt dieser Konzern das Raumschiff „Federazia“, das für Mondflüge bestimmt ist. Weitere russische Raumfahrt-Spezialisten erforschen den Erdtrabanten mit unbemannten Raumsonden.

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    Tags:
    Finanzierung, Programm, Raumfahrt, Mond, Weltraum, Russland