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    Ein Alien (Symbolbild)

    Verschwörungstheorien: Warum sie unentbehrlich sind - Psychologen klären auf

    © Fotolia / Sarah Holmlund
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    Wer an Verschwörungstheorien glaubt ist psychisch gesund. Er sieht die Welt nur anders und erkennt Zusammenhänge dort, wo es keine gibt. So erklären Forscher aus Großbritannien und den Niederlanden das Phänomen. Die Onlinezeitung gazeta.ru berichtet.

    Kopf oder Zahl? Wie oft eine Münze mit dieser oder jener Seite hinfällt, ist kein Zufall – daran glauben Verschwörungstheoretiker. Auch sehen sie auf abstrakten Bildern kein Wirrwarr geometrischer Figuren, sondern einen geheimen Code.

    Selten sind irrtümliche Rückschlüsse bei den Menschen nicht: Da träumt einer von einem Verwandten und erhält sogleich die Nachricht von dessen Tod – schon neigt er dazu, sich für einen Hellseher zu halten.

    Welche kognitiven Prozesse hinter solchen Denkmustern stecken – das wollte ein Forscherteam von der Freien Universität Amsterdam und der University of Kent in Großbritannien herausfinden. Dafür haben die Wissenschaftler eine Versuchsreihe unternommen und die Ergebnisse im Fachblatt „European Journal of Social Psychology“ veröffentlicht.

    „Menschen neigen oft zu irrationalen Überzeugungen, die wir in unserer Studie als unwissenschaftliche, unbegründete und unlogische Weltansichten bezeichnen“, schreiben die Forscher in dem Fachblatt, das die Onlinezeitung zitiert. „Zwar existieren zahlreiche irrationale Ansichten, doch überwiegt in der Bevölkerung der Glaube an Verschwörungstheorien und übernatürliche Kräfte“, betonen die Autoren der Studie.

    In ihrem ersten Experiment haben die Forscher 264 Teilnehmer gebeten, bestimmte Aussagen zu bewerten. Die Fragen lauteten beispielsweise: „Würden Sie dem zustimmen oder nicht, dass die US-Regierung einen Großteil von Informationen vor der Gesellschaft versteckt hält?“

    Danach mussten die Probanden angeben, inwiefern sie bestimmten Verschwörungstheorien vertrauen – sei es die „Mondverschwörung“ oder der Glaube, Red Bull enthalte verbotene Suchtstoffe, was den Behörden durchaus bekannt sei, nur würden sie vom Getränkehersteller fürs Schweigen bezahlt.

    Auch wurden den Versuchsteilnehmern Aussagen angeboten wie: „Horoskope werden zu oft wahr, um falsch zu sein“ oder „Die Zahlen 7 und 13 haben keine besonderen Kräfte“.

    Weiter ging es mit einer anderen Probanden-Gruppe. Sie sollten angeben, ob es eine Gesetzmäßigkeit gibt, mit welcher Häufigkeit eine Münze mit Kopf oder Zahl hinfällt. Gefordert war keine Wahrscheinlichkeitsrechnung – die Versuchsteilnehmer sollten ihre Intuition sprechen lassen.

    Dann wurden die Testpersonen auf ihre visuelle Wahrnehmung geprüft. Insgesamt 214 Teilnehmer wurden gefragt, ob sie auf den Bildern von Victor Vasarely oder Jackson Pollock bestimmte Strukturen erkennen – und ob diese Bilder ihnen bekannt vorkommen.

    Ein interessanter Punkt: Wer im Durcheinander in Pollocks Bildern eine Struktur erkannte, neigt auch zum Verschwörungsglauben – viel weniger als die Probanden, die in Vasarelys Arbeiten geometrische Figuren sahen.

    Insgesamt hat die Versuchsreihe gezeigt: Die Fähigkeit, sich die Welt durch Gesetzmäßigkeiten, Zusammenhänge und Rückschlüsse zu erschließen, übersteigt bei Verschwörungsgläubigen das Mindestmaß.

    So ist denn auch „das Erkennen nicht gegebener Zusammenhänge das zentrale Element des Verschwörungsglaubens“, schreiben die Forscher laut der Zeitung.  Dies sei das Ergebnis von Verzerrungen in den Denkprozessen. „Menschen müssen ja Zusammenhänge erkennen, um mit der Welt auf angemessene Weise zu interagieren, doch manchmal führt dies zu einem Erkennen von Ursachen und Wirkungen, wo es diese nicht gibt“, resümieren die Wissenschaftler.

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    Tags:
    Bilder, Wissenschaftler, Verschwörungstheorie, Niederlande, Großbritannien