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11:00 20 Oktober 2019
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    Büromitarbeiter in London schläft während Arbeitspause

    Ohne Müdigkeit schläfrig? Das muss nicht sein

    CC BY 2.0 / Bill Smith / Lunch with Pigeons
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    Langweilige Vorlesungen oder Meetings, aber auch der Büroalltag können Schläfrigkeit bewirken. Das hat aber nichts mit dem normalen Schlaf zu tun, wie eine neue Studie zeigt. Und: Es gibt ein einfaches Mittel dagegen. Ein Experte klärt auf.

    Mann, ist die Stimme langweilig. Und warum müssen die Wände so schrecklich grau sein. Da ist schon wieder dieses Flackern. Wo war ich gerade nochmal? So ziemlich jeder kennt diese monotonen Situationen: Eben noch wach und plötzlich überkommt einen das Bedürfnis, zu schlafen.

    Diese Schläfrigkeit hat aber nichts mit dem normalen Schlaf-Wach-Rhythmus zu tun. Das haben Wissenschaftler aus Japan und China in einer Studie gezeigt. Die Ausgangsthese der Forscher lautete: Schlafen und Wachen werden nicht nur von bestimmten Stoffen beeinflusst, die gegen Abend hin zunehmen, sondern auch von kognitiven und emotionalen Faktoren.

    Eine Sache der Hormone

    Sie untersuchten das Phänomens des Schlafs in monotonen Situationen und nahmen dabei den dafür verantwortlichen sogenannten Botenstoff, ein Hormon, in den Blick. Denn dieser Stoff blockiert die Ausschüttung anregender Hormone wie Dopamin und dockt oft am sogenannten Belohnungszentrum an. Durch die Zugabe bestimmter Substanzen konnten die Forscher im Experiment wache Mäuse einschlafen lassen. Umgekehrt konnten sie durch spannende Reize wie Schokolade oder Weibchen die Mäuse wacher werden lassen.

    Der Clou an dem Ganzen: Es handelte sich bei dem dafür verantwortlichen Bereich des Mäusehirns um das Belohnungszentrum, das nicht den normalen Schlaf regelt. Doch wenn das Belohnungszentrum durch Adenosin besetzt wurde und also nicht stimuliert wurde, begann es eine andere aktive Region im Vorderhin zu drosseln, die mit Schlafen und Wachen zu tun hat – drum schliefen die Mäuse dann wirklich ein.

    Es kann Jeden und Jede treffen

    Der Schlaf-Forscher Ingo Fietze vom Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrum der Charité Berlin zu diesen Forschungsergebnissen: Die japanischen Forscher seien „tief ins Gehirn eingedrungen“ und würden mit einigen verbreiteten Ansichten aufräumen. Die Studie zeigt aus seiner Sicht:

    „In Abhängigkeit davon, wo ein Schlafstoff oder ein Wachstoff im Gehirn wirkt, macht ein Schlafstoff nicht nur müde, sondern kann an einer anderen Stelle des Gehirns wach machen.“

    Die neuen Untersuchungen machen deutlich, meint Fietze, dass Menschen auch ohne Schlafdefizit in einer monotonen Situation einschlafen können. 

    Allerdings gilt für den Forscher, dass in monotonen Situationen nur der wirklich einschliefe, der ein generelles Schlafdefizit habe. Bei Menschen, die eine optimale Menge Schlaf genossen haben, stellt sich nach Fietzes Einschätzung der Schlaf nicht ein. Sie erleben dagegen dann einen Zustand tiefer Entspannung, wie er etwa von Yoga-Übungen und Meditationen her bekannt ist.

    Aber was bringt das alles einem Menschen in einem langweiligen Meeting oder in der monotonen Vorlesung? Als Mittel, um solche Schläfrigkeit zu entschärfen oder – bestenfalls – um zu entspannen, empfiehlt der Schlafforscher, das Gesicht mit Lichtquellen mit hohem Blaulichtanteil wie etwa von Laptops oder Tabletts zu nutzen. Bewegung täte auch gut, ist in solchen Situationen aber nicht möglich. Ansonsten vermutet Fietze, dass es in fünf bis zehn Jahren Geräte geben werde, die man sich am Ohr fixieren könnte. Die in ihnen verbaute Elektrode würde dann direkt das Wachsystem stimulieren. Und weg wäre die Müdigkeit. Einziges Manko: Der Vortrag oder der Alltag im Büro werden davon vermutlich nicht spannender werden.

    Valentin Raskatov

    Das Interview mit Prof. Ingo Fietze zum Nachhören:

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    Tags:
    Studie, Störung, Schlaf, China, Japan