22:24 28 Oktober 2020
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    In Moskau beginnt das internationale Forschungsprogramm SIRIUS. Bei mehreren simulierten Raumflügen sollen die Probanden viel Zeit in Isolation verbringen. Sie erwartet dabei eine Reihe stressiger Tests, wie der zuständige russische Forscher Oleg Orlow in einem Interview mit der „Rossijskaja Gaseta“ verspricht.

    Orlow ist Direktor des Instituts für Medizin- und Biologie-Probleme bei der Russischen Akademie der Wissenschaften, dem die Versuchsanlage gehört. Wie der Forscher mitteilte, beinhaltet das fünfjährige internationale Programm eine Serie von Experimenten. Das längste davon soll ein ganzes Jahr dauern. Neben Fachleuten aus Russland und den USA wollen auch deutsche, japanische und italienische Forscher mitmachen.

    Das erste Experiment, das bereits im November beginnen soll, ist voraussichtlich 17 Tage lang und macht laut Orlow ein reales Szenario für einen Flug zum Mond und zurück aus: „Die wissenschaftliche Aufgabe besteht darin, das Verhalten der Besatzung in Notsituationen und die Reaktion des Organismus auf Stressfaktoren zu erforschen.“

    „Unbedingt wird es eine Schlafdeprivation geben: Wir werden 48 Stunden lang den ‚Raumfahrern‘ den Schlaf entziehen, um zu erforschen, wie sie dabei ihre Arbeit leisten können. Möglicherweise werden wir auch die Kommunikation mit ihnen für eine Zeitlang abbrechen“, kündigte der Forscher an.

    „Die geschlechtliche Zusammensetzung der Crew ist übrigens auch eine ‚Provokation‘: drei Männer und drei Frauen“, so Orlow. Neben fünf Crewmitgliedern aus Russland soll dabei der Deutsche Viktor Fetter von Airbus Defence and Space mit dabei sein.

    Orlow sagte weiter, es gehe insbesondere darum, Kennzeichen von Stress rechtzeitig zu erkennen: „Für Psychologen wären das beispielsweise Abweichungen bei der verbalen Interaktion der Crewmitglieder, für Physiologen gewisse unauffällige Sachen auf Ebene der Proteomanalyse – wie beispielsweise eine Änderung der Urin-Zusammensetzung in Sachen Proteine. Dies könnte, wie es sich herausstellt, beginnende metabolische Veränderungen markieren, die viel später zum Vorschein kommen. Oder etwa die Erforschung der Ausatemluft: Veränderungen, die sich im Organismus vollziehen, hinterlassen da eine Spur.“  

    Eine der wichtigsten Fragen bei interplanetaren Flügen bestehe darin, wie groß das Volumen des jeweiligen Raumschiffs sein soll: „Es gibt bestimmte Ideen, man muss aber viel verstehen. Welche Besatzung, welche Steuerungs- und Lebenserhaltungssysteme sind optimal?“

    „Und warum darf unsere Forschungs- und Versuchsanlage nicht als Modell für eine Mond-Siedlung betrachtet werden – im Sinne von Technologien ‚für übermorgen‘? Die Forscher sehen, wie immer, einen Schritt voraus“, betonte Orlow.

    Igor Komarow, Chef der russischen Raumfahrt-Holding Roskosmos, hatte zuvor mitgeteilt, Russland habe sich mit den USA darauf verständigt, ab 2024 eine Raumstation am Mond zustande zu bringen.

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    Tags:
    Raumfahrt, Weltraum, Forschung, Flug, Simulation, Experiment, Mond, Russland