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    „Ozean gleicht einer Müllhalde“ – Russische Forscherin erhält deutschen Umwelt-Preis

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    Die aus Russland stammende Umweltwissenschaftlerin Olga Mironenko hat am Freitag in Berlin die Auszeichnung „Green Talents 2017“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erhalten. Sie hat diese für ihr Start-Up „Holy Jelly“ bekommen, mit dessen Hilfe sie den Plastikmüll in den Ozeanen beseitigen will.

    ​Die Auszeichnung „Green Talents 2017“ wurde an 25 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben, die zu nachhaltiger Entwicklung forschen. Dadurch bekam auch Preisträgerin Mironenko exklusiven Zugang zur Forschungslandschaft in Deutschland:

    „Ich traf mich mit führenden deutschen Experten aus diesem Bereich, um ihre Forschung persönlich zu diskutieren und Grundlagen für zukünftige Kooperationen legen zu können.“

    Meeresverschmutzung durch Plastik sei ein globales Phänomen und habe viele Ursachen, erklärte die Wissenschaftlerin im Sputnik-Interview: „Viele Menschen machen sich da überhaupt keine Gedanken und haben die Einstellung eines Konsumenten zu der Natur“. Auch in europäischen Ländern seien oft Leute anzutreffen, die einfach mal eine Plastikflasche auf die Straße werfen. Doch in vielen asiatischen Ländern fehle eine Auseinandersetzung mit der Müllentsorgung vollkommen, bemängelte Mironenko:

    „Dort fehlt sowohl die Infrastruktur zur Müllentsorgung als auch die Kultur. Indonesien, die Philippinen sowie Indien sind dabei statistisch gesehen die größten Umweltsünder.“ Doch die junge Forscherin findet, dass die Menschen für diese Probleme sensibilisiert werden können, wenn man dieses Problem an die Menschen richtig heranträgt.

    Im April besuchte Mironenko den „Great Pacific Garbage Patch“ (deutsch: Großer Pazifikmüllfleck), eine „schwimmende Plastikinsel“ im Pazifik, wo sich Kunststoffteile und die entsprechenden Zersetzungsprodukte sammeln. Durch die fünf großen Meeresströmungen der Erde werden sie dorthin getragen. Dieser Müllwirbel im Pazifik erreiche eine Größe von Mitteleuropa und wachse weiter, berichtete die Forscherin. Von diesen Inseln gebe es insgesamt weitere fünf auf der ganzen Welt, erklärte sie:

    „Um das Ausmaß der Umweltzerstörung zu begreifen, muss man das gesehen haben. Wir waren sieben Tage mit einem Schiff von den Hawaii-Inseln unterwegs. Sie befinden sich auf dem Wasser im Nirgendwo und sehen nur überall Körbe, Eimer, Matratzen, Puppen, Shampoo-Flaschen vorbeischwimmen. Wir lieben alle den Ozean. Zu sehen, dass so ein unerforschtes System sich in eine Müllhalde verwandelt hat, macht mich sehr traurig.“

    Peking (Archivbild)
    © Sputnik / Aleksej Babuschkin
    Plastik und vor allem Mikroplastik habe die Eigenschaft alle chemischen Substanzen wie Schwermetalle und Pestizide wie ein Schwamm aufzusaugen. Dieses vergiftete Mikroplastik werde dann vom Plankton, von Fischen und anderen Lebewesen aufgenommen, erläuterte die junge Forscherin. „Im Endeffekt bekommt der Mensch am Ende der Nahrungskette diesen konzentrierten Giftcocktail“, betonte die Gründerin des Start-Ups.

    Lösungen für das Problem mit Mikroplastik hat bisher keiner parat. Das Projekt „Holy Jelly“ soll noch vor der Zersetzung der Kunststoffe greifen. Der Plastikmüll soll an der Küste und den Stränden aufgesammelt, recycelt und in Büromöbel sowie Baustoffe umgewandelt werden. Davon soll auch die Bevölkerung profitieren, so Mironenko.

    Das Start-Up fand einen großen Anklang und wurde unlängst in den Jugendbericht des Netzwerks „Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung“  der Vereinten Nationen (UNSDSN) als eines von 50 bahnbrechenden Projekten und Ideen für nachhaltige Entwicklung aufgenommen.

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    Tags:
    Entwicklung, Müll, Umwelt, Deutschland, Russland