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    Russland: Experiment für neuen Mondflug startet – Deutscher mit dabei

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    Das Institut für medizinisch-biologische Problembehandlung (IMBP) der Russischen Akademie der Wissenschaften hat das erste Isolationsexperiment des Raumfahrtprojektes SIRIUS gestartet. Dieses soll die Bedingungen eines Fluges zum Mond unter besonderer Berücksichtigung des menschlichen Zusammenlebens imitieren.

    Sechs Besatzungsmitglieder eines „Raumschiffes“, das den Flug zum Mond imitieren soll, werden während der 17 Tage des Isolationsexperimentes in einer von der Außenwelt isolierten Kapsel leben.

    Unter den Besatzungsmitgliedern sind die Russen Mark Serov, Ilja Rukavischnikov, Anna Kikina, Elena Lutschizkaja und Natalia Lysova sowie der Deutsche Viktor Fetter.

    Foto der Besatzungsmitglieder im SIRIUS-Projekt. Unten rechts der Deutsche Viktor Fetter:

    Die Zusammensetzung der Mannschaft ist absichtlich so gewählt, dass drei Männer und drei Frauen sowie Vertreter verschiedener Nationalitäten ihr Zusammenleben in einer isolierten Kapsel proben können. Es soll dabei imitiert werden, wie sich das Verhalten der Kosmo- und Astronauten während des Fluges verändert, wenn der Kontakt zur Erde nahezu abbricht.

    Die Wissenschaftler der IMBP wollen herausfinden, wie sich unter solchen Bedingung das Kooperationsvermögen der Besatzungsmitglieder entwickeln wird: Etwa ob die Gruppe eigenständig einen Aktionsplan ausarbeiten und ihn anschließend an sich wandelnde Rahmenbedingungen weiter anpassen kann.

    Ebenfalls soll die innere Dynamik der Gruppe bei fehlendem Kontakt zum Flugkommando auf der Erde analysiert werden, wie etwa die Verteilung der Rollen in der Gruppe, die Übernahme der Verantwortung durch einen „Anführer“, das Agieren mit der eingeschränkten Privatsphäre sowie das Verhalten des Immunsystems der Besatzungsmitglieder.

    Auch soll ihre Bewegungs- und Lautaktivität gesondert gemessen werden.

    „Zur Kompensierung des Phänomens der 'Abkoppelung von der Erde' werden neuartige, zukunftsweisende Systeme der psychologischen Unterstützung eingesetzt werden (darunter die Nutzung von Orangerien und virtuellen Systemen). Ebenfalls werden die optimalen Raumzonen für zukünftige Stationen ermittelt werden“, heißt es in einer Beschreibung des Experimentes.

    Hierbei wird der guten Balance zwischen dem technisch Machbaren und den Bedürfnissen eines Menschen an Privatraum besondere Beachtung geschenkt, um die zukünftigen Raumstationen und Raumschiffe sowohl aus technischer Sicht realisierbar zu machen als auch die „psychoemotionale Anspannung innerhalb der Besatzungsmannschaft“ zu minimieren.

    Zuvor hatte bereits der Direktor der IMBP, Oleg Orlov, erklärt, dass schon im Rahmen des Projektes SIRIUS einige Elemente des Fluges zur zukünftigen Mond-Orbit-Station „Deep Space Gateway“ geprobt werden sollen.

    Bemannt zum Mond: Russlands neuer Raumfrachter
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    Bemannt zum Mond: Russlands neuer Raumfrachter

    Hierfür könnte das SIRIUS-Projekt auch ausgeweitet werden. Ursprünglich waren außer dem 17-tägigen Experiment für 2017 auch ein dreiwöchiges und ein viermonatiges Isolationsexperiment im Jahr 2018, ein achtmonatiges für 2019 und eine „Jahresisolation“ in den Jahren 2020–2021 geplant.

    Das Projekt SIRIUS ist eines der vielen vorbereitenden Maßnahmen, die Russland gestartet hatte, um in der näheren Zukunft Flüge in den Mond-Orbit und Mondlandungen durchführen zu können. Bei den Flügen zur Mondumlaufbahn könnte die zwischen Moskau und Washington ausgehandelte Raumstation „Deep Space Gateway“ zum dauerhaften Ziel werden.

    Das Abkommen für den Bau der Raumstation „Deep Space Gateway“ in der Mond-Umlaufbahn wurde am 25. September während des Internationalen Raumfahrt-Kongresses in Adelaide unterzeichnet. Der Generaldirektor der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, Igor Komarow, erklärte damals, dass die ersten Module der neuen Station voraussichtlich in den Jahren 2024 bis 2026 ins All transportiert würden.

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    Tags:
    Deep Space Gateway, Mondlandung, NASA, Roskosmos, Igor Komarow, Mond