07:28 11 Dezember 2019
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    Versuchsratten (Symbolbild)

    „Richtiger Durchbruch“: Schlafende Ratten sollen zu Russlands Sicherheit beitragen

    © CC BY-SA 2.0 / Alice Rosen / Ratty hug :)
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    Russische Forscher haben ein neues Verfahren entwickelt, um Sprengstoff aufzuspüren. Zum Einsatz kommt ein biosensorisches System: Ein Gerät liest Daten direkt aus dem Gehirn einer Ratte mit ihrem scharfen Spürsinn ab. Die Methode soll effizienter sein als die Suche mit Hunden.

    „Wer hätte gedacht, dass Ratten in der Lage sind, zur Verteidigungsfähigkeit des Landes beizutragen?“, fragt der TV-Sender Swesda in einer Reportage. Auf seiner Webseite berichtet er über ein Projekt des russischen Fonds für perspektivische Forschungen – Nagetiere werden dabei zu „einzigartigen Sensoren“, um Sprengstoff zu entdecken. 

    Das Rattenweibchen namens Marusja ist dem Bericht zufolge seit mehr als einem Jahr in einem Labor des Fonds „tätig“. Während der Experimente schläft sie, denn ausgerechnet in diesem Zustand ist sie nach Ansicht der Forscher besonders effizient.

    Militärdrohne der russischen Armee (Archivbild)
    © Sputnik / Witaliy Ankow
    Projektleiter Fjodor Arsenjew erläuterte: „Somit wird die Ratte von keinen äußeren Reizfaktoren abgelenkt. Dabei funktioniert der Geruchssinn zu 100 Prozent, während das Gehirn die Informationen analysiert. Wir haben es geschafft, die Ergebnisse dieser Analyse abzulesen und  zu entschlüsseln. Dies verwandelt die Ratte in einen Geruchssensor, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat.“

    Alexander Panfilow, Vizechef des Fonds, lobte ebenfalls den Spürsinn der Ratten: „Im Laufe von Millionen Jahren hat sich ihr biologischer Sensor dermaßen fortentwickelt, dass er nun fähig ist, nicht bloß kleine, sondern auch verschwindend geringe Stoffmengen in der Luft aufzuspüren. In Sachen Sprengstoff kann es um einige Dutzend Moleküle im Volumen einer Luftprobe gehen.“

    Wie der Sender betont, ist das im Fonds entwickelte Know-how ein „richtiger Durchbruch“: Zwar werden Ratten ohnehin eingesetzt, um Sprengstoff zu suchen, doch das neue Verfahren ist grundsätzlich anders. Im Rahmen der traditionellen Methode werden Ratten wie Hunde lange trainiert, machen aber trotzdem bei der Suche oft Fehler – im Gegensatz zu Marusja.  

    „Jeder Geruch löst eine Reaktion in bestimmten Gehirnbereichen aus. Unsere Technologie ermöglicht, diese Reaktion zu sehen, zu lesen und zu entschlüsseln – mit Hilfe einer speziellen Software. Das Verhalten des Tieres spielt dabei keine Rolle. Die Ratte ist für uns lediglich ein Sensor, eine Art Druckpatrone in einem Drucker, die sich immer austauschen lässt. Das Training einer Ratte nimmt nur wenige Tage in Anspruch. Wir gewöhnen sie an den Sprengstoff-Geruch und beobachten, wie ihr Gehirn reagiert“, so Arsenjew.

    Nach Angaben des Senders ermöglicht das russische Know-how, einen Geruch aus einer Vielzahl auszusondern, und unterscheidet sich dadurch vom alten Verfahren mit Hunden. Tabakgeruch kann einen Hund beispielsweise irreführen. Doch ein biosensorisches System – eine Ratte in Kombination mit einem Gerät – wird den gesuchten Stoff auf jeden Fall aufspüren.

    Eine russische Polizistin patroulliert mit ihrem Diensthund vor dem Flughafen Rostow am Don (Archivbild)
    © Sputnik / Sergej Piwowarow
    Eine russische Polizistin patroulliert mit ihrem Diensthund vor dem Flughafen Rostow am Don (Archivbild)

    Im Laufe eines Experiments, so der  Bericht weiter, wurden gleich mehrere Riechstoffe in einen Behälter gelegt: Zigarettenkippen, Duftwasser, Dieselöl, Klebstoff und ein bisschen TNT. Das Programm in Marusjas Gehirn konnte den Sprengstoff fehlerfrei aussondern.

    Der Arbeitsplatz des Weibchens ist ein Plastikkorb, der ungefähr wir ein Autostaubsauger aussieht. Durch eine Röhre, die vor dem Maul befestigt ist, kommt die Luft. Die Ratte hat Sensoren am Kopf: Während sie schläft, analysiert das System den Luftstrom. Die Signale werden an einen Laptop weitergeleitet und ausgewertet. Die graphische Darstellung ähnelt äußerlich EKG-Kurven.

    Wie es im Bericht heißt, hat das biosensorische System bereits eine Reihe von Tests bestanden – vorerst wurde es in Bezug auf Sprengstoff und Drogen getestet. Der Zeitabstand zwischen der Wahrnehmung und der Bildaufzeichnung eines Geruchs beträgt dabei nur drei Sekunden.

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    Tags:
    Ratte, Sprengstoff, Verteidigungsministerium Russlands, Russland