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02:40 21 September 2019
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    Denkmal der Katastrophenhelfer von Tschernobyl-Supergau (Archiv)

    Schwedische Forscher erklären Tschernobyl-Supergau mit Atomexplosion

    © Sputnik / Alexej Wowk
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    Das bislang schlimmste Unglück bei der zivilen Nutzung von Atomkraft – Supergau von Tschernobyl – ist durch eine nukleare Explosion ausgelöst worden. Zu diesem Schluss gelangten schwedische Forscher nach einer Analyse von Xenonisotopen-Proben aus der russischen Luftverflüssigungsfabrik Tscherepowez.

    Der 4. Reaktorblock des Atomkraftwerks Tschernobyl in der heutigen Ukraine explodierte in der Nacht zum 26. April 1986. Augenzeugen zufolge gab es zwei Detonationen. Die stärkere zweite Explosion ereignete sich wenige Sekunden nach der ersten. Offizieller Version zufolge waren Röhren im Kühlsystem wegen zu schneller Verdampfung des Kühlwassers geplatzt. Daraufhin kam es zu einer Reaktion von Dampf und Wasser mit Zirconium in Brennstäben, wodurch große Mengen von Wasserstoff freigesetzt wurden, der dann explodierte.

    Die Schweden sind der Ansicht, dass das Unglück eine andere Ursache hatte:

    „Bei einer planmäßigen Drosselung des Reaktors kam es zu Störungen im System, das die Kettenreaktion steuert“, schrieben die Forscher in einem vom Magazin „Nuclear Technology“ veröffentlichten Artikel. „Dadurch stieg die Menge von Wärmeneutronen in der aktiven Zone des Reaktors rasant, die dann lokale Atomexplosionen auslösten. Produkte der Spaltung zerstörten mit enormer Wucht den Reaktordeckel und das Dach des Reaktorgebäudes und wurden die die Atmosphäre freigesetzt“, hieß es.

    Tschernobyl
    © Foto : Privatarchiv von Viktoria und Stanislaw Polesski
    Diese Version wird gewissermaßen dadurch belegt, dass Wissenschaftler des Radiuminstituts „Chlopin“ in St. Petersburg in Edelgasfraktionen aus der Produktion des Luftverflüssigungswerks Tscherepowez radioaktive Xenonisotope nachgewiesen hatten. Die Fabrik ist auf die Produktion von verflüssigten Stickstoff und Sauerstoff spezialisiert.

    Schwedischen Forschern zufolge resultiert der verhältnismäßig hohe Anteil von Xenonisotopen daraus, dass über Tscherepowez eine Wolke aus Produkten einer etwa 75 Tonnen TNT starken Atomexplosion vorbeigezogen war, die sich in Tschernobyl ereignet hatte.

    Beim Simulieren meteorologischer Verhältnisse über dem westlichen Teil der Sowjetunion wurde wenige Tage nach dem Unglück festgestellt, dass der in der Tscherepowezker Fabrik registrierte Anteil von Isotopen nur möglich gewesen wäre, wenn das ausgetretene Xenon eine Höhe von zweieinhalb bis drei Kilometern erreicht hätte. Ähnliches spielt sich normalerweise nach einer Atomexplosion ab.

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    Tags:
    Forscher, Atomkatastrophe, Schweden, UdSSR