03:54 25 September 2018
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    Aids-Heilung am Horizont? - Antikrebs-Therapie gibt Hoffnung

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    Das Medikament, das bei einem HIV-infizierten Patienten zur Behandlung von Lungenkrebs verwendet worden war, hat für einen drastischen Rückgang der Zahl der vom Virus befallenen Zellen gesorgt. Das geht aus einer Studie französischer Mediziner hervor, die in dem Fachblatt „Annals of Oncology“ veröffentlicht worden ist.

    Der 51-jährige Patient, der im Jahr 1995 für HIV-positiv befunden und bei dem im Mai 2015 Lungenkrebs festgestellt worden war, war im Pariser Krankenhaus Pitie Salpetriere operiert worden, hatte eine Chemotherapie durchgemacht und weniger als ein halbes Jahr danach einen Rückfall bekommen. Ab Dezember 2016 wurde der Lungenkrebskranke mit Nivolumab, einem Medikamenten neuer Generation, behandelt, so die Zeitschrift.

    HIV-Test
    © Sputnik / Eleonora Chiornaya
    Wie die Studienautoren schreiben, hat die Quelle von HIV-infizierten Zellen am 120. Tag der Behandlung – nach insgesamt 31 Nivolumab-Spritzen — einen „drastischen und stetigen Rückgang“ gezeigt.

    Ein HIV-Träger erkrankt in der Regel nicht sofort. Unter Einwirkung des Immunschutzes hält sich das schlummernde Virus in Gehirn- und Knochenmarkzellen bzw. im Genitaltrakt versteckt. Weder eine Antivirus-Therapie noch das geschwächte Immunsystem sind imstande, das Virus abzutöten. Es wird seit Langem – und ohne besonderen Erfolg – versucht, HIV-Zellen aus ihren Reservoiren zu entfernen.

    Das HI-Virus befällt Zellen des Immunsystems, vor allem T-Zellen, die massenhaft absterben. Dabei sammeln sich verbleibende infizierte T-Zellen in einem Reservoir und „schlafen“. Wissenschaftler hatten schon früher an Präparaten gearbeitet, die fähig wären, schlummernde HIV-infizierte Zellen zu aktivieren und auf diese Weise Attacken des Immunsystems auszusetzen. In einem Erfolgsfall könnten HIV-positive Patienten vollständig geheilt werden.

    Der wissenschaftliche Leiter der Studie, Professor Jean-Philippe Spano, sagt dazu: „In der Onkologie ist wohl bekannt, dass Präparate, die die Kontrollzellen der Immunität, solche wie PD-1, blockieren, den Immunschutz wirksam wiederherstellen, um dem Krebs entgegenzuwirken. Es hat auch die Meinung bestanden, die allerdings noch nicht experimentell bestätigt ist, dass dieselben Blocker auch HIV-infizierte Zellen aufwecken und folglich auch den Immunschutz gegen sie ankurbeln können.“

    Die Studie beweise, dass dieser hypothetische Mechanismus dem Menschen helfen könne. „Diese Therapie kann für HIV-Kranke angewendet werden – unabhängig davon, ob sie an Krebs leiden, weil das genannte Präparat sowohl gegen HIV-Reservoire als auch gegen Tumorzellen wirksam ist“, so Spano.

    Trotz fehlender Nebenwirkungen verweisen die Studienautoren darauf, dass es sich um einen bisher einzigen Fall von Heilung handelt. Der  vorherige solche Versuch sei nicht geglückt, heißt es.

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    Tags:
    Behandlung, Heilung, Therapie, HIV, Frankreich