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10:27 22 September 2019
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    Pharma- und Chemieunternehmen Merck (Archiv)

    Bahnbrechendes Medikament in Russland früher auf dem Markt als in Europa

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    Das neue Merck-Medikament „Mavenclad“ gegen multiple Sklerose ist nach vielen klinischen Studien in Russland früher auf den Markt gekommen als in Europa. Ein paar Tabletten, und dann ist man das ganze Jahr geschützt, erklärte der neue Generalmanager von Merck-Biopharma Russia, Matthias Wernicke, im Sputnik-Interview.

    „Die ersten Untersuchungen für das Medikament haben wir in Russland durchgeführt. Das alleine ist eigentlich schon ein Beispiel dafür, dass wir hierzulande bahnbrechende Forschungen machen können. In Europa waren wir in der Warteschleife, da die Europäische Zulassungsbehörde mehr Daten haben wollte. Mittlerweile ist das Präparat auch in Europa präsent, aber leider haben wir wegen der bürokratischen Hürden ein paar Jahre verloren.“

    Wernicke fuhr fort: „Viele große Konzerne ziehen sich wieder aus Russland zurück, da sie die Rahmenbedingungen in der Pharmaindustrie schwierig finden, wie beispielsweise Tenderverfahren, die Bevorzugung lokaler Produzenten, Ausschreibungen und den Preisdruck auf ausländische Hersteller. Manche sagen:,Wir können es uns gar nicht mehr leisten‘.“

    Eines der weltweit ältesten Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie, die Merck KGaA aus Darmstadt, die inzwischen seit fast 120 Jahren in Russland tätig ist, will es anders machen. Merck hat in Moskau ein Labor eröffnet und wird hier produzieren. „Wir wollen hierbleiben und expandieren, weil unsere Produkte marktführend in Russland sind“, so der Generalmanager. „Wir müssen die Leute darüber informieren, dass manche Generika (Nachahmerprodukte) einen schlechteren Standard als unsere Produkte haben. Dafür müssen wir Werbung machen.“

    Ein weiterer Aspekt sei, führte Wernicke weiter aus, „dass wir mit lokalen Partnerschaften arbeiten. Wir wollen lokale Produzenten stärken und kooperieren schon mit zwei russischen Unternehmen. Das ist für uns eine große Investition. Wir haben viel Zeit und Geld investiert, um ihnen bei der Herstellung unserer Produkte zu helfen. Daher werden Merck-Produkte auch von Nanolek oder Pharmstandard produziert. Für uns ist das eine tolle Gelegenheit, um uns auf dem russischen Markt zu etablieren.“

    Obwohl es in den letzten Jahren schwer gewesen sei, sei Russland ein Land, das Wachstum vor sich habe, ist sich der Manager sicher. „Man sieht weltweit, dass wachsende Länder mehr Bruttosozialprodukt erwirtschaften, mehr Geld für Gesundheit ausgeben. Deshalb wäre es seltsam, wenn man in Russland nicht mehr Geld für innovative Medikamente, bessere Behandlungen und die Heilung von Patienten bereitstellt. Deswegen ist es natürlich für ein forschendes pharmazeutisches Unternehmen wie uns sehr wichtig, hier präsent zu sein.“

    Beste Präparate zum erschwinglichen Preis

    Manche Arzneimittel seien so einzigartig in ihrer Wirkung, dass sie einen sehr hohen Wert hätten, erklärt der Merck-Generalmanager. „Die russischen Behörden bestätigen, dass der Preis gerechtfertigt ist. Bei Nosologien oder onkologischen Mitteln ist auch in Russland ein Verständnis dafür da, dass wertvolle Mittel einen hohen Preis haben können.“

    Laut Wernicke gibt es viele Produkte aus der Biopharma-Produktion, die seit langer Zeit auf dem Markt sind und inzwischen kostengünstig sind. „Dann können Sie Blutdruck- oder Diabetes-Medikamente für weniger als eine Schachtel Zigaretten oder eine Packung Kaugummi kaufen. Wenn man die Relation im Kopf bewahrt, ist der Preis durchaus nachvollziehbar.“

    • Jürgen König, Generaldirektor von Merck Russia stellt den neuen Merck-Biofarma-Chef Matthias Wernicke vor
      Jürgen König, Generaldirektor von Merck Russia stellt den neuen Merck-Biofarma-Chef Matthias Wernicke vor
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    • Generalmanager von Merck-Biofarma Russia, Matthias Wernicke
      Generalmanager von Merck-Biofarma Russia, Matthias Wernicke
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    Jürgen König, Generaldirektor von Merck Russia stellt den neuen Merck-Biofarma-Chef Matthias Wernicke vor

    Der in Kalinin (heute Twer) geborene Matthias Wernicke sieht die Tätigkeit in Moskau als eine Karriereherausforderung und bereits als Teil seiner Biographie. Er will auch die russische Sprache erlernen. „Es gibt sicher nach wie vor viele in Westeuropa, die sagen:,Will er sich wirklich in diesem Land beruflich engagieren? Das ist schwierig. Da gibt es eine Menge Herausforderungen.‘ Und ich sage:,Klar, das ist ein Abenteuer, das ich gerne erleben möchte‘.“

    Merck-Pressesprecherin Tatjana Smirnowa berichtete über bedeutende Entdeckungen des Wissenschafts- und Technologieunternehmens Merck im Bereich der CRISPR-Methode, mithilfe derer Krebserkrankungen beseitigt und HIV-Infektionen bekämpft werden können. „Diese Technologie erlaubt es, das Genom zu beeinflussen. Somit kann eine mit der Erkrankung zusammenhängende Mutation durch eine nützliche funktionale Sequenz ersetzt werden. Es geht um die Möglichkeit, eventuelle Krankheiten auf der Genebene zu modellieren, das körpereigene Protein zu markieren, abzusondern und es mit einem bestimmten Marker zu versehen, um weitere Forschungen daran anzuknüpfen.“

    Ferner setzt Merck eine alternative Genomeditierungsmethode ein. Hier werden für die Diagnose Zellen quasi durchgeschnitten, um die Grundursache einer Erkrankung zu finden. Man geht davon aus, dass die Methode in der russischen Zweigstelle der Pharmasparte Merck eingesetzt werden soll.

    „Es ist uns gelungen“, so Tatjana Smirnowa, „in Russland das Gerät Amnis Image Stream vorzustellen, jedoch konnten wir es noch nicht implementieren. Amnis Image Stream ist ein außerordentlich starkes Mikroskop mit der zusätzlichen Funktion eines Durchflusszytometers. Es wird bereits nach Kasachstan geliefert.“ Sie berichtete außerdem von anderen zukunftsweisenden Technologien im Bereich des DNA-Editings. „Damit können Ursachen von DNA-Beschädigungen analysiert und anschließend editiert werden. Unerwünschte DNA-Fragmente können mit chirurgischer Genauigkeit herausgeschnitten werden.“

    Merck verdanken wir auch die Erfindung der Flüssigkristalle. Diese Technologie wird für die Herstellung von Handy-, Computer-, sowie LED-Fernseh-Bildschirmen, für „intelligente Fensterscheiben“, welche die Farbe wechseln und Wärme erhalten, und für Anstrichmittel für Autos, die ebenfalls die Farbe wechseln, verwendet. Auch für spezielle Schutzpigmente, die auf Geldscheine und Pässe aufgetragen werden, findet die Technologie Verwendung.

    Nikolai Jolkin

    Das komplette Interview mit dem neuen Generalmanager von Merck-Biofarma Russia, Matthias Wernicke zum Nachhören:

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    Tags:
    Interview, Markt, Konzern, Medikamente, Russland