10:47 18 Juli 2018
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    Ein Kibernetiker bei der Arbeit (Archivbild)

    Künstliche Intelligenz: Was kann ein vernunftbegabtes Ding dem Menschen geben?

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    Mitte des 20. Jahrhunderts zerbrachen sich Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen den Kopf über das Problem der künstlichen Intelligenz: Wie wird sie sein und inwiefern bedroht sie die Menschheit? Jetzt wissen wir zumindest die Antwort auf die erste Frage. Die künstliche Intelligenz ist eine Software.

    Sie macht Berechnungen, spielt Schach und zwingt den Roboter zu einem Salto. Mit der zweiten Frage ist es schwieriger. Einige bezeichnen die künstliche Intelligenz als Übel, das die Menschheit untergraben kann, andere hegen hingegen große Hoffnungen darauf und möchten damit verschiedene Aufgaben lösen. Die Wissenschaftsentwicklungen in den letzten Jahren bestätigen eher letztere Position. Maschinen mit virtueller Intelligenz können den Menschen in vielen Bereichen ersetzen und ihn sogar verdrängen.

    Allerdings darf nicht jede Software als künstliche Intelligenz betrachtet werden. Nicht dazu gehören Anlagen, die nur Berechnungen schneller als der Mensch durchführen können. Ein Supercomputer, der nicht über irgendwelche besonderen Fertigkeiten verfügt, ist de facto ein superschneller Rechner. Man kann nicht eine Software als superaktuell bezeichnen, die nicht imstande ist, selbständig zu lernen. Eine nicht kreative Herangehensweise an gestellte Aufgaben bedeutet auch nicht viel Intelligenz.

    Eine materielle Hülle, in der sich ein virtuelles Gehirn befindet, hat keine große Bedeutung. Wir können jede Hülle herstellen – kleine Player, Quanten-Computer, Roboter, Lasersysteme, Flugzeuge. Die Vernunft der Anlage wird von dem heruntergeladenen Algorithmus und den Informationen bestimmt. An der Universität MEPhI wird ein Schutzsystem für Smartphones entwickelt, das den Inhaber nach seinem Verhalten gegenüber dem Smartphone erkennt.

    Kritik der künstlichen Intelligenz

    Schnelligkeit, Gedächtnis, Selbstlehre, Kreativität – eine Anlage mit diesen Merkmalen würde fast wie ein Mensch denken. Allerdings fällt dieser Vergleich gar nicht zugunsten der künstlichen Intelligenz aus, weil sie uns Angst einflößt. Wer weiß, welche Gedanken ihr einfallen werden, falls diese Initiative gefördert wird. Sie kann uns auch Schaden zufügen, zu Sklaven machen, vernichten.

    Allerdings teilen Wissenschaftler diese Befürchtungen nicht. „Hollywood-Filme“ wie Terminator oder Matrix sind weit weg von der Realität. Jetzt sind Computer so abhängig vom Menschen, dass sie, auch wenn sie einen Menschen vernichten können, danach nicht existieren werden. Natürlich kann man annehmen, dass Roboter in Zukunft selbständig Bodenschätze gewinnen, Fabriken bauen und sich mit Energie versorgen können, doch das wird kaum in diesem Jahrhundert geschehen. Allerdings lohnen sich Prognosen nicht, zu viel hängt von der Finanzierung ab, sagt Alexej Samsonowitsch, Professor des Instituts für intellektuelle Cyber-Systeme an der Universität MEPhI.

    Einige Denker prognostizieren, dass die künstliche Intelligenz uns gar die ganze Arbeit wegnimmt. Die Robotisierung machte bereits viele Berufe überflüssig, etwa typografische Setzer oder Navigatoren. Wie die Praxis aber zeigt, löst die Mechanisierung der Arbeit neue Berufe aus, bei denen die intellektuellen und kreativen Fähigkeiten der Menschen wieder entdeckt werden. Je mehr Aufgaben wir unseren virtuellen Doppelgängern überlassen, desto mehr Zeit haben wir, uns mit wirklich wichtigen und schweren Sachen zu befassen. Zum Beispiel die Ausfälle in großen Energiebetrieben zu prognostizieren, darunter in Atombetrieben.

    „Die von uns auf Grundlage der Neuronetze entwickelten Systeme können voraussagen, wann eine Menge bestimmter Faktoren zum Ausfall eines Mechanismus führt. Denn verschiedene Abschnitte großer Mechanismen fallen selten einzeln aus. Am häufigsten wird eine Havarie von einem gleichzeitigen Ausfall mehrerer Details verursacht. Ein Mensch ist einfach nicht imstande, die Berechnung und Analyse solcher Mengen von Angaben zu bewältigen, um zu verstehen, wann ein Ausfall auftaucht und was ihr Katalysator sein wird“, sagt der stellvertretende Direktor des Instituts für intellektuelle Cyber-Systeme an der Universität MEPhI, Valentin Klimow.

    Das Tempo der Entwicklung der künstlichen Intelligenz erfreut und erschreckt zugleich, wobei sich die Zeit nähert, da wir ethische Fragen beantworten müssen: ob jede intelligente Software als einzelne Person bezeichnet werden kann, mit welchen Rechten und Pflichten sie versorgt werden muss, und ob ihre Arbeit geregelt werden soll. Der Wissenschaftsfortschritt ist schwer zu stoppen, wir müssen also den Lebensraum mit der künstlichen Intelligenz teilen. Hoffentlich werden wir Freunde.

    Tags:
    Vorteile, künstliche Intelligenz, Prognose, Russland
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