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    Die Evolution der Menschheit ist nicht stehengeblieben. Sie stößt die Männer zur Erhöhung des Körpergewichts und der Verschlechterung ihrer Ausbildung, die Frauen – zur „Mittelgröße“ und einer frühen Geschlechtsreife. Dies behaupten australische Genetiker in einem Artikel des Magazins PNAS (Proceedings oft the National Academy of Sciences).

    „Wir haben einen durchaus offensichtlichen Zusammenhang zwischen der Zahl des Nachwuchses und bestimmten Zügen der Anatomie und des Äußeren der Männer und Frauen entdeckt. Zum Beispiel zeugen die Männer mit einem hohen Körpergewichtsindex mehr Kinder als ihre schlankeren „Konkurrenten“. Ähnlich wie Männer hinterlassen die hochgewachsenen Frauen weniger Kinder als die mittelgroßen Vertreterinnen des „schwachen Geschlechts“, wie Peter Visscher und seine Kollegen von der University of Queensland in der australischen Stadt Brisbane festgestellt haben.

    In den letzten Jahren streiten die Forscher heftig darüber, ob die Evolution der Menschen doch stehengeblieben sei, seitdem die ersten Zivilisationen und ihre Vertreter in größeren Gemeinschaften zu leben begannen.

    Einige Biologen behaupten, dass sich die biologische Evolution des Homo Sapiens verlangsamt habe und sogar stehengeblieben sei, da das Überleben von Individuen und die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr Geschlecht fortsetzen werden, nicht von der Genqualität, sondern von der Cleverness, dem Reichtum und der sozialen Lage abhängig geworden sei.

    Andere Forscher stimmen dem nicht zu. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre haben sie einige Experimente und Studien durchgeführt, im Rahmen derer die Biologen geprüft haben, wie sich der Genom der Menschheit im Laufe der letzten Jahrhunderte und Jahrtausende im Ganzen verändert hat. Sie führten öfters zu gegensätzlichen Schlussfolgerungen, was die Forscher nicht sicher machte, ob die Evolution sich nun weiterentwickle oder ob sie stehengeblieben sei.

    Die Tür einer geschlechtsneutralen Toilette
    © AFP 2020 / Getty Images North America/ Sara D. Davis
    Visscher und seine Kollegen versuchten, Spuren einer natürlichen Selektion unter einigen Tausenden von Briten zu finden, die ihre DNS dem Biobank-Projekt gespendet haben. Die Forscher interessierte, wie sich unterschiedliche Kleinvariationen in den Genen und den diversen Zügen der Anatomie und des Äußeren auf die Zahl der Kinder auswirken können.

    Indem die Genetiker derartige Vergleiche machten, ließen sie sich von einem einfachen Prinzip leiten, das besagt: Die Gene der Menschen, die mehr Nachwuchs hinterlassen, haben mehr Chancen, zu überleben und sich weiter in der Population zu verbreiten, als die DNS jener Männer und Frauen, die nur ein Kind oder gar keine Kinder haben.

    Ausgehend von dieser Idee, haben die Wissenschaftler die DNS von etwa 500.000 Menschen im Alter von 50 bis 70 Jahren analysiert, die sich an den Studien im Rahmen von Biobank-Projekt beteiligt haben. Dabei haben sie etwa dutzend Züge ihres Äußeren und ihrer Anatomie sowie damit verbundene Gene herausgegliedert, die ihren Reproduktionserfolg beeinflussten.

    Dafür haben die Forscher eine typische Zahl von Kindern ausgerechnet, die gerade für diese Auswahl von Briten typisch war, und dies damit verglichen, wieviel Nachwuchs es bei den hochwüchsigen oder kleingewichtigen Menschen gegeben hatte. Jegliche Abweichungen von der „Norm“ wiesen darauf hin, dass es Visscher und sein Team mit den Konsequenzen der beiden Typen einer natürlichen Selektion zu tun haben – eines stabilisierenden oder eines richtenden Typs.

    Der erste Typ der Selektion hängt mit einer eigenartigen „goldenen Mitte“ zusammen, zum Beispiel mit einem idealen Frauenwuchs, deren Vertreterinnen einen maximalen Erfolg bei der Arterhaltung haben werden. Der zweite funktioniert nach dem Prinzip „mehr-besser“ oder „mehr-schlechter“: je früher eine Frau das erste Kind gebärt, desto weniger Kinder hat sie gewöhnlich im Durschnitt. Auf ähnliche Weise beeinflusst das Ausbildungsniveau die Nachwuchsquantität, was die jüngsten Schlussfolgerungen der Genetiker, die die Evolution der Bewohner von Island beobachtet hatten, bestätigen konnten.

    Das Studium dieser Faktoren wird, wie die Wissenschaftler hoffen, den Evolutionsforschern helfen, zu verstehen, was heute konkret die Evolution eines Menschen managt, und welche Sozialfaktoren – wie Armut, Nahrungsmittel- und Ausbildungszugänglichkeit – auf ihren Verlauf am meisten einwirken können.

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    Tags:
    Arterhaltung, Gene, DNS, Biobank-Projekt, Cleverness, Homo Sapiens, Anatomie, Geschlechtsreife, Evolution, University of Queensland, (PNAS), Magazin "Proceedings of the National Academy of Sciences", Peter Visscher, Island, USA, Queensland, Brisbane, Australien